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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Schön bei der Wahrheit bleiben

 ·  Vettel wird Weltmeister. Button wird Zweiter und bleibt bei McLaren. Alles klar? Von wegen. Zwischen Hamilton und Massa herrscht ein bisschen Kalter Krieg.

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© REUTERS Anonymes Pferd: Ferrari

Das ganze Leben ist ein Quiz, auch im Crashtest. Also: Nennen Sie einen Schauspieler, eine Zeitung und einen Sportwagenhersteller, die garantiert nichts miteinander zu tun haben. Zum Beispiel: Robert Redford. Die Prawda. Und Ferrari. Ja, schon gut, falsch, wissen wir. Rotes Haar, rotes Blatt, rotes Auto. Aber auch abseits der Farbenlehre haben Redford, Prawda und Ferrari mehr gemein als auf den ersten Blick ins Auge fällt.

Bleiben wir bei der Wahrheit, auf russisch: Prawda. In den Zeiten, als die Partei (für alle Nachgeborenen: Die kommunistische, siehe: rotes Blatt) immer Recht hatte, also bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion vor zwanzig Jahren, stand die Wahrheit, wenn überhaupt, in der Prawda – auch wenn sie meist irgendwo zwischen den Zeilen zu finden war.

Eine Methode der Nachrichtenübermittlung, die sich bis in Betriebe geschlichen hat, die sich der Produktion der Statussymbole der kapitalistischen Weltwirtschaft verschrieben haben. Nehmen wir Ferrari, Abteilung Rennsport. Bei der Scuderia findet der Formel-1-Interessierte die Wahrheit manches Mal auch schwarz auf weiß, allerdings, wir sind im 21. Jahrhundert, in einem Blog. Der Vorteil der stets anonym bleibenden Blogbeiträge: Ferrari kann Hauspolitik betreiben und erläutern, ohne sie in öffentlichen Statements einkleiden zu müssen. Jüngstes Beispiel: Massa, Hamilton, Singapur und die Folgen.

Schon in der vergangenen Woche hatten wir uns mit dem an sich sehr alltäglichen Auffahrunfall der Herren Hamilton und Massa in Singapur beschäftigt. Da sich bei den Branchenführern mit den nervös zuckenden Gasfüßen die wesentlichen Themen (Weltmeisterschaft, Fahrerverträge – auch Jenson Button bleibt bei McLaren, für „mehrere Jahre“ und angeblich rund 30 Millionen Euro Aufwandsentschädigung) im Wesentlichen erledigt haben, sorgt das unfreundliche Techtelmechtel der Kontrahenten weiter für Gesprächsstoff.

Denn Massa hatte, bevor Hamilton die Nase seines McLaren in Massas Hinterreifen bohrte, einen delikaten Auftrag erhalten: „Halt Hamilton so gut auf, wie wir können. Zerstör sein Rennen, los Junge“, hatte ihm sein Renningenieur Rob Smedley gefunkt. Ja, jener Smedley, der Massa im vergangenen Jahr mit dem Befehl, Fernando Alonso auf dem Hockenheimring passieren zu lassen, zum Parteisoldaten der roten Nummer eins degradiert hatte. Eine Position, die der Brasilianer seither ohne größeres Murren befolgt. Die Partei, pardon, der Arbeitgeber hat schließlich immer Recht.

Unglücklicherweise wurde Smedleys jüngster Funkspruch öffentlich, nachdem Massa zunächst Hamilton nach dem Rennen konfrontiert hatte und anschließend Gerüchte kursierten, Hamiltons Konkurrenten wollten am kommenden Wochenende in Suzuka das Gespräch mit Renndirektor Charlie Whiting suchen. Thema: Hamiltons aggressive Berufsausübung. Genug Futter für die aufrechte Bastion der Freiheit, die Londoner Kollegen der Daily Mail, eine Kampagne gegen den Landsmann im McLaren zu wittern.

Klar, dass das rote Imperium die Anwürfe von der Themse nicht unkommentiert lassen konnte. „Viel Lärm um nichts“, heißt es nun im Ferrari-Blog. Sicher, Smedleys Wortwahl sei unglücklich und möglicherweise nicht die politisch korrekteste Ausdrucksweise gewesen, aber das könne doch schon mal passieren, in der Hitze des Gefechts.

Wir sagen (und das hätten wir uns bei der Prawda wohl eher nicht getraut): Stimmt. Wer erfolgreich sein will, muss die Konkurrenz aufhalten – ob im Eigeninteresse oder für die Farben des Teams. Und die Übertragung der Funksprüche sind eine echte Bereicherung für die Formel-1-Zuschauer sind. Und klare Ansagen sind allemal besser als dürre Statements zu Platz, Wetter, Restrenndauer. Noch schöner wäre es gewesen, wenn wir Smedleys leicht übermotivierte Motivationshilfe sogar live zu hören gewesen wäre. Und deshalb wünschen wir uns nicht nur für das Suzuka-Wochenende und nicht nur von Ferrari lebhafte Diskussionen auf allen Kanälen. Was das alles mit Robert Redford zu tun hat? Einmal dürfen Sie raten, wie Ferraris Blog heißt. Richtige Antwort: Der Pferdeflüsterer.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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