Stellenausschreibung: Private Equity Firma mit Engagement im multinationalen Sporteventbereich sucht Vermarkter/in für Promotiontätigkeit im Motorsport. Voraussetzungen: Ungewöhnliche Geschäftsideen auch und vor allem in neuen Märkten, Langlebigkeit, Sinn für lebens- und praxisnahe Steuermodelle.
Na, Interesse? Ja, schon recht, die Zeit des kleinen (ca. 159 cm), reifen (fast 82) Manns ist noch nicht vorbei. Warum auch? „Wenn ich 100 bin, bin ich weg“, sagte Bernie Ecclestone neulich und auch wenn man dem Wahrheitsgehalt seiner Aussagen immer mit einer gewissen Grundskepsis begegnen sollte – fragen Sie mal die Münchner Justizbehörden -, wollen wir Ecclestone dieses Mal gerne Glauben schenken.
Schließlich offenbarte sich der frühere Experte für gepflegte Automobile aus zweiter Hand mit ungewöhnlich niedrigem Tachozählerstand der „Daily Mail“, Englands Zentralorgan für, nun ja, Gebrauchtwagenhändler mit dem Herz am rechten Fleck, die in fester Treue zu Pfund Sterling (vor allem den eigenen), Königin und Bohnen zum Frühstück stehen und sich täglich aufs neue über die sozialistischen Umtriebe der EU-Kommissare in Brüssel ärgern möchten.
Also: In schlanken achtzehn Jahren wird in der Formel 1 eine nicht ganz unbedeutende Stelle frei. Sofern, fragen Sie mal die Münchner Justizbehörden, Mr Ecclestone wegen Unpässlichkeit nicht schon früher sein Londoner Appartement gegen eine ebenfalls exklusive Unterbringung mit Gruppenanschluss und gemeinsamer Freizeitaktivität eintauschen muss. Stichwort: Gerhard Gribkowsky.
Obwohl: Der „Daily Mail“ sagte Ecclestone: „Ich habe nichts falsch gemacht.“ Außerdem: „Ich glaube nicht, dass mir deutsche Gefängnisse gefallen. Was soll ich also dort?“ Und warum sollte er die „Daily Mail“ anlügen - aber das hatten wir ja schon.
Die Konkurrenz schläft nicht
Zurück zur Stellenausschreibung, denn wir müssen Sie warnen: Es gibt offenbar durchaus ein paar Konkurrenten im Bewerbungsrennen. Da ist der Österreicher Peter Brabeck-Letmathe, ehemaliger Nestlé-Vorstandsvorsitzender und nun Vorsitzender der Gesellschaft, die angeblich irgendwann einmal die Formel 1 an eine Börse in dieser Welt bringen soll.
Aber wären die ursprünglichen Pläne aufgegangen, würden die Papiere der Formel-1-AG schon an der Börse gehandelt. Jetzt ist das Unterfangen aufgeschoben. Zwar nicht aufgehoben, heißt es allerorten, aber Sie wissen schon: Grundskepsis bleibt angebracht. Wir glauben: Sie können es besser.
Einen hat er immer im Schlepptau
Einen weiteren Kandidaten, pardon, Konkurrenten hat neulich die Londoner „Times“ in Spiel gebracht, das altehrwürdige Zentralorgan für Briten mit dem Herzen am rechten Fleck, die sich nicht mit Gebrauchtwagen herumschlagen müssen, die sozialistischen Machenschaften in Kontinentaleuropa aber ebenso wenig goutieren wie die „Mail“-Leser.
Die „Times“ jedenfalls hat festgestellt, dass sich in Ecclestones Nähe in letzter Zeit immer jemand finden lässt, den man eigentlich mit der Titelverteidigung in der Weltmeisterschaft voll ausgelastet sieht: Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Ständig habe Ecclestone Horner im Schlepptau, und nach zwei Doppelweltmeisterschaften in Folge könnte dem die schnöde Rennbegleitung auf Dauer doch etwas langweilig werden.
Horners Dementi folgte zwar auf dem Fuße: „Auf keinen Fall. Ich bin glücklich mit dem, was ich derzeit tue. Ein einzelner kann sowieso nicht erledigen, was Bernie zurzeit macht.“ Aber Horner wird wohl nicht ganz zu Unrecht als Ecclestones Liebling unter den Teamchefs gesehen. Immerhin gestand Ecclestone Red Bull im neuen Concorde Agreement deutlich bessere Bedingungen als Mercedes zu, obwohl nicht nur McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh die Beteiligung des Stuttgarter Weltkonzerns an der Formel 1 für relevanter als die Finanzierung eines Teams durch den österreichischen Getränkemagnaten Dietrich Mateschitz hält. Der seine Mannschaft, wie die Times spitzfindig bemerkte, ja auch jederzeit wegen zu viel Erfolgs verkaufen könne. Und schon müsste sich Horner einen neuen Job suchen.
Sollten Sie sich also als Teamchef ausprobieren wollen, bevor Sie als Bernie II. Karriere machen, vielleicht gibt es Gelegenheit. Das nötige Kleingeld setzen wir mal voraus. Und danach ist alles möglich. Ein paar Jahre Zeit haben Sie ja noch.
Nicht nur der geschmierte,
Guy Schmatzig (Schmatzig)
- 11.07.2012, 17:40 Uhr