http://www.faz.net/-gu4-7gn04
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.08.2013, 16:59 Uhr

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Gläsern und chancenlos

Jan-Eric Vergne kann nicht gewinnen. Er sitzt im falschen Auto, im Toro Rosso. Und er wird auch in dieser Fahrschule von Red Bull bleiben. Das sagen die Zahlen der Datensammler.

von
© dpa Pilot zweiter Klasse: Jean Eric Vergne muss bei Toro Rosso bleiben

Es wird sich nichts ändern für Jan-Eric Vergne. Für wen? Für den Formel-1-Rennfahrer, ein Franzose, kein schlechter. Einer, der fast keine Chance auf einen Sieg hat im Moment. Er sitzt im falschen Auto, in einem Boliden von Toro Rosso, der Fahrschule von Red Bull. Nun klagt er. Nicht über sein Auto, nicht über das kleine Team, nicht über die Aussichtslosigkeit, in einem Renner der zweiten Klasse nach vorne zu kommen. Vielen anderen Rivalen ergeht es schließlich ähnlich. Nein, Vergne ärgert sich über das Misstrauen. Er gehört nicht zu den Kandidaten für die Besetzung des freien Platzes neben Sebastian Vettel im Red Bull. Er wird im nächsten Jahr im Toro Rosso fahren, wie gehabt.

Anno Hecker Folgen:

Ist das so schlimm? Wenn doch Kimi Räikkönen Avancen gemacht werden, dem Weltmeister von 2007, dem Grand-Prix-Gewinner (20), einem der schnellsten und coolsten Piloten auf diesem Globus. Zweiter Sieger im Kampf mit dem Finnen, das ließe sich verschmerzen. Gegen einen Meister der Kurvenkunst darf man mal verlieren. Aber Vergne darf nicht mal gegen Räikkönen antreten. Ihm wird der Teamkollege Daniel Ricciardo vorgezogen. „Dabei habe ich 2012 mehr Punkte gesammelt“, sagt Vergne mit dem Frust des Verurteilten. Denn nichts anderes ist diese Auswahl, ein öffentliches Zeugnis mit einer klaren Botschaft: Du bist nicht reif, dem dreimaligen Champion Vettel das Wasser zu reichen.

Mehr zum Thema

Das könnte ein Fehlurteil sein. Auch die erfahrenen Männer um Teamchef Franz Tost oder Red-Bull-Motorsportdirektor Helmut Marko sind nicht vor Täuschungen gefeit. Aber niemand kannst ernsthaft behaupten, die Österreicher erlaubten sich bei der Wahl ihrer Steuermänner fahrlässige Einschätzungen. Dafür steht zu viel auf dem Spiel, die Vorherrschaft von Red Bull, weltweite Medienpräsenz für die Brause des Sponsors und Besitzers, Werbung im Wert von Abermillionen Euro.

Wie schnell ist er wirklich?

Tost und Co  urteilen nicht nach einem Blick auf das nackte Ergebnis, sondern würdigen den Weg ihres Fahrers ins Ziel. Wie schnell ist er wirklich? Wie konstant fährt der Steuermann unter sich ändernden Bedingungen? Wie hoch ist seine Lerngeschwindigkeit? Welches technische Verständnis hat er entwickelt? Kann er ein Team motivieren? Fährt er schon am Limit oder besteht noch Spielraum für Steigerungen? 

25536643 © AFP Vergrößern Die Fahrschule von Red Bull: Toro Rosso

Vergnes Vorgesetzte schauten bei dieser Analyse also nicht in eine Glaskugel, wohl aber in einen gläsernen Fahrer. Denn was die NSA kann, praktiziert die Formel 1 schon lange: Sie sammelt und bewertet persönliche Daten zur Absicherung -  des Geschäfts. Vor diesem Hintergrund ändert sich viel für Vergne. Als Sitzenbleiber hat er zumindest in den Augen anderer Teamchefs nach eineinhalb Jahren Lehre (30 Rennen)  bei Toro Rosso das Klassenziel nicht erreicht. Jetzt halten sie ihn für eine Piloten der zweiten Wahl.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel 1 in Barcelona Das ist einfach inakzeptabel

Ein Unfall zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton beim Rennen in Barcelona sorgt für Ärger im Lager von Mercedes. Die Rennkommissare sehen keinen Schuldigen – die Folgen aber sind noch nicht absehbar. Das Rennen gewinnt der erst 18 Jahre alte Max Verstappen. Mehr Von Michael Wittershagen, Barcelona

15.05.2016, 15:56 Uhr | Sport
Geburtstag 10 Jahre Berliner Hauptbahnhof

Zehn Jahre nach der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhof polarisiert der gläserne Bau im Herzen der Hauptstadt nach wie vor: Während die einen den Hauptbahnhof für ein architektonisches Meisterwerk halten, bemängeln andere die gigantische Größe, die den täglich etwa 300.000 Reisenden und Besuchern viel Fußarbeit abverlangt. Mehr

20.05.2016, 08:51 Uhr | Gesellschaft
Formel 1 in Barcelona Max Verstappen schreibt Geschichte

Die Konkurrenz verneigt sich vor einem Teenager: Max Verstappen hat sich mit seinem Sieg in Barcelona in den Geschichtsbüchern der Formel 1 verewigt – mit 18 Jahren. Mehr

15.05.2016, 18:46 Uhr | Sport
Air Race Piloten rasen mit 400 km/h durch Parcours

Mit über 400km/h-schnellen Rennflugzeugen rasen die Teilnehmer des Air Race über den Parcours, dabei wirken Kräfte von bis zu 10G auf die Piloten. Gewonnen hat das Rennen der deutsche Pilot Matthias Dolderer. Mehr

26.04.2016, 15:48 Uhr | Sport
Formel 1 in Barcelona Rosberg wieder der Schnellste

Es wird richtig eng beim Grand Prix in Barcelona. Zumindest drängt sich der Eindruck nach dem Training auf. Rosberg behält im Mercedes knapp die Nase vorn – doch die Verfolger sind dicht dran. Mehr

13.05.2016, 18:02 Uhr | Sport

Ein Spiel auf Zeit

Von Anno Hecker

Doping-Kontrollen müssen vollkommen frei sein von Einflüssen des Sports und der Politik. Das ist nicht mal in Deutschland der Fall. Die Einsicht kommt zu spät. Zumindest für Rio. Mehr 3 7