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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Silberpfeil auf Irrfahrt

Der eine geht, der andere auch: Wohin fährt Mercedes ohne Schumacher und Haug? Bild: dpa

Wer wird eigentlich Nachfolger von Norbert Haug bei Mercedes? Nur ein Deutscher könnte dessen Botschafter-Rolle ausbauen. Aber Michael Schumacher ist ein leidenschaftlich bekennender Gegner jeglicher Bürokratie.

          Wo ist eigentlich das Konzept für den Traum des Konzerns vom WM-Sieg der Silberpfeile? Weltkonzerne sind doch Planungsexperten, nichts wird dem Zufall überlassen. Demnach muss die Trennung von Motorsportchef Norbert Haug im Hause Daimler generalstabsmäßig vorbereitet worden sein. Seit einer Woche warten Motorsportexperten der Nation auf die Ernennung eines Nachfolgers. Aber nichts ist bislang geschehen. In Interviews beteuert Haug seine Verbundenheit mit dem Stern: Erst das Auto, der Konzern, die Marke, dann irgendwann, wenn überhaupt, ich.

          In der „Bild“-Zeitung bezeichnete sich Haug gar als Verantwortlicher für das Scheitern des Formel-1-Projektes in den ersten drei Jahren. Heiliges Blechle, das klingt nobel. Aber so ein wehmütiges Bekenntnis zum Ende einer innigen Liaison lenkt ab. Als versuche Haug ein letztes Mal seinem Haus, seiner Heimat, mit breiter Brust Schutz zu verleihen, Zeit zu verschaffen. Damit sich am Ende aus der Scheidung doch noch ein strategischer Schachzug herausschält?

          Es wird wohl keinen Nachfolger für Haug geben. Wie wäre das auch möglich? Der Mann hat dem Motorsport-Auftritt des Konzerns in den vergangenen zwanzig Jahren als Mr. Mercedes ein Gesicht verliehen. Nur ein Deutscher könnte diese Botschafter-Rolle ausbauen. Aber Michael Schumacher ist ein leidenschaftlich bekennender Gegner jeglicher Bürokratie. Da geht nichts. Muss auch nicht, denn die Strategen in Stuttgart sind wohl der Ansicht, dass so eine zentrale Steuereinheit mit Sitz in Stuttgart für die Formel 1 gar nicht nötig ist.

          Diese Eingebung kommt reichlich spät. Und sie ist nicht ungefährlich aus Sicht jener Fans, die sich unbedingt am Kreisverkehr der Silberpfeile ergötzen wollen. Denn Haug verstand es glänzend, die Bedeutung der großen Sause für den Konzern intern zu verkaufen. Die britische Teamleitung hat diese Wirkung fatal unterschätzt und stets Distanz gehalten. So wie es bei deutsch-englischen Kooperationen in der Formel 1 üblich zu sein scheint. BMW scheiterte beim Versuch mit Williams am fehlendem Teamgeist. Nun schwebt Niki Lauda wie ein Aufklärungssatellit im Auftrage der Stuttgarter über dem Team und schickt bittere Botschaften. Eine lässt sich allein aus dieser Konstruktion schon ableiten: Auch so entsteht kein Dreamteam.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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