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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Nose Job

 ·  War doch klar: Offenbar hat jetzt auch McLaren entdeckt, dass es in der Formel 1 keine Schönheitspreise gibt. Und reist mit einer hässlicheren Nase nach Barcelona.

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© dpa Einmal hinschauen noch, bitte: McLaren kommt demnächst mit höherer Nase daher (Foto: Gary Paffett in Mugello in der älteren McLaren-Version)

Wer jetzt noch glaubt, es gehe um Schönheitspreise, dem können wir auch nicht mehr helfen. Ja, wir müssen noch mal über die Sache mit der Nase sprechen, aus aktuellem Anlass. Thema Nose Job. Es gibt in der Formel 1 jemanden, der was hat machen lassen am Frontende. Schon recht, abseits der Pisten sowieso, inzwischen ist Mai, in ein zweieinhalb Wochen sieht man sich wieder in Monte Carlo, und wer möchte da schon so alt aussehen wie im vergangenen Jahr?

Aber wir sind ja nicht auf den bunten Seiten, wir sprechen von knallharter Kohlefaser. Wie wurde McLaren doch gelobt vor der Saison für das schönste Geschoss im aktuellen Starterfeld. Schließlich kommt der MP4-27 ohne den Entenhöcker aus, den die anderen Teams ihren Autos verpasst haben. Und wie strahlten die Briten erst, als Jenson Button beim Saisonauftakt überlegen siegte. Nicht nur das schönste, auch das schnellste Auto hatten sie gebaut, das konnte doch jeder sehen.

Als sich Lewis Hamilton und Jenson Button eine Woche später in Reihe eins der Startaufstellung von Sepang wiederfanden, sagte Hamilton: „Jenson und ich werden viel miteinander zu tun bekommen – aber das sind wir gewohnt. Das können wir gut.“ Sollte heißen: Ratet mal, welches Auto der Sieger fährt, aber ratet nicht zu lange. 24 Stunden später stand der Sieger fest. Er hieß Fernando Alonso und fuhr Ferrari.

Seither wirkt die Leistungsbilanz der Engländer wie der Blick des Models in den Spiegel nach durchfeierter Nacht. Irgendwie unausgeschlafen, unordentlich und gar nicht mehr so schön. Ein dritter Platz für Button, zwei für Hamilton, dazu zwei Ausfälle (Button) und Platz acht für Hamilton in Bahrein.

Und wer hat die Nase schon wieder vorn? Richtig, Vettel. Dabei hatten gerade die englischen Medien dem Weltmeister (mal wieder) eine Delle in seine Form geschrieben. Wenn das allerdings schon Vettels Formkrise gewesen sein sollte, dann müsste sich die Konkurrenz ernsthafte Sorgen machen.

Zurück zum schönen McLaren. Mit dem ist es nämlich nicht mehr weit her. In der vergangenen Woche testeten die Engländer gemeinsam mit den anderen Teams erstmals seit 2008 in der Saison. In Mugello drehte Lotus-Pilot Romain Grosjean die schnellsten Runden, McLaren war dagegen eher experimentell unterwegs: Da waren Anbauteile und Messgeräte verbaut, die aussahen, als hätte sich ein Wegwerfgrill vom nächsten Campingplatz an der Hinterachse verfangen.

Und kurz bevor die Zelte in der Toskana abgebrochen wurden, rollte Testfahrer Oliver Turvey dann mit einem neuen Entwurf aus der Box. Und siehe da: Ab sofort trägt auch McLaren die Nase hoch. Schon am Wochenende in Barcelona soll der neue Frontflügel eingesetzt werden. Richtig so. Es geht ja schließlich nicht um Schönheitspreise.
 

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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