Home
http://www.faz.net/-gu6-79qbg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Ihr wards deppert!

Unsere Nachbarn aus Österreich kriegen sich in der Formel 1 derzeit mächtig in die Haare - auch wenn das für Niki Lauda keine griffige Formulierung sein mag. Wie ernst die Angelegenheit ist, wird das Rennen in Kanada zeigen.

© REUTERS Vergrößern Mittendrin statt nur dabei: Niki Lauda

Schon mal vor dem Start verloren? So denken die Herren von Mercedes natürlich nicht. Alles ist drin, sagen die Silberpfeil-Piloten vor ihrer großen Sause in Kanada am Sonntag (20.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET), frisch beflügelt vom ersten Sieg der Saison in Monaco. Jedenfalls glaubt Nico Rosberg an die Kraft der mentalen Beschleunigung nach dem Heimsieg. Und sein Teamkollege Lewis Hamilton schwört auf einen Leistungsschub nach einer abgeschlossenen Akklimatisierung im neuen Team.

Anno Hecker Folgen:  

Was beide ausblenden: dass es inzwischen sofort rund geht im Zirkus, wenn die Silbernen auftauchen. Zumindest kriegen sich unsere Nachbarn mächtig in die Haare. Das mag für Niki Lauda keine griffige Formulierung sein, entspricht aber dem Bild der Woche: Die Österreicher streiten sich um das Wohl und Wehe der deutschen Nobel-Firma. Lauda jedenfalls attestiert dem englischen Beschwerdeführer österreichischer Provenienz, Red Bull, eine gewisse geistige Langsamkeit: Ihr wards deppert!

Mehr zum Thema

Weil der Rennstall einen Reifentest mit Pirelli abgelehnt hat, den Mercedes dankend annahm und mit dem Neuwagen bestritt. Obwohl das Testen in der laufenden Saison eigentlich bei Strafe verboten ist. Weshalb nun die Red-Bull-Fraktion einen schwerwiegenden Angriff auf die Lauterkeit des Sports erkannt haben will: „Das geht in die Richtung des Spionageskandals von 2007 bei McLaren und Ferrari“, sagte Motorsportdirektor Helmut Marko, ein Österreicher, der „Bild“: „Das war von langer Hand geplant. Und jetzt stellt uns Mercedes wie Deppen da, weil wir das angeblich verschlafen haben“, fügte Marko an. Ihm zur Seite sprang Franz Tost, Teamchef der Red-Bull-Tochter Toro Rosso, und, wie könnte es anders sein, Österreicher: Der sprach, mit ätzendem Unterton, vom größten Regelverstoß seit Jahren in der Formel 1.

24662941 © AP Vergrößern Darum dreht sich alles in der Formel 1: die Pirelli-Reifen

So aus Deutschland betrachtet könnte der gemeine Mercedes-Fan diese Affäre also amüsiert als Nachbarschaftsstreit werten und zuschauen, was die Herren in den nächsten Tagen noch so auffahren werden an Unterstellungen und Gemeinheiten. Marko, hieß es zwischenzeitlich, dürfe nicht mehr in Laudas Privatflieger einsteigen. Alles nur Spaß, sagt der Aufsichtsratschef von Mercedes inzwischen mit Blick auf die Mitfluggelegenheit: Einmal Landsmann, immer Landsmann.

Wie ernst die Angelegenheit aber ist, wird das Rennen in Montreal zeigen: Sollte Mercedes gut abschneiden in Kanada, wird alle Welt nebst Nikis Freunden aus Österreich behaupten, der angeblich illegale Test habe geholfen, das Reifenproblem zu beheben. Diese zwischen den Zeilen vorgetragene prophylaktische Entwürdigung durch die Mercedes-Gegner belegt, in welcher Atmosphäre die Formel 1 derzeit kreist: in einer vergifteten.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen: Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Krise in der Formel 1 Mit Vollgas gegen die Wand

Die Formel-1-Strategen stimmen über das Motorenkonzept ab. Dabei geht es aber um mehr als ein technisches Detail. Kümmern sich die Verantwortlichen nicht schnell um das Gesamtwohl ihres Sports, sieht es düster aus für die Formel 1. Mehr Von Anno Hecker

18.12.2014, 13:09 Uhr | Sport
Formel 1 Hamilton feiert zweiten WM-Titel sehr zurückhaltend

Der neue Formel-1-Champion Lewis Hamilton hat sich auf der Siegesfeier nur einen Drink erlaubt. Er ist einer von nur vier Briten, die mehr als einmal Formel-1-Weltmeister geworden sind. Mehr

24.11.2014, 16:55 Uhr | Sport
Felix Baumgartner im Gespräch Alles im Leben hat ein Preisschild

Felix Baumgartner wurde durch seinen Sprung aus 39.000 Metern weltberühmt. Im FAZ.NET-Interview spricht er über das Leben danach, hochriskantes Weltklasse-Entertainment und Hubschrauberrennen mit der Polizei. Mehr

09.12.2014, 14:49 Uhr | Sport
Land Rover Discovery Sport Street Rover sucht liebevolle Familie

Der Freelander heißt jetzt Discovery Sport und lässt sieben gerade sein. Der SUV tritt nun etwas strenger auf, wenngleich noch immer fern von rustikal. Mehr

17.12.2014, 16:41 Uhr | Technik-Motor
Formel 1 Weltmeister auf dem Schrottplatz

Die Strategen bremsen mit dem neuen Motorenkonzept Mercedes ein. Es wäre keine Überraschung, falls die Konzernführung 2016 keinen neuen Motor präsentiert, sondern der Formel 1 eine Quittung: den Ausstieg. Mehr Von Anno Hecker

20.12.2014, 08:40 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.06.2013, 19:13 Uhr

Ergebnisse, Tabellen und Statistik