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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Felix Austria!

 ·  Die tatsächliche Herrschaft über die Formel 1 haben längst die Österreicher übernommen. Und ab 2014 wird auch wieder dort gefahren. Rundum glückliches Österreich, Mateschitz macht‘s möglich.

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© dpa Vergrößern Herrliche Aussicht: Von 2014 wird in Österreich wieder um Punkte gefahren

Es ist keine acht Wochen her, da haben wir uns an dieser Stelle mächtig Sorgen gemacht um unsere Nachbarn. Zur Erinnerung: In der Formel 1 kreisen elf Teams, von denen, bis auf Ferrari und Sauber, vermeintlich alle englischer Herkunft sind. Selbst die angeblich ach so deutschen Silberpfeile mit Mercedes-Stern werden schließlich jenseits des Kanals entworfen und zusammengeschraubt. Die tatsächliche Herrschaft über die Formel 1 haben aber längst die Österreicher übernommen, die für diese Befindlichkeiten sensiblen Untertanen Ihrer Majestät hatten das ja schon im Winter bemerkt.

Mercedes: Gelenkt von den Wienern Christian Torger Wolff und Niki Lauda. Red Bull: Finanziert vom Steirer Dosenbrausemilliardär Dietrich Mateschitz, dirigiert vom Steirer Helmut Marko. Die Teams, die in dieser Saison in sechs von neun Rennen den Sieger beschäftigten und deren Piloten Vettel, Rosberg und Hamilton bei bislang allen Grand Prix 2013 von der Pole Position ins Rennen gingen.

Felix Austria, hatten wir gedacht, aber das war ein klarer Fall von Denkste. Insbesondere die Herren Marko und Lauda hauten sich nach Bekanntwerden der Mercedes-Testfahrten im Anschluss an das Rennen in Barcelona im Mai, die Worte mit so viel Verve um die Ohren, dass selbst mundartunkundige Piefkes nicht mehr an die Ausrede Schmäh glauben wollten.

Wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass es um mehr geht als nur die Weltmeisterschaft. Die österreichische Formel-1-Deutungshoheit stand auf dem Spiel, Marko vs Lauda, ausgetragen via ServusTV und RTL – es konnte nur einen geben. Das alte Highlander-Motto in aktueller Alpenvariante. Es würde ein heißer Sommer werden, waren wir uns sicher.

Und nun? Durften alle anderen Teams Reifen testen, während Mercedes zuschauen musste. Das hat die Haustemperatur bei Red Bull auf ein verträglicheres Maß herunter gekühlt. Vor allem aber steht seit gestern endgültig fest, welcher Österreicher die Motoren auf Drehzahl bringt: Dietrich Mateschitz bringt die Formel 1 zurück in die Steiermark. Ab dem kommenden Jahr wird der Große Preis von Österreich auf dem, Werbepause, Red-Bull-Ring in Spielberg ausgetragen. Ein Großer Preis von Österreich, nach 13 Jahren. Endlich.

Nicht eben überraschend, dass Gerhard Berger, 1997 in Hockenheim letzter österreichischer Grand-Prix-Sieger und zugleich in den achtziger Jahren der erste von Mateschitz gesponsorte Sportler überhaupt, von einer „super Sache” spricht, die, klar, „ohne Red Bull nicht möglich” gewesen wäre.

Etwas überraschter waren wir schon, als wir lasen, dass selbst Leute, die in der Vergangenheit noch die generelle Überführung von Banken in Volkseigentum angestrebt hatten, sich plötzlich als Freunde der Rennserie zu erkennen gaben, deren Vermarkter Ecclestone vor nicht allzu langer Zeit von den ungarischen Nachbarn noch zum 25-jährigen Rennjubiläum 2010 für seinen Beitrag zur Überwindung des Sozialismus gedankt wurde.

Aber Wolfgang Moitzi, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Österreichs, vor allem aber augenscheinlich Steirer, brauchte am Dienstag nicht lange, um zu erkennen, was die Rückkehr der Formel 1 für seine Heimat bedeutet:

Und Lauda? Der Vollgasheros, erster, letzter und bislang einziger österreichischer Sieger in Österreich, hält den Mateschitz-Deal für „das Beste, was passieren konnte. Die weltweite Publicity ist für Österreich unbezahlbar. Die Formel 1 ist für Dietrich Mateschitz die Krönung seines Projekts.” Na also, doch noch: Rundum glückliches Österreich, Mateschitz macht‘s möglich.

Wem das ein bisschen viel rot-weiß-rote Glückseligkeit ist, sei darauf verwiesen, dass sich immerhin an Laudas Alleinstellungsmerkmal nichts ändern wird. Ein Heimsieg in der kommenden Saison scheint mangels Fahrer ausgeschlossen. Also werden wir 2014, just in dem Jahr, in dem sich Laudas Sieg in Spielberg zum 30. Mal jährt, in Spielberg ein interessantes Phänomen beobachten können. Wie sagte Lauda am Dienstag noch? „Mir bedeutet die Rückkehr viel - immerhin habe ich das Heimrennen ja auch einmal gewonnen.“ In Österreich welkt alter Ruhm ein bisschen langsamer als anderswo.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen in Crashtest - die Formel-1-Kolumne jeden Mittwoch dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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