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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Vollgas-Fanatiker ohne Ruhezustand

Michael Schumacher: Nach dem Rücktritt ist vor dem Rennen Bild: AFP

Was macht Michael Schumacher nach seinem Rücktritt als Formel-1-Rennfahrer? Ein Rennen fahren! Und klar, er will es gewinnen. Schumacher ist schließlich eine Weltmarke, auch in der Winterpause.

          Er kann es also doch nicht lassen und gibt wieder Gas: Michael Schumacher steigt noch einmal ins Cockpit und fährt noch einmal um die Wette. Genau das haben Sie schon seit dem Rücktritt des Rekordweltmeisters befürchtet, wollten es aber nicht glauben? Ein Klick auf die Homepage des Dreiundvierzigjährigen, darauf ein Interview mit ihm: „Es ist doch so, klar: wenn man fährt, will man auch gewinnen. Wir sind alle Wettbewerbstypen, wir sind alle ziemlich erfolgreich, daher wollen wir uns auch alle gut verkaufen.“

          Na klar, ein Schumacher fährt nicht einfach so zum Spaß, ein Schumacher will der Erste sein – im Formel-1-Boliden, auf dem Motorrad, im Kart oder beim Race of Champions am kommenden Wochenende in Thailand. Was er dort macht als Vollgas-Fanatiker im Ruhestand? Schumacher bleibt eine Weltmarke, an der sich die anderen orientieren müssen. Auch in der Winterpause.

          Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, Motorrad-Champion Jorge Lorenzo, Le-Mans-Rekordgewinner Tom Kristensen und einige andere – aber wer fasziniert die Zuschauer auf den Tribünen von Bangkok wohl am meisten? Auch ohne Glaskugel ist die Antwort eine einfache: Schumacher hat sie bisher alle in den Schatten gestellt, und das wird so bleiben.

          Schumacher ist der womöglich einzige Star von Welt, den Deutschland derzeit hat. Amerika, Australien, Asien, Afrika – kaum ein Ort, an dem der Mann aus Kerpen im Rheinland kein Begriff ist. Wenn die Menschen auf fernen Kontinenten noch kennen? Vielleicht Basketball-Superstar Dirk Nowitzki, weil es der Würzburger in seiner Sportart selbst mit den Cracks aus Amerika aufnimmt. Aber sonst? Keiner in Sicht. Man müsste Schumacher also dankbar sein, mehr als zwei Jahrzehnte ist er schließlich als rasender Botschafter im Namen der Bundesrepublik unterwegs gewesen. Sicher, er hat dabei gut verdient, aber er hat auch seine Gesundheit riskiert.

          Brüder im Geiste und Teamgefährten beim Race of Champions: Schumacher und Sebastian Vettel (links)
          Brüder im Geiste und Teamgefährten beim Race of Champions: Schumacher und Sebastian Vettel (links) : Bild: dpa

          Was seine Landsleute darüber denken? Viele bewundern ihn. Andere sind erbost darüber, dass Schumacher seinen Lebensmittelpunkt vor einiger Zeit in die Schweiz verlegt hat. Ein Steuerflüchtling! Ein Undankbarer! Einer, der seine Herkunft vergessen hat! Das schimpfen die Nörgler und vergessen dabei, dass viele von den Steuerkünsten Schumachers profitiert haben: Ohne ihn hätte es keinen Formel-1-Boom in Deutschland gegeben, keine Gewinne in Millionenhöhe für die Rennstreckenbetreiber in Hockenheim und am Nürburgring  – zumindest bis zur Jahrtausendwende –, die Bauindustrie hätte nichts zu bauen gehabt an den Grand-Prix-Zentren, Kartbahnen wären nicht wie einst Tennisplätze in die Landschaft  gesetzt worden, der Privatsender RTL hätte rund um die  Raserei nicht seine einzig relevante Sportsendung aufbauen können, und auch dass es Vettel ohne Schumacher bis an die Weltspitze geschafft hätte, darf bezweifelt werden.

          Der Junior hat das nie vergessen und erweist dem Altmeister eine letzte Ehre: Vettel begleitet Schumacher nach Thailand, zusammen wollen sie zum sechsten Mal nacheinander die Nationenwertung beim Race of Champions gewinnen. Was 2013 folgt? Eine neue Zeitrechnung. Ohne Schumacher.

          Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

          Quelle: FAZ.NET

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