Crashtest - die Formel-1-Kolumne: Feind, Erzfeind, Teamkollege - Crashtest - FAZ
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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Feind, Erzfeind, Teamkollege

Sieht doch eigentlich ganz friedlich aus: Ayrton Senna (rechts) und Alain Prost 1989 in Brasilien Bild: picture-alliance / ASA

Über Jahre hinweg duellierten sich Ayrton Senna und Alain Prost. Nun kommen Sebastian Vettel und Mark Webber dieser Rivalität unter Teamkollegen wieder nahe. Und es warten ja noch siebzehn Rennen.

          Kurz vor Ostern ist das erlaubt: Gehen wir einmal davon aus, dass gottesfürchtige Menschen in den Himmel kommen, selbst wenn sie auf Erden Rennfahrer waren. Dann hat am vergangenen Wochenende da oben einer seinen Spaß gehabt.

          Irgendwo aus dem erstaunlich blauen Himmel über Sepang wird er also zugeschaut haben bei dem Spektakel, dass die Red-Bull-Piloten veranstaltet haben und bei dem Nicht-Spektakel, dass Ross Brawn Hamilton und Rosberg bei Mercedes verordnet hat. Wir sind uns sicher: Ayrton Senna hat die Vettel-Webber-Show deutlich besser gefallen als der Nichtangriffspakt in Silber.

          Es ist nur ein Zufall, aber immerhin ein passender, dass Senna just am vergangenen Donnerstag 53 Jahre alt geworden wäre, hätte er den Unfall beim Großen Preis von San Marino 1994 in Imola überlebt.

          Denn seit vergangenem Sonntag steht fest, dass der Zweikampf zwischen Vettel und Webber, der in Istanbul 2010 zum ersten Mal für alle sichtbar wurde, das Duell ist, das der Rivalität zwischen Senna und dem Franzosen Alain Prost Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre am nächsten kommt.

          Auf der Strecke wollte keiner von beiden den Teamkollegen vorbeilassen

          Sicher, auch Fernando Alonso und Lewis Hamilton haben sich 2007 bei McLaren nach Kräften bemüht, die alte Fahrerlager-Steigerung „Feind, Erzfeind, Teamkollege” nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

          Aber ein Duell über Jahre hinweg, dank eines überlegenen Autos immer in etwa auf Augenhöhe, wie es Senna und Prost bei McLaren 1988, 1989 und, nach Prosts Wechsel zu Ferrari, 1990 Rennwochenende für Rennwochenende inszeniert haben, das hat es danach nicht wieder gegeben. Bis jetzt. Denn diese Saison, selbst wenn es Webbers letzte bei Red Bull sein sollte, warten ja noch siebzehn Rennen.

          Bilderstrecke

          Aber nach all der Kritik, die sich Vettel für sein angeblich unverschämtes Überholmanöver in Malaysia anhören musste (und die besonders laut in England zu vernehmen war, in Webbers Wahlheimat und dem Land, in dem Senna zum Weltklasse-Rennfahrer wurde), ist Sennas Geburtstag eine Pointe, die uns schmunzeln lässt.

          Vor drei Jahren, als der Brasilianer fünfzig Jahre alt geworden wäre, hat die großartige BBC-Autoshow Top Gear einen knapp dreizehn Minuten langen Film mit Highlights aus Sennas Karriere zusammengestellt. Der Film ist bis heute bei Youtube zu finden.

          Reifen um Reifen: Sebastian Vettel (links) und Mark Webber lassen sich wenig Raum zur Entfaltung

          Ein besonders bemerkenswerter Ausschnitt ist aus einem Interview mit Senna nach der Entscheidung der WM 1990. Zur Erinnerung: Senna hatte Prost in der ersten Kurve des Großen Preises von Japan in einen Unfall verwickelt und so sichergestellt, dass er Weltmeister würde.

          Ein Grund zur Reue? „Entweder du bist professioneller Rennfahrer. Dann musst du gewinnen. Oder du wirst Zweiter, Dritter oder Fünfter. Ich richte mich nicht darauf ein, Zweiter, Dritter, Vierter oder Fünfter zu werden. Ich fahre Rennen, um zu gewinnen. Wenn du nicht in einer existierende Lücke fährst (um zu überholen, d. Red.), bist du kein Rennfahrer mehr.”

          Sagte Ayrton Senna. Der Mann, der besonders nach seinem Tod und besonders in England, immer wieder als bester Formel-1-Fahrer aller Zeiten genannt wird.

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