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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Wer fliegt, verliert

 ·  Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo steht angeblich kurz vor dem Aufstieg in den luftfreien Raum. Als Antrieb reicht das in den vergangenen drei Grand Prix verdichtete Ärger-Energiepotential. Doch auf der Schlussetappe der Formel 1 sollte man nicht abheben.

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© dpa Die große Gefahr auf der Saison-Zielgeraden: Wer abfliegt, verliert wichtigen Boden

Ja, wir wissen, was uns Red Bull verleihen möchte, wenn wir denn nicht nur die Botschaft der Österreicher schlucken. Aber wachsen mit der Brause im Leib wirklich Flügel? Oder grummelt es nicht eher, braut sich da nicht etwas zusammen bei so einem Zuckerschuss am helllichten Tag?

Schauen wir uns mal den Freifall-Champion Felix Baumgartner an. 1400 Sachen auf der Uhr, ohne Motor unterm Hintern. Aber wahrscheinlich hat er vor seinem Stratosphären-Sprung auf den Saft (zumindest aus der Dose) als Flugbeschleuniger verzichtet. Wäre ihm wohl hochgekommen beim runterstürzen.

Und Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel? Der ruft immer wieder nach einem guten Kleber. Von wegen fliegen. In seinem Formel-1-Team verleihen die klugen Köpfe dem bulligen Rennwagen Flügel, damit die Kiste am Boden bleibt. Nur nicht abheben auf der Schlussetappe der Formel 1. Wer fliegt, verliert.

In Italien sind jetzt erste Hinweise auf eine Gegenbewegung zum Baumgartner-Experiment zu erkennen. Luca di Montezemolo steht angeblich kurz vor dem Aufstieg in den luftfreien Raum. Auch der Ferrari-Präsident braucht dafür keine Maschine.

Als Antrieb reicht das in den vergangenen drei Grand Prix verdichtete Ärger-Energiepotential. Die Zündung steht kurz bevor. Jedenfalls läuft in Maranello nach den drei jüngsten Siegen Vettels und der Verdrängung von Ferrari-Star Fernando Alonso von der Spitze der Fahrerwertung der Countdown.

Erste Qualmwolken steigen am Fuß der Basis auf. Sie stammen von Montezemolos wütenden Attacken auf die technische Entwicklung der Formel 1. Dessen Tenor: Wer Flugzeuge sehen will, soll zum Flughafen fahren. Mit der Dominanz der Aerodynamik beim Bolidenbau hat die Formel 1 den Boden unter den Füßen verloren.

Ganz neu ist diese Kritik nicht. Sie kommt auch meistens aus einer Richtung und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wenn nämlich in Maranello die Windverhältnisse falsch eingeschätzt wurden und stürmische Zeiten aufziehen, weil die Engländer mal wieder als Überflieger daherkommen.

Diesmal hat Ferraris Windkanal, von Menschenhand betrieben, die Aerodynamik-Experten der Scuderia in die Irre geführt. Die Entwicklung des Autos ist ins Stocken geraten, Chefpilot Alonso und selbst der Beifahrer Felipe Massa rufen schon öffentlich um Hilfe.

Fieberhaft wird parallel in einem zweiten Windkanal gearbeitet, damit Vettel auf der Zielgeraden der Saison wieder ein- und möglichst überholt werden kann. Auf den vier Kursen der bis zum Saisonende noch zu fahrenden Grand Prix, am Sonntag in Indien (10.30 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET), dann in Abu Dhabi, in Austin und zum Finale in Brasilien, scheint der Renner des Hessen im Schnitt schneller zu sein.

Was passiert, wenn es so kommt? Montezemolo wird nicht gleich explodieren, aber zweifellos in die Luft gehen.  Dann hätten die Österreicher in einem Fall doch Recht: Red Bull verleiht Flügel.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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