Home
http://www.faz.net/-gu4-79qbg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 05.06.2013, 19:13 Uhr

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Ihr wards deppert!

Unsere Nachbarn aus Österreich kriegen sich in der Formel 1 derzeit mächtig in die Haare - auch wenn das für Niki Lauda keine griffige Formulierung sein mag. Wie ernst die Angelegenheit ist, wird das Rennen in Kanada zeigen.

© REUTERS Mittendrin statt nur dabei: Niki Lauda

Schon mal vor dem Start verloren? So denken die Herren von Mercedes natürlich nicht. Alles ist drin, sagen die Silberpfeil-Piloten vor ihrer großen Sause in Kanada am Sonntag (20.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET), frisch beflügelt vom ersten Sieg der Saison in Monaco. Jedenfalls glaubt Nico Rosberg an die Kraft der mentalen Beschleunigung nach dem Heimsieg. Und sein Teamkollege Lewis Hamilton schwört auf einen Leistungsschub nach einer abgeschlossenen Akklimatisierung im neuen Team.

Anno Hecker Folgen:

Was beide ausblenden: dass es inzwischen sofort rund geht im Zirkus, wenn die Silbernen auftauchen. Zumindest kriegen sich unsere Nachbarn mächtig in die Haare. Das mag für Niki Lauda keine griffige Formulierung sein, entspricht aber dem Bild der Woche: Die Österreicher streiten sich um das Wohl und Wehe der deutschen Nobel-Firma. Lauda jedenfalls attestiert dem englischen Beschwerdeführer österreichischer Provenienz, Red Bull, eine gewisse geistige Langsamkeit: Ihr wards deppert!

Mehr zum Thema

Weil der Rennstall einen Reifentest mit Pirelli abgelehnt hat, den Mercedes dankend annahm und mit dem Neuwagen bestritt. Obwohl das Testen in der laufenden Saison eigentlich bei Strafe verboten ist. Weshalb nun die Red-Bull-Fraktion einen schwerwiegenden Angriff auf die Lauterkeit des Sports erkannt haben will: „Das geht in die Richtung des Spionageskandals von 2007 bei McLaren und Ferrari“, sagte Motorsportdirektor Helmut Marko, ein Österreicher, der „Bild“: „Das war von langer Hand geplant. Und jetzt stellt uns Mercedes wie Deppen da, weil wir das angeblich verschlafen haben“, fügte Marko an. Ihm zur Seite sprang Franz Tost, Teamchef der Red-Bull-Tochter Toro Rosso, und, wie könnte es anders sein, Österreicher: Der sprach, mit ätzendem Unterton, vom größten Regelverstoß seit Jahren in der Formel 1.

24662941 © AP Vergrößern Darum dreht sich alles in der Formel 1: die Pirelli-Reifen

So aus Deutschland betrachtet könnte der gemeine Mercedes-Fan diese Affäre also amüsiert als Nachbarschaftsstreit werten und zuschauen, was die Herren in den nächsten Tagen noch so auffahren werden an Unterstellungen und Gemeinheiten. Marko, hieß es zwischenzeitlich, dürfe nicht mehr in Laudas Privatflieger einsteigen. Alles nur Spaß, sagt der Aufsichtsratschef von Mercedes inzwischen mit Blick auf die Mitfluggelegenheit: Einmal Landsmann, immer Landsmann.

Wie ernst die Angelegenheit aber ist, wird das Rennen in Montreal zeigen: Sollte Mercedes gut abschneiden in Kanada, wird alle Welt nebst Nikis Freunden aus Österreich behaupten, der angeblich illegale Test habe geholfen, das Reifenproblem zu beheben. Diese zwischen den Zeilen vorgetragene prophylaktische Entwürdigung durch die Mercedes-Gegner belegt, in welcher Atmosphäre die Formel 1 derzeit kreist: in einer vergifteten.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen: Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wehrlein in die Formel 1 Mit Lauda zu den Sternen

Als bislang jüngster Pilot holte Pascal Wehrlein 2015 den Titel in der DTM. Nun steigt der 21 Jahre alte Rennfahrer auf – und bekommt in der Saison 2016 ein Cockpit in der Formel 1. Mehr Von Anno Hecker

10.02.2016, 11:08 Uhr | Sport
Sterne des Sports 3. Platz: F.C. Süderelbe

Viele Mitglieder des F.C. Süderelbe in Hamburg sind Jugendliche mit Migrationshintergrund. Der Fußballverein bietet viel. Neben dem Sport gibt es auch eine berufliche Perspektive. Mehr

26.01.2016, 12:00 Uhr | Sport
Renaults Formel-1-Rückkehr Mit Geld, Leidenschaft und Ecclestone

Renault will die Formel-1-Rückkehr seines Werksteams in eine Erfolgsgeschichte verwandeln. Im dritten Anlauf muss es klappen. Dem schwarzen Anstrich wird deshalb noch die Hausfarbe beigefügt: Gelb. Mehr Von Hermann Renner, Paris

04.02.2016, 06:50 Uhr | Sport
Wiesbaden So bunt verlief der Ball des Sports 2016

Beim Ball des Sport in Wiesbaden gaben sich am Samstagabend Deutschlands Spitzenathleten die Klinke in die Hand. Fehlen durften dabei selbstverständlich nicht die frischgebackenen Handball-Europameister. Ehrengast war Bundespräsident Joachim Gauck, der die junge Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson in einer Rede überschwänglich lobte. Mehr

07.02.2016, 19:25 Uhr | Sport
Abfahrt in Garmisch Überraschungssieger auf der Kandahar

Tag der Underdogs: Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde gewinnt das einzige deutsche Abfahrtsrennen. Auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen verhindert er mit seinem ersten Weltcup-Sieg eine noch größere Sensation. Mehr

30.01.2016, 13:41 Uhr | Sport

Stichtag Valentinstag

Von Achim Dreis

Für die Florett-Herren fiel Aschermittwoch auf Karnevals-Sonntag. Die Degen-Kollegen hegen noch eine kleine Olympia-Chance. Der allgemeine Niedergang der Fechter kommt nicht überraschend. Mehr 1