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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Gläsern und chancenlos

 ·  Jan-Eric Vergne kann nicht gewinnen. Er sitzt im falschen Auto, im Toro Rosso. Und er wird auch in dieser Fahrschule von Red Bull bleiben. Das sagen die Zahlen der Datensammler.

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© dpa Vergrößern Pilot zweiter Klasse: Jean Eric Vergne muss bei Toro Rosso bleiben

Es wird sich nichts ändern für Jan-Eric Vergne. Für wen? Für den Formel-1-Rennfahrer, ein Franzose, kein schlechter. Einer, der fast keine Chance auf einen Sieg hat im Moment. Er sitzt im falschen Auto, in einem Boliden von Toro Rosso, der Fahrschule von Red Bull. Nun klagt er. Nicht über sein Auto, nicht über das kleine Team, nicht über die Aussichtslosigkeit, in einem Renner der zweiten Klasse nach vorne zu kommen. Vielen anderen Rivalen ergeht es schließlich ähnlich. Nein, Vergne ärgert sich über das Misstrauen. Er gehört nicht zu den Kandidaten für die Besetzung des freien Platzes neben Sebastian Vettel im Red Bull. Er wird im nächsten Jahr im Toro Rosso fahren, wie gehabt.

Ist das so schlimm? Wenn doch Kimi Räikkönen Avancen gemacht werden, dem Weltmeister von 2007, dem Grand-Prix-Gewinner (20), einem der schnellsten und coolsten Piloten auf diesem Globus. Zweiter Sieger im Kampf mit dem Finnen, das ließe sich verschmerzen. Gegen einen Meister der Kurvenkunst darf man mal verlieren. Aber Vergne darf nicht mal gegen Räikkönen antreten. Ihm wird der Teamkollege Daniel Ricciardo vorgezogen. „Dabei habe ich 2012 mehr Punkte gesammelt“, sagt Vergne mit dem Frust des Verurteilten. Denn nichts anderes ist diese Auswahl, ein öffentliches Zeugnis mit einer klaren Botschaft: Du bist nicht reif, dem dreimaligen Champion Vettel das Wasser zu reichen.

Das könnte ein Fehlurteil sein. Auch die erfahrenen Männer um Teamchef Franz Tost oder Red-Bull-Motorsportdirektor Helmut Marko sind nicht vor Täuschungen gefeit. Aber niemand kannst ernsthaft behaupten, die Österreicher erlaubten sich bei der Wahl ihrer Steuermänner fahrlässige Einschätzungen. Dafür steht zu viel auf dem Spiel, die Vorherrschaft von Red Bull, weltweite Medienpräsenz für die Brause des Sponsors und Besitzers, Werbung im Wert von Abermillionen Euro.

Wie schnell ist er wirklich?

Tost und Co  urteilen nicht nach einem Blick auf das nackte Ergebnis, sondern würdigen den Weg ihres Fahrers ins Ziel. Wie schnell ist er wirklich? Wie konstant fährt der Steuermann unter sich ändernden Bedingungen? Wie hoch ist seine Lerngeschwindigkeit? Welches technische Verständnis hat er entwickelt? Kann er ein Team motivieren? Fährt er schon am Limit oder besteht noch Spielraum für Steigerungen? 

Vergnes Vorgesetzte schauten bei dieser Analyse also nicht in eine Glaskugel, wohl aber in einen gläsernen Fahrer. Denn was die NSA kann, praktiziert die Formel 1 schon lange: Sie sammelt und bewertet persönliche Daten zur Absicherung -  des Geschäfts. Vor diesem Hintergrund ändert sich viel für Vergne. Als Sitzenbleiber hat er zumindest in den Augen anderer Teamchefs nach eineinhalb Jahren Lehre (30 Rennen)  bei Toro Rosso das Klassenziel nicht erreicht. Jetzt halten sie ihn für eine Piloten der zweiten Wahl.

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