Pastor Maldonado war vom Glück geküsst, einst im Mai. Der erste Grand-Prix-Sieger aus Venezuela strahlte vom Siegerpodest in Barcelona, eine goldene Zukunft vor Augen. Nun, am vergangenen Sonntag, ein Vierteljahr nach dem Sieg in Katalonien, sollte der Held der Bolivarischen Republik vor den Augen ihres Präsidenten Hugo Chavez den Applaus seiner Landsleute erfahren.
Hatte doch nicht zuletzt Chavez selbst seinen Anteil am Sieg Maldonados, am Glanz des Ruhms, mit den Öl-Dollar der staatlichen Petroles de Venezuela (PDVSA), die das Williams-Team beschleunigen. Und so waren 20.000 Zuschauer in die Militärakademie in Fuerte Tiuna nahe Caracas gekommen, um Maldonado zu huldigen. Zwölf Runden sollte er in seinem Williams über den mit Betonplatten ausgelegten Paradeplatz drehen.
Es wurden nicht einmal zwei, dann verlor Maldonado die Kontrolle über den Williams. Die Solofahrt des Siegers von Barcelona wurde zu einem Duell zwischen der Hinterachse seines Autos und der Bordsteinkante aus Beton. Die Bordsteinkante siegte.
Aus dem Glückskind ist ein Bruchpilot geworden, vom Pech verfolgt in der eigenen Wahrnehmung, für die Gegner aber ein Schreckgespenst. Seit Barcelona hat Maldonado keinen einzigen WM-Punkt gesammelt, dafür zahlreiche Konkurrenten erbost. „Jedem von uns macht Pastor Sorgen“, hatte Sergio Perez in Silverstone gesagt, und aus dem Mexikaner sprach mitnichten die Mitmenschlichkeit, sondern die Wut über den Blechkontakt und das vorzeitige Rennende, das Maldonado zu verantworten hatte. „Ich verstehe nicht, wie Pastor fährt“, schimpfte Perez in die Mikrofone der Fernsehteams.
Zwei Rennen und ein paar waghalsige Manöver später, in Budapest, stand die Frage im Raum, ob Maldonado selbst versteht, wie er fährt. Er kam zu der Erkenntnis, dass es wohl besser sei, künftig „nur noch allein Rennen zu fahren“. Die missglückte Sonntagsfahrt in der Heimat zeigt: Auch diese Idee hat Tücken.
Na da ist wohl...
Franz Darmstadt (Abdullah2)
- 16.08.2012, 20:57 Uhr