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Crashtest, die Formel-1-Kolumne : Geldwerte Nächstenliebe

Bernie Ecclestones Rechenspiel: Millionen zahlen, um sich Milliarden zu sichern Bild: AP

Das Schicksal des kleinen Formel-1-Zampanos wird in München verhandelt, und trotzdem liebt Ecclestone die Deutschen. Bis auf einen. Vor Gribkowsky hatte er Angst - kein Grund, nicht auch ihm gegenüber großherzig zu sein.

          Das großartige Konzept der Nächstenliebe, wer versteht es besser als Bernie Ecclestone? Nein, wirklich. Im Herbst wird der alte Mann 84, aber vorwerfen, er habe ein altes, kaltes Herz wie, sagen wir, Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte, kann man ihm nun wirklich nicht. Dabei verhandelt schließlich immer noch ein ganzes Land das Schicksal des großen Formel-1-Zampanos: die Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn der Prozess gegen Ecclestone in München sich zieht, irgendwann wird es fallen, das Urteil im Namen des Volkes.

          Und was macht Bernie? Liebt die Deutschen. Mehr noch als die Heimat seiner Nächsten, also seiner dritten Ehefrau, der Brasilianerin Fabiana Flosi. Vor acht Tagen, just vor dem 7:1 des DFB-Teams im Halbfinale gegen Brasilien auf dem Weg zum WM-Titel, ließ er es uns wissen: Seine Sympathien waren auf Seiten der Deutschen. „Ich bin für Deutschland“, sagte Ecclestone, bevor es im Münchner Strafjustizzentrum weiterging mit dem Prozess, den die  Deutschen, nur eben jene mit schwarzen Roben über ihren weißen Hemden, gerade gegen ihn anstrengen.

          Das ist gelebte Nächstenliebe, so etwas kommt natürlich bestens an. Überhaupt sammelt Ecclestone zur Zeit Sympathiepunkte hierzulande. Jüngst kam er den neuen Nürburgring-Eigentümern entgegen und machte ein großherziges Versprechen: Ganz sicher werde die Formel 1 jährlich in der Eifel ihre Runden drehen. Glänzende Werbung für die Ring-Eigentümer, die dringend Erfolge brauchen, um ihre Investitionen zu sichern – wenn der Nachsatz nicht wäre: Die Formel 1 kommt nur, wenn die Kohle stimmt.

          Angst um die eigene Armbanduhr

          Denn genauso gewiss, versicherte Ecclestone, wolle er auch den geltenden Vertrag einhalten, der ein jährliches Wechselspiel zwischen Nürburg- und Hockenheimring vorsieht – jedenfalls, bis ein besseres Angebot kommt. So ist er: Sieht die Taube auf dem Dach, drückt dabei aber den Spatz in seiner Hand noch ein bisschen fester: Ab Freitag geht es wieder rund in Hockenheim.

          Da passt es ganz gut, dass Ecclestone am vergangenen Dienstag, dem 18. Verhandlungstag vor dem Münchner Landgericht, endlich einmal in eigenen, wenn auch nicht ganz neuen Worten schilderte, warum er Gerhard Gribkowsky einst großzügige 44 Millionen Dollar gezahlt hat: Die Angst um die eigene Armbanduhr sei es gewesen, die ihn zur Transaktion getrieben hat. Die und zwei Milliarden Pfund obendrein wären schließlich weg gewesen, wenn das Finanz- und Zollamt Ihrer Majestät hinter den Vorgänge bei seiner Familienstiftung Bambino Trust geschaut hätte – befürchtete Ecclestone zumindest.

          Also sei er dem Rat seines Anwalts gefolgt und habe Gribkowsky ausgezahlt: „Was Gribkowsky mit mir gemacht hat, das kenne ich von vielen anderen Menschen auch. Leute beknieen mich dauernd, ob ich ihnen Geld leihen könnte.“ Das ist Nächstenliebe ganz nach Ecclestones Art: Dem Feind Millionen zahlen – und sich selbst Milliarden sparen.

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