Das Comeback des Jahres fällt für die meisten von uns aus. Es ist nicht abgesagt, das nicht, aber wer Robert Kubica in einem Rennauto sehen möchte, der sollte Gummistiefel einpacken und die Sprühdose Autan nicht vergessen. Im Wald, da schwirren die Mücken und driften die Rennfahrer. Rennfahrer wie Robert Kubica.
Es ist in nahezu allen Lebenslagen sinnlos, Hätte-Wäre-Wenn zu spielen, erst recht in der Formel 1. Und gerade deshalb macht es meistens Spaß. Also, kurzer Abstecher auf die Straße der Erinnerung: Wäre Kubica nicht 2007 in Montreal Passagier in einem der spektakulärsten Unfälle in der Formel-1-Geschichte gewesen, hätte der junge Deutsche Sebastian Vettel noch länger auf sein Formel-1-Debüt warten müssen - die kommenden fünf Jahre Formel 1 wären womöglich ganz anders verlaufen.
Andererseits: Wären die Monocoques wie bei Kubicas BMW-Sauber nicht derart sicher geworden, hätte der Pole nicht 2008 ebenfalls in Montreal den ersten und einzigen Grand-Prix-Sieg des Teams herausfahren können und wäre nicht zu einem hochgehandelten Piloten geworden, den mancher in der Boxengasse schon als kommenden Weltmeister gesehen hat.
Kubica war seit 2010 die Hoffnung des früheren Renault- und heutigen Lotus-Teams, jenes Rennstalls, der auch in die anstehende Saison als Geheimfavorit geht und für den Kimi Räikkönen 2012 das Comeback des Jahres hingelegt hat. Eine Rückkehr, die es in dieser Form wohl kaum gegeben hätte, wenn das schwerste Rennfahrer-Schicksal Kubica nicht ein zweites Mal getroffen hätte - und nun weit gravierender als 2007 in Montreal.
Bei einer Rallye in Ligurien Anfang 2011 hatte Kubica Glück - dass er den Unfall, bei dem sich eine Leitplanke ins Cockpit bohrte und der Pole viel Blut verlor, überhaupt überlebte. Doch die Verletzungen an Händen, Armen und Beinen waren so schwerwiegend, dass eine Rückkehr in ein Rennauto kaum wahrscheinlich schien. Und doch arbeitete der inzwischen 29 Jahre alte Krakauer daran, ließ sich auch nicht von einem weiteren Beinbruch vor einem Jahr, als er auf einer Eisplatte ausrutschte, davon abbringen.
Und so saß Robert Kubica zu Beginn dieses Jahres wieder in einem Rennauto, bei einem Test der DTM-C-Klasse von Mercedes in Valencia. Und er war schnell, sehr schnell. So schnell, dass Mercedes ihm ein Auto für die bevorstehende Saison gegeben hätte - wenn Kubicas Kraft schon für eine ganze Saison gereicht hätte. Und wenn sie für Siege gereicht hätte.
„Robert kennt die besten Piloten der Welt”, sagt Toto Wolff, der neue Motorsportchef bei Mercedes. „Er will nicht daran verzweifeln, was er vermisst.” Soll heißen: Auf die Rundstrecke kehrt Kubica zurück, wenn er gewinnen kann. Alles andere würde er nicht ertragen. „Robert muss erst seine Dämonen abschütteln”, sagt Wolff.
Das tut er, wo sie vor zwei Jahren so heftig zugeschlagen haben: Im Wald, bei den Rallyes, wo die Fliehkräfte geringer sind als auf der Rundstrecke. Kubica will in der Europameisterschaft starten. Und träumt weiter von der Rückkehr auf den Asphalt. „Robert ist ein außergewöhnlicher Mensch”, sagt Wolff. Kriegt er noch eine Chance bei Mercedes? „Bei einem wie Kubica sagt man nie nie.”
Kampf gegen die Dämonen
Bernhard Ecklin (Bernie54)
- 04.03.2013, 14:10 Uhr