Das war’s dann wohl, das Rennen des Jahres in Monaco. Gewöhnlich liegt die Betonung ja auf: Das. Aber seien wir ehrlich, das war wohl eher nichts, Monaco. Glitzer, Glamour, Langeweile.
Knapp ging’s zu, schon recht, die ersten sechs Autos binnen sechs Sekunden im Ziel. Trotzdem: Kein einziger ernsthafter Angriff unter den Toppiloten ist uns dann doch ein bisschen wenig. Wie sang die schottische Band Garbage einst? Only happy when it rains.
Hat es aber nicht, es war ja auch nicht der Große Preis von Edinburgh. Beziehungsweise: Hat es schon, aber erst zehn Minuten nach dem Rennen. Zu spät für ein bisschen Spannung. Monaco hielt es mit Barbra Streisand: It didn’t rain on the parade.
Und so war letztlich nur Lotus wetterfühlig: Nachdem Geheimfavorit Romain Grosjean schon nicht durch die erste Kurve kam, war es Kimi Räikkönen offenbar zu kalt. Das klingt paradox, ist aber auffällig. Lotus liefert die besten Vorstellungen auf heißem Asphalt ab, siehe Bahrein und Barcelona. In Monaco war es zu kühl, die Parade fand ohne den Finnen statt.
Andererseits, sollte es beim nächsten Rennen in Montreal wärmer sein, könnte die Story der Saison ihre Fortsetzung finden und der siebte Sieger im siebten Rennen Grosjean oder Räikkönen heißen. Offenbar kommt das wilde Sieger-wechsel-Dich-Spiel auf dem Podest ja bestens an, inzwischen auch in Amerika. Ein Knaller sei die neue Saison, meint die Washington Post, genauso spannend wie einst 1982, als 16 Rennen elf verschiedene Sieger sahen. Unausgesprochener Subtext: Kommt uns nicht darauf an, wer gewinnt, so lange es immer jemand anderes ist.
Weltmeister wird ein Eichhörnchen
Liebe Kollegen, ganz ehrlich: Das muss nicht sein. Und zwar nicht, weil wir nicht mehr mitkommen. Sondern weil es vor lauter Abwechslung schnell ein bisschen langweilig werden könnte. Schon jetzt, nach einem knappen Drittel der Saison, scheint klar: Weltmeister wird ein Eichhörnchen. Und zwar nicht das Schnellste, sondern das Fleißigste. Belohnt wird nicht, wer auf Risiko setzt, sondern wer Punkte sammelt. Kleines Beispiel: In Monaco wurde der schnellste Pilot, Sergio Perez, Elfter. Sein Lohn waren null Punkte.
Wir hätten aber ganz gerne tatsächlich den schnellsten Piloten als Weltmeister. Und nicht den weltbesten Risiko-Minimierer mit Lenkradarbeitsplatz. Einen, der angreift bis an die Grenzen der Physik – und zwar nicht erst, kurz vor Ende der Saison, wenn ihm die mathematische Logik keine andere Wahl mehr lässt.
Spannungselement per Pressluftschrauber
Gut möglich, dass wir da ein bisschen viel verlangen von einer Rennserie, bei der das Spannungselement per Pressluftschrauber beim Reifenwechsel an- und abgeschraubt wird. So lange die Reifen unberechenbar sind, müssen die Piloten jedenfalls von Grenzgängen Abstand nehmen. Sie kommen besser weg, wenn sie Position halten. Wetten, dass Monaco nicht die letzte Parade der Saison war?
Mark Webber sagte nach seinem Sieg: „Die Rennen sind sogar für uns unvorhersehbar. Früher war das anders.“ Also wird weiter gebremst, wo früher Gas gegeben wurde. Der Reifen geschont, wo früher ein paar Hundertstelsekunden zu holen waren. Schade – wir dachten, die Formel-1-Weltmeisterschaft sollte spannend sein. Und nicht beliebig.
Locker bleiben.......
Michael Rudert (MichaelRudert)
- 30.05.2012, 23:17 Uhr
Wieso "Glamour"?
Harry Pastorius (ookk)
- 30.05.2012, 22:18 Uhr
Formel 1 ist inzwischen ein Schlafmittel mit Garantie
Jürgen Stak (kafka02)
- 30.05.2012, 20:11 Uhr
Back to the roots
Gerhard Höll (hoellge)
- 30.05.2012, 19:08 Uhr
Einengung jedes strategischen Spielraums
Frank Wunderlich-Pfeiffer (zoelpf)
- 30.05.2012, 18:46 Uhr