Da war plötzlich nichts mehr. Nur ein Loch, oder genauer gesagt: zwei. Aber so ein Nichts sollte man sich genauer anschauen in der Formel 1. Es kann eine große Bedeutung haben, selbst wenn ein Substanzverlust dahintersteckt.
Schließlich dachten die klugen Köpfe von Red Bull, weniger werde mehr sein und ließen den Unterboden ihres Boliden vor den Hinterrädern aufschneiden. Schon pfiff der Wind durch die Aussparungen. Warum sie das gemacht haben? Damit ihr Renner schneller wird. Vielleicht hat Mark Webber auch deshalb den Großen Preis von Monaco gewonnen.
Sie plädieren für eine Wiederholung? Nichts da! Das Rennen ist gelaufen, die Wertung offiziell, die Punkte vergeben, das Urteil unwiderrufbar. Als wäre nichts gewesen. Ein bisschen war aber schon. Etwa die Aufregung der Red-Bull-Konkurrenz.
Seit Mitte April hat sie auf diesen bei bestimmten Rennen eingesetzten Unterboden von Sebastian Vettels Team gestarrt und sich gefragt, ob da jemand vor dem Löcherbohren denn nichts gesehen hat im Regelwerk. Zum Beispiel das virtuelle Stoppschild, das Verbot, an dieser bestimmten Stelle etwas wegzulassen und damit die Aerodynamik zu verbessern.
Da war rein gar nichts, gab Red Bull zu Protokoll. Selbst die Experten des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), die sonst in tiefster Nacht die dunklen Seiten ihrer Klientel entdecken können, schüttelten den Kopf und schrieben kurz vor dem Rennen im Fürstentum offiziell und sinngemäß: Da ist nichts.
Die Formel 1 ist doch ein interessanter Zauber. Da, wo nicht viel ist, glaubt man von außen alles zu sehen, was das Herz begehrt: sorglosen Reichtum, ewige Jugend, menschliche Übergröße, eine schöne Illusion. Aber da, wo die Experten intensiv durch die Löcher im Auto ins Nichts schauen und mit den Schultern zucken, entdeckten sie nun doch den Kern der Wahrheit.
Nach der jüngsten Auffassung der Fia ist der Unterboden des Red Bull nicht legal, was im Umkehrschluss bedeuten muss, dass er in Monaco illegal war. Missverständnisse, sagt die Fia nun, hätten den Weg zum endgültigen Urteil versperrt. Jetzt habe sie klar Stellung beziehen müssen. Das Ergebnis: Wo nichts war, wird in Zukunft wieder was sein.
Red Bull muss die Löcher stopfen, hat für das Rennen am Sonntag in Montreal wegen der Streckenkonfiguration aber ohnehin eine andere Variante im Einsatzplan. Was macht das also, wenn man gesiegt, die Punkte nicht verloren und noch etwas Zeit gewonnen hat? Eben, nichts.
Wenn Vettel...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 06.06.2012, 19:46 Uhr
Kreativität stopft Löcher der Bürokraten
lothar kempf (wilkem)
- 06.06.2012, 17:56 Uhr