http://www.faz.net/-gu4-757vo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.12.2012, 17:21 Uhr

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Silberpfeil auf Irrfahrt

Wer wird eigentlich Nachfolger von Norbert Haug bei Mercedes? Nur ein Deutscher könnte dessen Botschafter-Rolle ausbauen. Aber Michael Schumacher ist ein leidenschaftlich bekennender Gegner jeglicher Bürokratie.

von
© dpa Der eine geht, der andere auch: Wohin fährt Mercedes ohne Schumacher und Haug?

Wo ist eigentlich das Konzept für den Traum des Konzerns vom WM-Sieg der Silberpfeile? Weltkonzerne sind doch Planungsexperten, nichts wird dem Zufall überlassen. Demnach muss die Trennung von Motorsportchef Norbert Haug im Hause Daimler generalstabsmäßig vorbereitet worden sein. Seit einer Woche warten Motorsportexperten der Nation auf die Ernennung eines Nachfolgers. Aber nichts ist bislang geschehen. In Interviews beteuert Haug seine Verbundenheit mit dem Stern: Erst das Auto, der Konzern, die Marke, dann irgendwann, wenn überhaupt, ich.

Anno Hecker Folgen:

In der „Bild“-Zeitung bezeichnete sich Haug gar als Verantwortlicher für das Scheitern des Formel-1-Projektes in den ersten drei Jahren. Heiliges Blechle, das klingt nobel. Aber so ein wehmütiges Bekenntnis zum Ende einer innigen Liaison lenkt ab. Als versuche Haug ein letztes Mal seinem Haus, seiner Heimat, mit breiter Brust Schutz zu verleihen, Zeit zu verschaffen. Damit sich am Ende aus der Scheidung doch noch ein strategischer Schachzug herausschält?

Mehr zum Thema

Es wird wohl keinen Nachfolger für Haug geben. Wie wäre das auch möglich? Der Mann hat dem Motorsport-Auftritt des Konzerns in den vergangenen zwanzig Jahren als Mr. Mercedes ein Gesicht verliehen. Nur ein Deutscher könnte diese Botschafter-Rolle ausbauen. Aber Michael Schumacher ist ein leidenschaftlich bekennender Gegner jeglicher Bürokratie. Da geht nichts. Muss auch nicht, denn die Strategen in Stuttgart sind wohl der Ansicht, dass so eine zentrale Steuereinheit mit Sitz in Stuttgart für die Formel 1 gar nicht nötig ist.

Diese Eingebung kommt reichlich spät. Und sie ist nicht ungefährlich aus Sicht jener Fans, die sich unbedingt am Kreisverkehr der Silberpfeile ergötzen wollen. Denn Haug verstand es glänzend, die Bedeutung der großen Sause für den Konzern intern zu verkaufen. Die britische Teamleitung hat diese Wirkung fatal unterschätzt und stets Distanz gehalten. So wie es bei deutsch-englischen Kooperationen in der Formel 1 üblich zu sein scheint. BMW scheiterte beim Versuch mit Williams am fehlendem Teamgeist. Nun schwebt Niki Lauda wie ein Aufklärungssatellit im Auftrage der Stuttgarter über dem Team und schickt bittere Botschaften. Eine lässt sich allein aus dieser Konstruktion schon ableiten: Auch so entsteht kein Dreamteam.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel 1 Angespannt im Wohnzimmer

Auch beim Heimrennen in Hockenheim spricht Sebastian Vettel vom Guten, Schönen und Besonderen. Ferraris Gegenwart sieht ganz anders aus. Mehr Von Michael Wittershagen, Hockenheim

29.07.2016, 06:28 Uhr | Sport
Tanzen in der Luft Fallschirm-Athleten im Wettkampf

Hoch oben am Himmel über der Region um die russische Hauptstadt Moskau waren die 40. Militär-Weltmeisterschaften im Fallschirmspringen. Die nächste Ausgabe soll im kommenden Jahr in Deutschland stattfinden. Mehr

30.07.2016, 10:32 Uhr | Sport
Formel-1-Benefizspiel Fußball zu Ehren Schumachers

Das Benefizspiel der Formel-1-Piloten vor dem Deutschland-Grand-Prix war stets ein Herzensanliegen von Michael Schumacher. In Mainz war er nun im Geiste dabei. Sohn Mick fühlt sich bei seiner ersten Teilnahme ein bisschen wie auf einem Präsentierteller. Mehr

28.07.2016, 12:48 Uhr | Sport
Afghanische Sportlerinnen Trikot statt Burka

Eine Seitenstrasse in Kabul: Junge Frauen machen sich auf den Weg zum Training. Ein ungewohntes Bild in der afghanischen Hauptstadt. Und das obwohl sie alle Mitglieder der afghanischen Damen-Radsport-Nationalmannschaft sind. Mehr

30.07.2016, 10:21 Uhr | Sport
Formel-1-Kolumne Crashtest Der Schumacher-Effekt ist längst verpufft

Die Formel 1 kehrt nach Deutschland zurück. Eine große Nummer ist der Grand Prix aber schon länger nicht mehr – zumindest für die Deutschen. Aus zwei Nachbarländern reisen indes Fanmassen an. Mehr Von Michael Wittershagen, Hockenheim

28.07.2016, 12:02 Uhr | Sport

Die Bundesliga wird sich selbst zu teuer

Von Michael Horeni

38 Millionen für Hummels, 55 für Hulk, 90 Millionen für Higuaín – wo führen solch astronomische Ablösesummen noch hin? Während große Vereine den Transfermarkt dominieren, haben kleine das Nachsehen. Mehr 17 4