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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Nach dem Crash ist vor dem Start

 ·  Nur vier Formel-1-Teams haben keine finanziellen Probleme. Große Sorgen muss sich der gemeine Fan deshalb nicht machen. Aber schon jetzt ist absehbar, dass die Qualität der Grand Prix aus deutscher Sicht leiden wird.

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© dpa Vergrößern Der Scheinwerfer auf Ferrari blendet: Nicht alles in der Formel 1 ist derzeit prima

Einen Ferrari wollen sie alle mal fahren. Nein, nicht nur in der Formel 1. Auch in England, den Vereinigten Staaten und sogar in Deutschland. Deshalb reibt sich Firmen-Präsident Luca di Montezemolo in diesen Tagen die Hände. Ferrari hat in den ersten sechs Monaten 2012 einen Nettogewinn von 100,8 Millionen Euro erwirtschaftet, zehn Prozent mehr als 2011, schreibt das Unternehmen.

Der Umsatz stieg um 11,9 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Was das heißt? Es gibt erstens genügend Menschen, die ihre Kohle in ohrenbetäubend lautes Spielzeug investieren. Und zweitens finanzieren sie damit den Kreisverkehr der Roten. Zumindest einen Teil. Ferrari steht also glänzend da. Auf der hohen Kante liegen fast 900 Millionen. Davon lässt sich um die Welt sausen.

In den vergangenen zweiundsechzig Jahren hat sich mehr und mehr der Glaubenssatz gefestigt, das Wohl der Formel 1 hänge allein vom Zustand der Scuderia ab. Wenn dem so ist, dann müsste es ja prima laufen. Ferrari führt mit Fernando Alonso die Fahrer-WM an, das Auto ist auf allen Strecken und bei allen Bedingungen wettbewerbstauglich; ein echter Allrounder im Gegensatz zum Straßenmobil. Dazu aber freuen sich die Italiener insgeheim über die Pannenstatistik – der anderen.

Beim Motorenlieferanten (Renault) der gefürchteten Konkurrenz Red Bull, reicht das Kleingeld offenbar nicht für eine belastbare Lichtmaschine. Dieses Malheur im Rennstall von Sebastian Vettel mag kein ausreichender Beleg für den Zusammenhang von Geld und Qualität im Sport sein. Zumal Besitzer Dietrich Mateschitz soviel Zaster in die Renn-Dose fließen lässt wie kaum ein anderer.

Und doch hat das Lichtmaschinen-Desaster des Zulieferers eine symbolische Bedeutung: Qualität hat ihren Preis. Dazu muss man nur ans Ende des Feldes gehen. Da hocken erstklassige Piloten wie Timo Glock in Kisten, von denen sie nicht sicher sind, ob sie denn fahren und wie sie sich bei Vollgas im siebten Gang verhalten in Hochgeschwindigkeitskurven.

Ganz zu schweigen von technischen Defekten am laufenden Band. Es fehlt halt am Geld. Selbst im Mittelfeld und bei den Großen wie McLaren wird, wie der Verhandlungspoker mit Lewis Hamilton zeigt, nun mit jedem Cent gerechnet.

Der Scheinwerfer auf Ferrari blendet also. Angeblich sind nur vier Rennställe halbwegs frei von finanziellen Sorgen. Neben der Scuderia gehören noch Mercedes, McLaren und Red Bull dazu. Große Sorgen muss sich der gemeine Fan deshalb nicht machen. Nach dem Crash ist vor dem Start: Autorennen wird es immer geben. Aber schon jetzt ist absehbar, dass die Qualität der Grand Prix aus deutscher Sicht leiden wird.

Die fieberhafte Suche nach Geld-Quellen führt indirekt zu einer Austrocknung an der Basis. Dort, wo Motorsport für die Champions von Morgen mit dem Abzug von Sponsoren immer teurer wird. In Deutschland ist die Kartszene, die Grundschule für Top-Piloten, stark geschrumpft. Na und? Auch 2007 hatte niemand geglaubt, nach Michael Schumacher werde sich noch etwas bewegen.

Aber Vettel sprang ein, umringt von Heidfeld, Rosberg, Glock, Sutil und Hülkenberg. So dicht und auf so hohem Niveau präsentierte sich deutsche Steuerkunst nie zu vor in der Formel 1. Der geneigte Fan sollte die Gegenwart genießen. In absehbarer Zukunft wird es eine deutsche Pilotenphalanx nicht geben.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Der Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET
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