Home
http://www.faz.net/-gu4-72b0h
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Viel, aber eben nicht alles

Hamilton und der Teamchef von McLaren-Mercedes Whitmarsh haben viel voneinander. Doch sie würden vom Gegenüber mehr erwarten: Hamilton mangelt es an Attributen, um öfters Weltmeister zu werden. Ihm selbst fehlt ein exquisiter Untersatz.

© AFP Siegertyp? Hamilton jubelt nach seinem Erfolg in Ungarn

Darf man das? Etwas in die Welt setzen, was noch gar nicht geschehen ist. Wir behaupten mal, dass Lewis Hamilton auch in der Saison 2013 für McLaren-Mercedes in der Formel 1 fahren wird. Zugegeben, das ist keine wagemutige Prognose. Hamilton und Teamchef Martin Whitmarsh schleichen schon seit Wochen umeinander, sich ihre gegenseitige Sympathie versichernd.

Anno Hecker Folgen:

Dabei kommen so entwaffnend logische Wortkombinationen heraus wie die jüngste von Whitmarsh im Fachmagazin „Autosport“: „Wenn Lewis im Team bleiben will, was er mir gesagt hat, soll er das tun. Und wenn wir ihn halten wollen, dann sollten wir das tun.“ Sieh an! Dann macht doch endlich, Ihr Hochgeschwindigkeits-Experten. Die Verzögerung mag mit der Klärung von Detailfragen zusammenhängen. Aber die allgemeine Tempoverschleppung hat noch einen anderen Grund.

Mehr zum Thema

Whitmarsh und Hamilton kennen sich jetzt seit etwa sechzehn Jahren. Jeder weiß also vom anderen haargenau, was er an ihm hat. Das ist zwar sehr viel, aber eben nicht alles, was man gerne hätte. Whitmarsh lässt zwar keine Gelegenheit aus, Hamilton als echten Racer, als wunderbaren Wettkämpfer und Vollgasvirtuosen zu beschreiben. Er verzichtet aber auch nicht auf die Einschränkung: Hamilton neigt dazu, im Überschwang seiner Angriffslust schon mal aus der Kurve zu fliegen. So wird man Publikumsliebling, aber seltener Weltmeister.

Schwäche des Erzfeindes nicht optimal ausgenutzt

Ohne exquisiten Untersatz kommt man allerdings auch nicht zu Championaten. Deshalb ist Hamilton längst nicht mehr so Feuer und Flamme für McLaren wie beim Debüt 2007. Denn die Briten haben es diesmal nicht verstanden, die Schwäche ihres Erzfeindes vom Kontinent optimal auszunutzen. Ferrari begann, trotz des Sieges im Regenwetter von Malaysia, die Saison viel zu langsam. Teamchef Stefano Domenicali hätte der Auftritt nach den umfangreichen Änderungen im vergangenen Jahr beinahe den Kopf gekostet. Nun tauchte der Basketball-Fan während der Rennpause höchst vergnügt bei den Sommerspielen in London auf. Das große technische Problem scheint gelöst, der Rückstand aufgeholt, man führt die Fahrerwertung an.

Bild 1 Hamilton Überschwängliche Angriffslust: der Brite Hamilton © dapd Bilderstrecke 

Die Scuderia sucht nicht mehr nach Fehlern, sondern nur nach einem Mann für das zweite Cockpit. McLarens Jenson Button soll ein Kandidat sein. Die Nummer eins der Branche ist den Italienern dagegen nicht zu nehmen. Fernando Alonso, noch lieber und teurer geworden, seit er die Schwächephase der Scuderia mit brillanten Vorstellungen in einem schwer zu fahrenden Boliden umfuhr, wird längst auf Händen getragen. Jener Alonso, den McLaren Ende 2007 nach nur einer Saison mehr oder weniger davon jagte – wegen Hamilton.

Quelle: FAZ.NET

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel 1 Ein Sieg fehlt Vettel noch zum Paradies

Ferrari in Feierlaune: Nach dem Triumph in Ungarn schweben Sebastian Vettel und sein Team schnell wieder im siebten Himmel. Der italienische Rennstall träumt aber bereits von mehr. Mehr

27.07.2015, 12:52 Uhr | Sport
Formel 1 Vettel: Wollen mit Ferrari zweite Kraft werden

Sebastian Vettel hat sich am Donnerstag in Mönchengladbach zuversichtlich gezeigt, mit seinem neuen Team Ferrari Spitzenergebnisse in der Formel-1-Saison 2015 erreichen zu können. Mehr

05.03.2015, 16:04 Uhr | Sport
Formel 1 Vettel widmet Sieg in Ungarn dem verstorbenen Bianchi

Spannendes Rennen in Ungarn: Sebastian Vettel ist beim Grand Prix in Mogyorod als Erster im Ziel. Die dominierenden Mercedes schaffen es nicht mal aufs Podium. Mehr

26.07.2015, 16:11 Uhr | Sport
Fahrbericht Mercedes S500 Coupé

Mercedes häutet sich. Unter dem Diktat des Designs und dem Druck des Digitalen rücken alte Markenwerte in den Hintergrund. Immer mehr Modelle verwässern den Kern der Marke. Aber es gibt das S Coupé - nicht billig, doch notwendig. Und so schön. Mehr

16.04.2015, 10:30 Uhr | Technik-Motor
Trauerfeier für Bianchi Gott behüte dich, Jules

Der neun Monate nach seinem Unfall verstorbenen Formel-1-Fahrer Jules Bianchi ist in Nizza beerdigt worden. Auch viele frühere Rennkollegen nahmen in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von dem Franzosen. Mehr

21.07.2015, 11:52 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 24.08.2012, 10:55 Uhr