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Veröffentlicht: 22.05.2013, 21:51 Uhr

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Vollgas-Tanz auf Rädern statt Eier-Tanz

Der Grand Prix von Monaco ist ein Anachronismus. Er sorgt für mehr Stress bei den Piloten als jede Hochgeschwindigkeitsstrecke. Gerade in Zeiten der leidigen Reifendiskussionen ist das Rennen im Fürstentum am Wochenende der Höhepunkt des Formel-1-Jahres.

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© Getty Images Anachronismus in Zeiten der Sicherheit: Der Grand Prix in den Straßenschluchten Monacos

Werfen wir doch einmal das Kopfkino an, schließen die Augen und stellen uns die Stimme von Ayrton Senna vor:  „Ich fuhr mich in einen richtigen Rausch hinein. Alles stimmte, die Bremspunkte, das Einlenken, das Beschleunigen. Ich war eine Symbiose zwischen Auto und Strecke. Plötzlich erwachte ich aus diesem Zustand. Ich erschrak, weil ich merkte, dass ich in einer ganz anderen Welt war.“ Der Tanz an der Leitplanke im Fürstentum von Monaco hatte ihn in eine Art Trance versetzt.

Formel 1 - GP Monaco - Training Alonso © dpa Vergrößern Wegweiser: Bei Tempo 250 durch die Stadt

Michael Wittershagen Folgen:

3340 Meter Asphalt, zwölf Linkskurven, sieben Rechtskurven, 285 Kilometer pro Stunde als Höchstgeschwindigkeit – das sind die nackten Zahlen. Aber eine Runde auf dem Stadtkurs in der Glitzerwelt ist mehr. Ein Mythos. Und ein Balanceakt, der die Menschen verändert. Die Männer in den Boliden und die Menschen auf den Tribünen, die sie für ihre Hatz durch die engen Straßen bewundern. 

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Kaum Auslaufzonen, keine Kiesbetten – Monaco verzeiht keine Fehler. Das Rennen ist ein Anachronismus. Seit Jahren strebt die Formel 1 nach mehr Sicherheit, nach neuen Märkten. Doch schon die Passagen mit Namen wie Sainte Devote oder Rascasse klingen in manchen Ohren wie Musik. Dass im Fürstentum viel gedrängelt, aber selten überholt wird – wer mag sich wirklich darüber aufregen? Und wen interessiert es, welcher Rennwagen gerade mit welcher Reifenmischung unterwegs ist? Das Rennen in Monaco scheint aus der Zeit gefallen, und doch ist es Jahr für Jahr der eigentliche Höhepunkt der Saison. Allen technischen Revolutionen zum Trotz.

Der Kopf entscheidet

An keinem Ort der Welt ist der Stressfaktor für die Piloten höher. Neben der Piste, wo sich die Reichen und Schönen berauschen. Und auf der Strecke, wo die Fahrer so viel zu tun haben wie auf keinem anderem Kurs. Während des Rennens schalten sie etwa 3000 Mal, während einer einzigen Runde drehen sie mehr als 130 Mal am Lenkrad, verstellen immer wieder die Regler, drücken die Knöpfe für das Energie-Rückgewinnungssystem Kers, das Differential, das Benzingemisch, die Bremsbalance oder den Funk.

Monaco Formula One Grand Prix © dpa Vergrößern Letzte Vorbereitungen:Schikane und Tribüne am Yachthafen

Der Grand Prix wird nicht nur mit dem Gasfuß, er wird vor allem im Kopf entschieden. Und es besteht die berechtigte Hoffnung, dass nach der Zielflagge nicht über das geredet wird, was eigentlich nur Mittel zum Zweck sein sollte, zuletzt aber beinahe jede Diskussion bestimmte, Entschuldigung für Niederlagen oder Begründung für Siege war: die Reifen.

Also: Visier runter, Motor an und Gas geben. Der Grand Prix in Monaco belohnt die Mutigen und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. Eine perfekte Runde ist eine Runde, die nur wenige Zentimeter an den Leitplanken vorbei führt. Ein Vollgas-Tanz auf Rädern. Aber kein Eier-Tanz auf Reifen.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen in Crashtest - die Formel-1-Kolumne jeden Mittwoch dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZNET

 

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