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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Webbers Abschiedsmanöver

Kein ferngesteuerter Pilot: Mark Webber Bild: AFP

Längst sind die rasenden Hauptdarsteller der Formel 1 zu ferngesteuerten Helden geworden. Mark Webber aber fährt seinen eigenen Kurs. Was macht nun Sebastian Vettel?

          Kontrolle - um nichts anderes geht es in der Formel 1. Tausende Sensoren fühlen an jedem Grand-Prix-Wochenende den Puls der Rennwagen, an den Kommandoständen analysieren die Experten die Daten und funken Anweisungen in die Cockpits. Längst sind die rasenden Hauptdarsteller in den Cockpits zu gläsernen Athleten geworden, vielleicht gar zu ferngesteuerten Helden. Ein Mann aber geht nun seinen eigenen Weg: Mark Webber hat die Verantwortlichen seines Arbeitgebers mit einem ungewöhnlichen Manöver überrascht. Der Australier macht Schluss, am Ende der Saison beendet er die Partnerschaft mit Red Bull, steigt aus der Formel 1 aus und will künftig für Porsche Langstreckenrennen fahren.

          Weltmeister Sebastian Vettel bekommt einen neuen Teamkollegen. Am Donnerstagvormittag sendete Webber seine Entscheidung über Twitter in die Welt hinaus, danach erschien ein langes Interview auf seiner Homepage. Red Bull reagierte erst Stunden später mit einer schlichten Pressemitteilung, in der Teamchef Christian Horner so zitiert wird: „Mark war eine wertvolle Ergänzung für unser Team.“ Eine Ergänzung? Herzliche Worte zum Abschied klingen anders. Wahre Liebe aber war die Dreiecksbeziehung Red Bull/Vettel/Webber schon lange nicht mehr.

          Wen will Vettel haben?

          Seit 2007 fährt Webber für Red Bull, neun Siege sind ihm seitdem gelungen, ein Mal wäre er beinahe Weltmeister geworden. Sein Teamkollege fuhr stets in einer anderen Dimension. Vettel stieß zwar erst zwei Jahre später zum Team, aber er hat schnell die Führungsposition eingenommen: drei Titel, 28 Grand-Prix-Siege - das reicht, um deutlich machen, wer intern das Sagen hat. Und ein Manöver genügte, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wer der Chefpilot ist. Malaysia im März dieses Jahres: Der Kommandostand will, dass Vettel hinter Webber ins Ziel fährt, den Australier nicht mehr angreift, doch der Deutsche fährt auf eigene Rechnung und gewinnt. Danach sagt er, Webber hätte diesen Erfolg nicht verdient. Das Vertrauen zwischen beiden war zu diesem Zeitpunkt längst verschwunden. Es galt nur noch als eine Frage der Zeit, bis Webber das Team verlassen würde. Nun aber hält der Sechsunddreißigjährige wieder selbst etwas in Händen: seine Zukunft. Immerhin.

          Und Vettel? Erstmals wird er 2014 bei Red Bull ohne Webber an seiner Seite rasen. Als einer der Kandidaten für das zweite Cockpit gilt Kimi Räikkönen. Der Finne ist ein Freund des Deutschen, und er ist ein furchtloser Fahrer. Das demonstriert er seit seiner Rückkehr in die Formel 1 im Lotus. Vettel wird mit entscheiden dürfen, wen das Team verpflichtet. Kommt Räikkönen, ist das auch als Statement zu verstehen: Ich nehme es mit jedem auf, selbst mit einem anderen Weltmeister. Vielleicht aber duldet Vettel auch niemanden, der an seiner Machtposition kratzt. Dann käme einer aus dem B-Kader von Red Bull: Daniel Ricciardo oder Jean-Éric Vergne. Aber will sich ein dreimaliger Weltmeister das Leben wirklich so einfach machen?

          Quelle: F.A.Z.

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