Home
http://www.faz.net/-gu4-725mq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Vom Bordstein besiegt

Pastor Maldonado ist der erste Venezolaner, der ein Formel-1-Rennen gewonnen hat. Dafür gönnte ihm Sponsor und Staatspräsident Hugo Chavez eine Triumphfahrt in Caracas. Der Sonntagsausflug endete ohne Glanz und Gloria.

© REUTERS Zum Ruhme der Bolivarischen Republik: Ausfahrt mit Symbolcharakter am Sonntag in Caracas

Pastor Maldonado war vom Glück geküsst, einst im Mai. Der erste Grand-Prix-Sieger aus Venezuela strahlte vom Siegerpodest in Barcelona, eine goldene Zukunft vor Augen. Nun, am vergangenen Sonntag, ein Vierteljahr nach dem Sieg in Katalonien, sollte der Held der Bolivarischen Republik vor den Augen ihres Präsidenten Hugo Chavez den Applaus seiner Landsleute erfahren.

Christoph  Becker Folgen:

Hatte doch nicht zuletzt Chavez selbst seinen Anteil am Sieg Maldonados, am Glanz des Ruhms, mit den Öl-Dollar der staatlichen Petroles de Venezuela (PDVSA), die das Williams-Team beschleunigen. Und so waren 20.000 Zuschauer in die Militärakademie in Fuerte Tiuna nahe Caracas gekommen, um Maldonado zu huldigen. Zwölf Runden sollte er in seinem Williams über den mit Betonplatten ausgelegten Paradeplatz drehen.

Daheim beim Sponsor: Pastor Maldonado in Caracas Daheim beim Sponsor: Pastor Maldonado bei einer Pressekonferenz vergangene Woche in Caracas © REUTERS Bilderstrecke 

Es wurden nicht einmal zwei, dann verlor Maldonado die Kontrolle über den Williams. Die Solofahrt des Siegers von Barcelona wurde zu einem Duell zwischen der Hinterachse seines Autos und der Bordsteinkante aus Beton. Die Bordsteinkante siegte.

Mehr zum Thema

Aus dem Glückskind ist ein Bruchpilot geworden, vom Pech verfolgt in der eigenen Wahrnehmung, für die Gegner aber ein Schreckgespenst. Seit Barcelona hat Maldonado keinen einzigen WM-Punkt gesammelt, dafür zahlreiche Konkurrenten erbost. „Jedem von uns macht Pastor Sorgen“, hatte Sergio Perez in Silverstone gesagt, und aus dem Mexikaner sprach mitnichten die Mitmenschlichkeit, sondern die Wut über den Blechkontakt und das vorzeitige Rennende, das Maldonado zu verantworten hatte. „Ich verstehe nicht, wie Pastor fährt“, schimpfte Perez in die Mikrofone der Fernsehteams.

Zwei Rennen und ein paar waghalsige Manöver später, in Budapest, stand die Frage im Raum, ob Maldonado selbst versteht, wie er fährt. Er kam zu der Erkenntnis, dass es wohl besser sei, künftig „nur noch allein Rennen zu fahren“. Die missglückte Sonntagsfahrt in der Heimat zeigt: Auch diese Idee hat Tücken.

Quelle: FAZ.NET

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel-1-Pilot Max Verstappen Juwel aus der Computer-Kid-Generation

Wie jung darf ein Fahrer sein in der Formel 1? Der 17 Jahre alte Max Verstappen galt für viele als Sicherheitsrisiko. Nach nur einer halben Saison hat er nicht nur das eigene Team überzeugt. Mehr Von Michael Wittershagen, Spa-Francorchamps

21.08.2015, 12:34 Uhr | Sport
Schwierige Zeiten Begeisterung für Chavismo in Venezuela lässt nach

Zwei Jahre nach dem Tod des venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez schafft es der von ihm ausgewählte Nachfolger Nicolas Maduro nicht, die Begeisterung für Chavismo, die linksgerichtete politische Ideologie seines Vorgängers aufrechtzuerhalten. Viele trauern dem Comandante nach. Mehr

06.03.2015, 12:39 Uhr | Politik
Peking 2015 Zeitplan der Leichtathletik-WM im Überblick

47 Entscheidungen fallen bei der Leichtathletik-WM 2015 in Peking zwischen dem 22. und 30. August. Wer läuft, wirft und springt wann? Und wer ist jeweils Titelverteidiger? Ein Überblick. Mehr

27.08.2015, 15:22 Uhr | Sport
Heftige Waldbrände Kampf gegen Flammen-Inferno vor Barcelona

Im spanischen Katalonien wüten heftige Waldbrände. Nach Angaben der Behörden verbrannten mehr als 1.200 Hektar Wald in weniger als 24 Stunden. Mehr

28.07.2015, 10:15 Uhr | Gesellschaft
DTM Rockenfeller gewinnt in Moskau

Ein guter Sonntag für Audi in Moskau: Mike Rockenfeller gewinnt den zwölften Saisonlauf. Mattias Ekström holt sich die Führung in der Gesamtwertung zurück. Mehr

30.08.2015, 17:07 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 16.08.2012, 16:49 Uhr

Vertrödelt und verbockt

Von Paul Ingendaay

Nach dem Spott über den geplatzten Torwart-Tausch von Real Madrid und Manchester United sollte man sich eine kleine Auszeit für die Schadenfreude nehmen. Um danach Mitleid mit den Opfern zu haben. Mehr 2