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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Vettel ist hitzebeständig

Der Weltmeister liegt schon 39 Punkte hinter Alonso. War es das also? Nicht unbedingt. Vettel hat schon mal einen solchen Rückstand aufgeholt. Und er hat das Zeug dazu, auch diese Prüfung zu bestehen.

© REUTERS Cool bleiben: Sebastian Vettel kann mit Drucksituationen umgehen

Der Lichtmaschine von Sebastian Vettel kann es nicht schnell genug gehen. Sie mag den Fahrtwind, weil der so schön kühlt. Dann wäre die Raserei auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza ja eigentlich genau das richtige gewesen. Aber „in langsamen Kurven“, gesteht nun der Motorenmann von Vettels Rennstall Red Bull zerknirscht, ja, in langsamen Kurven wird’s ihr dann doch zu heiß.

Anno Hecker Folgen:

Monza hat zwar Schikanen, wo der gemeine Pilot etwa am Ende der Startgeraden mächtig aufs Bremspedal steigen muss, damit er seinen Boliden nach der Zielgeraden von Tempo 340 Kilometer auf 70 herunter kriegt. Aber „langsame“ Kurven hat der Kurs im königlichen Park kaum zu bieten. Da gibt es ganz andere. Und deshalb schmort jetzt wahrscheinlich der Weltmeister. Denn wenn der lebenswichtige Stormlieferer im Red Bull des Champions schon in Valencia einen Kurzschluss produzierte, nach Monaten der Fehlersuche auch im spätsommerlichen Monza den Geist aufgab, wie soll er dann die schwüle Hitze beim Nachtrennen von Singapur in zehn Tagen überstehen?

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39 Punkte Rückstand hinter Fernando Alonso in Weltklasseform: Es sieht so aus, als habe jemand den Stecker aus der Dose gezogen. Denn selbst bei noch sieben zu fahrenden Grand Prix scheint der Hesse diesen Rückstand kaum mehr ausgleichen zu können. Zwar ist der Ferrari kein Supermodell, aber alltagstauglich. Außerdem neigt er - italienische Passion hin oder her - selbst bei höchsten Drehzahlen nicht zum Überhitzen, wie das gesamte Team. Cool hat die Scuderia den dritten Rang ihres Chefpiloten in Monza als Erfolg verbucht.

Die Mannschaft weiß, wie schnell sich so ein sattes Punkteguthaben auflösen, wie flugs sich ein Hintermann nähern und vorbei ziehen kann. 2010 überholte der wegen technischer Pannen scheinbar aussichtslos zurückliegende Vettel den potentiellen Champion erst im letzten Rennen. Alonso, die Teamführung, der charismatische Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, sie alle haben diesen bitteren Abend in Abu Dhabi nicht vergessen.

Red Bull Formula One driver  Vettel of Germany leaves the pits during third practice session of the Italian F1 Grand Prix at the Monza circuit © Reuters Vergrößern Zuletzt nicht hitzebeständig: Die Lichtmaschine von Vettels Red Bull neigt zu Kurzschlüssen

Auch Vettel erinnert sich, allerdings sehr gerne. Der Weg zum überraschenden, ersten Titel liefert in diesen Tagen die vorerst gedankliche Schubkraft, die ihm am Sonntag auf halben Weg versagt blieb: Hab ich das nicht schon mal geschafft? Und wie. Vettel wird nun von Rennen zu Rennen mehr Risiken eingehen, Grand Prix für Grand Prix einer Drucksteigerung widerstehen müssen und sich keinen einzigen Fehler leisten dürfen. Er hat das Zeug dazu, diese spannende Prüfung auf Biegen und Brechen zu bestehen. Vettel ist jedenfalls hitzebeständig.

Der indisponierte Stromerzeuger, der ärgerliche Verlust von insgesamt 33 Punkten allein wegen zweier Pannen, produziert mit Verzögerung also doch noch eine Menge Energie. Vielleicht treibt sie Vettel zu brillanten Rennen, zu einer phantastischen Aufholjagd. Vielleicht entlädt sie sich aber auch bei einem heftigen Kurzschluss. Das hängt wohl stark vom Lichtmaschinchen ab. Falls sie mal wieder schmort, wird Vettel kurz darauf garantiert kochen.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Der Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 
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