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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Warnung vor dem Hunde

Eines Tages will Lewis Hamilton nicht mehr durchs Fahrerlager, durch die Welt spazieren, sondern schweben, getragen von Charisma Bild: dpa

Lewis Hamilton ist einer der schnellsten Formel-1-Piloten - solange er sein Oberstübchen frei von Flausen hält. Schon deshalb spotten Experten, der Wechsel von McLaren zu Mercedes sei ein grober Schaltfehler.

          Der Engländer warnt. Uns, die Deutschen oder wenigstens die Silberpfeil-Familie. Wisst ihr eigentlich, wen ihr euch da eingekauft habt? Selbstverständlich wissen sie das in Stuttgart. Lewis Hamilton ist einer der schnellsten Formel-1-Piloten. Wenn nicht gar der schnellste; solange er sein Oberstübchen frei von Flausen hält. Das ist ihm nämlich nicht immer gelungen.

          Schon deshalb spotten Formel-1-Experten von der Insel, der Wechsel von McLaren zum schwäbischen Autobauer sei ein grober Schaltfehler. Ob Hamilton mit visionärem Blick in die Zukunft geschaut hat und McLaren fortan von der glorreichen Vergangenheit leben muss, wird von Sonntag an die neue Saison zeigen. Sicher ist aber, dass der 28-jährige Rennfahrer mit Gespür für die Endlichkeit schon einiges gewonnen hat dank seiner neuen Liaison. Geschätzt etwa 20 Millionen Euro Gehalt pro Jahr.

          Da haben wir es: Mit Geld rotiert die Welt. Aber wer will aus dieser schnöden Wahrheit schon den Schluss ziehen, Hamilton sei nichts als ein schneller Materialist? Dem widersprach der Brite. Demnach sei ein Detail für den Abschied von McLaren entscheidend.

          Bei Mercedes dürfe er behalten, was er gewinne: etwa die Pokale. Clever, diese Schwaben! Haben sofort verstanden, wie Hamilton tickt und gleichzeitig ein Problem gelöst. Niemand im Weltkonzern muss sich mit der Stil-Frage herumquälen, wo man die hässlichen Kristallvasen und polierten Chromteller würdevoll versteckt, falls er welche gewinnt.

          Mit Fahrerlagerpass und Gehörschutz

          Hamilton hat dagegen schon genaue Vorstellungen. Am besten in ein Museum damit, in sein Museum. Was wieder mal ein Beleg für die Schnelllebigkeit der Branche ist. Da wird schon an die Nachwelt gedacht, bevor das eigene Leben zur Geschichte geworden ist.

          Allerdings kann man dem Weltmeister von 2008 nicht abstreiten, an seinem Ruhm zu arbeiten: Er will ein ganz Großer werden, eines Tages nicht mehr durchs Fahrerlager, durch die Welt spazieren, sondern schweben, getragen von Charisma.

          Schweiß, Tränen und Blut sind drin

          Wie man das anstellt? Indem man gewichtige Worte wählt und auf sein Herz hört: Hamilton ist jetzt auf den Hund gekommen, ein Geschöpf namens Roscoe, das auf Bildern im Netz vor einem leeren Futternapf im Millionärshaushalt hockt. Zu den Rennen in Europa, sagt der Rennfahrer, werde der „Süße“ mit einem eigens beantragten Fahrerlagerpass und Gehörschutz auflaufen.

          Der Mercedes-Mann wird also weder aus dem Auge noch aus dem Sinn entschwinden. Seine Freude über das Recht, auch seine Helme behalten zu dürfen, verleitete ihn, ein Versprechen von Staatsmann Winston Churchill zu variieren: „Da sind mein Schweiß, meine Tränen und mein Blut drin.“ Das ist Warnung genug.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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