Der Angela, hat der Michael gesagt, also der Angela Merkel könne man doch mal zu einer Farbvariation raten: Statt Schwarz-Rot-Gold vielleicht Schwarz-Rot-Silber. Ja, Deutschlands Rekord-Weltmeister leitete die neue Farbenlehre seines Arbeitgebers gleich an die Kanzlerin weiter, wenn auch augenzwinkernd. Dabei hatte Mercedes-Boss Dieter Zetsche keinen Spaß gemacht, als er bei der Präsentation des neuen Silberpfeil-Teams am Montag um eine nationale Umarmung bat. Was uns das sagen soll: Etwas mehr Stolz, liebe Landsleute!
Hier geht es nicht um nackte Zahlen, um Tausendstelsekunden oder satte zweistellige Millionen-Beträge in Euro pro Saison. Nein, in der Formel 1 dreht es sich von Mitte März um das ganz große Gefühl: um die nationale Sache.
Zetsche wählte ein Wort, das alle berühren soll: „Nationalmannschaft“! Da beugt sich der Bürger in Ehrfurcht und Respekt, biegt sich sogar hin und wieder vor Begeisterung. Wenn die Deutschen denn gewinnen. In solchen Momenten des Triumphes wächst das ihr zum wir, erweitert sich die Mannschaft zum Volksteam: Nach Papst wären wir dann auch wieder Weltmeister.
Das Gedächtnis englischer Journalisten reicht weiter
Ein gutes Gefühl in schlechten Zeiten. Eines, das Mäkler im eigenen Stall - sagen wir den Daimler-Betriebsrat - verstummen lassen würde. Jetzt, da der Patriotismus wieder gesellschaftsfähig ist. Zetsches Flaggenzeichen war also ganz schon clever. Obschon man der Formel 1 so ziemlich alles nachsagen darf, nur eines nicht: Nationalismus. Das Gegenteil ist Alltag. Sind einst bei Ferrari nicht ein Brite (Ross Brawn) unter Leitung eines Franzosen (Jean Todt) mit einem Deutschen am Steuer (Schumacher) allen davon gefahren?
Bei Mercedes-Grand Prix, das Auto wird in England gebaut, werden Mitarbeiter aus mehreren Nationen beim Zukunftsprojekt anpacken. Die matt-silberne Lackierung aber soll den geneigten Zuschauer in die Zeit der Länderkämpfe zurückversetzen. Als „Made in Germany“ die Welt eroberte. Das Farbdesign erinnert an die Aluminium-Haut der Silberpfeile im Wirtschaftswunder der Fünfziger Jahre.
Geblieben ist eine herzliche Feindschaft
Allerdings reicht das Gedächtnis englischer Journalisten noch ein bisschen weiter. Am Montag in Stuttgart sahen sie vor ihrem geistigen Auge schon die Räder wieder rollen für den Sieg, wie vor etwa 75 Jahren, als Rudolf Caracciola und Bernd Rosemeyer in den Silberpfeilen von Mercedes und der Autounion von Sieg zu Sieg eilten. Bei Rennschlachten übrigens auch im Namen des Volkes, weil Nazi-Deutschland etwa zwanzig Prozent des Budgets zahlte. Der Vergleich zur Moderne verbietet sich natürlich. Geblieben ist allerdings eine herzliche Feindschaft.
Nämlich das exklusive Gefühl der Engländer, den Motorsport erfunden zu haben und die Erkenntnis der Deutschen, in der Formel 1 lieber selbst am Steuer zu sitzen und die Gänge einzulegen. Auf den Empfang der „Nationalmannschaft“ zum Rennen in Silverstone darf man also gespannt sein. Dort hat so manche Niederlage lange vor den heftigen Duellen zwischen Schumacher und Damon Hill ihren Lauf genommen. Silverstone war ein Militärflugfeld. Inzwischen ist es ein Gelände für besondere Crashtests.
Viel Glück!
Hans Rudolf Suter (ampis)
- 27.01.2010, 18:40 Uhr
Warum muß man eigentlich solche Vergleiche herbeiquälen
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 27.01.2010, 19:08 Uhr
Muss das sein?
Martin Scheidemann (MartinSche)
- 28.01.2010, 19:54 Uhr