http://www.faz.net/-gu4-750b5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 12.12.2012, 13:06 Uhr

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Vollgas-Fanatiker ohne Ruhezustand

Was macht Michael Schumacher nach seinem Rücktritt als Formel-1-Rennfahrer? Ein Rennen fahren! Und klar, er will es gewinnen. Schumacher ist schließlich eine Weltmarke, auch in der Winterpause.

von
© AFP Michael Schumacher: Nach dem Rücktritt ist vor dem Rennen

Er kann es also doch nicht lassen und gibt wieder Gas: Michael Schumacher steigt noch einmal ins Cockpit und fährt noch einmal um die Wette. Genau das haben Sie schon seit dem Rücktritt des Rekordweltmeisters befürchtet, wollten es aber nicht glauben? Ein Klick auf die Homepage des Dreiundvierzigjährigen, darauf ein Interview mit ihm: „Es ist doch so, klar: wenn man fährt, will man auch gewinnen. Wir sind alle Wettbewerbstypen, wir sind alle ziemlich erfolgreich, daher wollen wir uns auch alle gut verkaufen.“

Michael Wittershagen Folgen:

Na klar, ein Schumacher fährt nicht einfach so zum Spaß, ein Schumacher will der Erste sein – im Formel-1-Boliden, auf dem Motorrad, im Kart oder beim Race of Champions am kommenden Wochenende in Thailand. Was er dort macht als Vollgas-Fanatiker im Ruhestand? Schumacher bleibt eine Weltmarke, an der sich die anderen orientieren müssen. Auch in der Winterpause.

Mehr zum Thema

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, Motorrad-Champion Jorge Lorenzo, Le-Mans-Rekordgewinner Tom Kristensen und einige andere – aber wer fasziniert die Zuschauer auf den Tribünen von Bangkok wohl am meisten? Auch ohne Glaskugel ist die Antwort eine einfache: Schumacher hat sie bisher alle in den Schatten gestellt, und das wird so bleiben.

Schumacher ist der womöglich einzige Star von Welt, den Deutschland derzeit hat. Amerika, Australien, Asien, Afrika – kaum ein Ort, an dem der Mann aus Kerpen im Rheinland kein Begriff ist. Wenn die Menschen auf fernen Kontinenten noch kennen? Vielleicht Basketball-Superstar Dirk Nowitzki, weil es der Würzburger in seiner Sportart selbst mit den Cracks aus Amerika aufnimmt. Aber sonst? Keiner in Sicht. Man müsste Schumacher also dankbar sein, mehr als zwei Jahrzehnte ist er schließlich als rasender Botschafter im Namen der Bundesrepublik unterwegs gewesen. Sicher, er hat dabei gut verdient, aber er hat auch seine Gesundheit riskiert.

Jahresrückblick 2012 © dpa Vergrößern Brüder im Geiste und Teamgefährten beim Race of Champions: Schumacher und Sebastian Vettel (links)

Was seine Landsleute darüber denken? Viele bewundern ihn. Andere sind erbost darüber, dass Schumacher seinen Lebensmittelpunkt vor einiger Zeit in die Schweiz verlegt hat. Ein Steuerflüchtling! Ein Undankbarer! Einer, der seine Herkunft vergessen hat! Das schimpfen die Nörgler und vergessen dabei, dass viele von den Steuerkünsten Schumachers profitiert haben: Ohne ihn hätte es keinen Formel-1-Boom in Deutschland gegeben, keine Gewinne in Millionenhöhe für die Rennstreckenbetreiber in Hockenheim und am Nürburgring  – zumindest bis zur Jahrtausendwende –, die Bauindustrie hätte nichts zu bauen gehabt an den Grand-Prix-Zentren, Kartbahnen wären nicht wie einst Tennisplätze in die Landschaft  gesetzt worden, der Privatsender RTL hätte rund um die  Raserei nicht seine einzig relevante Sportsendung aufbauen können, und auch dass es Vettel ohne Schumacher bis an die Weltspitze geschafft hätte, darf bezweifelt werden.

Der Junior hat das nie vergessen und erweist dem Altmeister eine letzte Ehre: Vettel begleitet Schumacher nach Thailand, zusammen wollen sie zum sechsten Mal nacheinander die Nationenwertung beim Race of Champions gewinnen. Was 2013 folgt? Eine neue Zeitrechnung. Ohne Schumacher.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Max Verstappen Begegnung mit der Zukunft der Formel 1

Max Verstappen soll die Dominanz von Mercedes brechen – das ist die Hoffnung, die in den 18-Jährigen gesetzt wird. Schon jetzt ist er eine strategische Figur in der Formel 1. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

28.05.2016, 08:59 Uhr | Sport
GoPro-Video Ein Eichhörnchen, das Wasserski fährt

Ein Eichhörnchen, das Wasserski fährt: Ein Umstand, den man so eher selten sieht. Möglich macht es hier eine Actionkamera. Mehr

06.05.2016, 08:47 Uhr | Wirtschaft
Rosberg gegen Hamilton Erst die Firma, dann das Ego

Die Konkurrenz hofft beim Formel-1-Rennen in Monaco auf den nächsten Crash zwischen Rosberg und Hamilton. Mercedes hält von dieser Aussicht gar nichts – und hofft, dass sich eine Geschichte von 1997 nicht wiederholt. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

29.05.2016, 11:34 Uhr | Sport
Zürich Roboter fährt scheinbar schwerelos Wände hoch

Ingenieure der ETH Zürich und des Disney Research Zürich haben sich ein cleveres System ausgedacht, damit der Roboter scheinbar schwerelos Wände entlang fahren kann. Mehr

16.05.2016, 16:04 Uhr | Gesellschaft
Monaco-Sieger Hamilton Gebetet, gesegnet, beschenkt

Lewis Hamilton beweist in Monaco, warum er zu den Besten zählt: Im entscheidenden Moment verteidigt der Formel-1-Weltmeister kompromisslos den Sieg – und profitiert von Red Bulls Fehlgriff. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

29.05.2016, 16:07 Uhr | Sport

Fifa im Hinterzimmer

Von Anno Hecker

Wer glaubt, die Fifa habe endlich gelernt und sei auf dem Weg, ihre vollmundigen Reformversprechen umzusetzen, der muss sich revidieren. Aber ist diese Erkenntnis eine Überraschung? Mehr 0