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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Startschuss zum Sternkampf

 ·  Letzte Woche kritisierte Michael Schumacher die modernen Formel-1-Reifen. Diese Woche kontert sein Teamkollege Nico Rosberg. Und plötzlich werden aus Kollegen Rivalen. Bei Mercedes ist die Friedenspflicht abgelaufen.

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Und nun? Versteht der Alte die Welt plötzlich nicht mehr? Eigentlich ist es ganz einfach, geht es doch bei dieser Sache vor allem darum, ob die Reifen der neuesten Generation zu viel Einfluss haben auf die Formel-1-Rennen.

Michael Schumacher (Mercedes) hat vor einer Woche genau das behauptet und damit offenbar ein ganz anderes Thema aus dem Dornröschenschlaf geweckt: „Man konnte den Reifen früher in Richtung des Fahrers entwickeln. Heute kann man am Reifen nichts machen, da muss man mit dem leben, was man hat.“

Sagt sein Teamkollege Nico Rosberg. Es ist so etwas wie der interne Angriff auf den Rekordweltmeister, der Versuch, sich als Anführer im Team zu positionieren.

Antwort mit Vergnügen

Mehr als zwei Jahre galt so etwas wie das Neutralitätsgesetz im Mehrgenerationenhaus der Silberpfeile. Schumacher lobte Rosberg und Rosberg lobte Schumacher – zumindest öffentlich. Eine Interessengemeinschaft, in der der eine vom anderen profitieren wollte. Gemeinsam mussten sie den Mercedes weiter entwickeln, ihn beschleunigen, um den Gegnern auf der Piste wieder näher zu kommen. Das ist ihnen gelungen, beim Großen Preis von China gewann Rosberg das erste Rennen nach dem Comeback von Mercedes.

Es war so etwas wie der Startschuss für eine neue Rivalität. Kostprobe gefällig? In Bahrein wurde Schumacher gefragt, ob der Premierenerfolg nun Rosberg weiter beschleunigen werde.

Die Antwort darauf bereitete dem Dreiundvierzigjährigen sichtbares Vergnügen: „Es gibt viele Leute, die behaupten, dass man nach dem ersten Sieg besser wird und nach dem ersten Kind langsamer“, sagte er. „Das zweite stimmt nicht – und das erste, glaube ich, auch nicht.“

Die Claims zwischen beiden sind noch längst nicht abgesteckt. Harmonie herrscht in einem Team meistens nur, wenn keiner der beiden Fahrer eine Chance hat zu gewinnen. Nun aber rechnen sich beide etwas aus.

Der Kampf beginnt jetzt erst

Rosberg spricht von einem unglaublichen Gefühl, weil er weiß, dass er aus eigener Kraft auf die Pole Position fahren und Rennen gewinnen kann. Schumacher verspricht, dass er den Leuten noch etwas zeigen werde. Einen Eindruck von dem, was dann los ist, bekam er in China, als er es im Qualifying erstmals seit seinem Comeback wieder auf Platz drei schaffte.

Und Teamchef Ross Brawn behauptet während der Testfahrten zurzeit in Mugello, dass es in dieser Saison weitere Siege für Mercedes geben werde. Was ungeahnte Möglichkeiten aus Rennfahrern machen, konnten die Zuschauer im Mai 2010 beobachten. Seinerzeit kollidierten die Red-Bull-Kollegen Sebastian Vettel und Mark Webber in Istanbul, und nur die Gegner freuten sich diebisch.

Es muss in diesem Duell nicht gleich zum Zusammenstoß kommen, aber eines steht trotzdem schon jetzt fest: Das Mercedes-Projekt wird erst seinem dritten Jahr richtig spannend. Kaum zu glauben, dass Schumacher in den nächsten sechzehn Rennen die Lust vergeht und er seine Karriere beendet. Reifen hin, Reifen her – der Kampf beginnt erst.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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