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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Ihr wards deppert!

Mittendrin statt nur dabei: Niki Lauda Bild: REUTERS

Unsere Nachbarn aus Österreich kriegen sich in der Formel 1 derzeit mächtig in die Haare - auch wenn das für Niki Lauda keine griffige Formulierung sein mag. Wie ernst die Angelegenheit ist, wird das Rennen in Kanada zeigen.

          Schon mal vor dem Start verloren? So denken die Herren von Mercedes natürlich nicht. Alles ist drin, sagen die Silberpfeil-Piloten vor ihrer großen Sause in Kanada am Sonntag (20.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET), frisch beflügelt vom ersten Sieg der Saison in Monaco. Jedenfalls glaubt Nico Rosberg an die Kraft der mentalen Beschleunigung nach dem Heimsieg. Und sein Teamkollege Lewis Hamilton schwört auf einen Leistungsschub nach einer abgeschlossenen Akklimatisierung im neuen Team.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Was beide ausblenden: dass es inzwischen sofort rund geht im Zirkus, wenn die Silbernen auftauchen. Zumindest kriegen sich unsere Nachbarn mächtig in die Haare. Das mag für Niki Lauda keine griffige Formulierung sein, entspricht aber dem Bild der Woche: Die Österreicher streiten sich um das Wohl und Wehe der deutschen Nobel-Firma. Lauda jedenfalls attestiert dem englischen Beschwerdeführer österreichischer Provenienz, Red Bull, eine gewisse geistige Langsamkeit: Ihr wards deppert!

          Weil der Rennstall einen Reifentest mit Pirelli abgelehnt hat, den Mercedes dankend annahm und mit dem Neuwagen bestritt. Obwohl das Testen in der laufenden Saison eigentlich bei Strafe verboten ist. Weshalb nun die Red-Bull-Fraktion einen schwerwiegenden Angriff auf die Lauterkeit des Sports erkannt haben will: „Das geht in die Richtung des Spionageskandals von 2007 bei McLaren und Ferrari“, sagte Motorsportdirektor Helmut Marko, ein Österreicher, der „Bild“: „Das war von langer Hand geplant. Und jetzt stellt uns Mercedes wie Deppen da, weil wir das angeblich verschlafen haben“, fügte Marko an. Ihm zur Seite sprang Franz Tost, Teamchef der Red-Bull-Tochter Toro Rosso, und, wie könnte es anders sein, Österreicher: Der sprach, mit ätzendem Unterton, vom größten Regelverstoß seit Jahren in der Formel 1.

          Darum dreht sich alles in der Formel 1: die Pirelli-Reifen
          Darum dreht sich alles in der Formel 1: die Pirelli-Reifen : Bild: AP

          So aus Deutschland betrachtet könnte der gemeine Mercedes-Fan diese Affäre also amüsiert als Nachbarschaftsstreit werten und zuschauen, was die Herren in den nächsten Tagen noch so auffahren werden an Unterstellungen und Gemeinheiten. Marko, hieß es zwischenzeitlich, dürfe nicht mehr in Laudas Privatflieger einsteigen. Alles nur Spaß, sagt der Aufsichtsratschef von Mercedes inzwischen mit Blick auf die Mitfluggelegenheit: Einmal Landsmann, immer Landsmann.

          Wie ernst die Angelegenheit aber ist, wird das Rennen in Montreal zeigen: Sollte Mercedes gut abschneiden in Kanada, wird alle Welt nebst Nikis Freunden aus Österreich behaupten, der angeblich illegale Test habe geholfen, das Reifenproblem zu beheben. Diese zwischen den Zeilen vorgetragene prophylaktische Entwürdigung durch die Mercedes-Gegner belegt, in welcher Atmosphäre die Formel 1 derzeit kreist: in einer vergifteten.

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