http://www.faz.net/-gu4-77zm3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.03.2013, 15:36 Uhr

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Feind, Erzfeind, Teamkollege

Über Jahre hinweg duellierten sich Ayrton Senna und Alain Prost. Nun kommen Sebastian Vettel und Mark Webber dieser Rivalität unter Teamkollegen wieder nahe. Und es warten ja noch siebzehn Rennen.

von
© picture-alliance / ASA Sieht doch eigentlich ganz friedlich aus: Ayrton Senna (rechts) und Alain Prost 1989 in Brasilien

Kurz vor Ostern ist das erlaubt: Gehen wir einmal davon aus, dass gottesfürchtige Menschen in den Himmel kommen, selbst wenn sie auf Erden Rennfahrer waren. Dann hat am vergangenen Wochenende da oben einer seinen Spaß gehabt.

Christoph  Becker Folgen:

Irgendwo aus dem erstaunlich blauen Himmel über Sepang wird er also zugeschaut haben bei dem Spektakel, dass die Red-Bull-Piloten veranstaltet haben und bei dem Nicht-Spektakel, dass Ross Brawn Hamilton und Rosberg bei Mercedes verordnet hat. Wir sind uns sicher: Ayrton Senna hat die Vettel-Webber-Show deutlich besser gefallen als der Nichtangriffspakt in Silber.

Mehr zum Thema

Es ist nur ein Zufall, aber immerhin ein passender, dass Senna just am vergangenen Donnerstag 53 Jahre alt geworden wäre, hätte er den Unfall beim Großen Preis von San Marino 1994 in Imola überlebt.

Denn seit vergangenem Sonntag steht fest, dass der Zweikampf zwischen Vettel und Webber, der in Istanbul 2010 zum ersten Mal für alle sichtbar wurde, das Duell ist, das der Rivalität zwischen Senna und dem Franzosen Alain Prost Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre am nächsten kommt.

Formel 1: Ayrton Senna vor Alain Prost © picture-alliance / dpa Vergrößern Auf der Strecke wollte keiner von beiden den Teamkollegen vorbeilassen

Sicher, auch Fernando Alonso und Lewis Hamilton haben sich 2007 bei McLaren nach Kräften bemüht, die alte Fahrerlager-Steigerung „Feind, Erzfeind, Teamkollege” nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Aber ein Duell über Jahre hinweg, dank eines überlegenen Autos immer in etwa auf Augenhöhe, wie es Senna und Prost bei McLaren 1988, 1989 und, nach Prosts Wechsel zu Ferrari, 1990 Rennwochenende für Rennwochenende inszeniert haben, das hat es danach nicht wieder gegeben. Bis jetzt. Denn diese Saison, selbst wenn es Webbers letzte bei Red Bull sein sollte, warten ja noch siebzehn Rennen.

„Vettels großer Diebstahl“ „Vettels großer Diebstahl“ © REUTERS Bilderstrecke 

Aber nach all der Kritik, die sich Vettel für sein angeblich unverschämtes Überholmanöver in Malaysia anhören musste (und die besonders laut in England zu vernehmen war, in Webbers Wahlheimat und dem Land, in dem Senna zum Weltklasse-Rennfahrer wurde), ist Sennas Geburtstag eine Pointe, die uns schmunzeln lässt.

Vor drei Jahren, als der Brasilianer fünfzig Jahre alt geworden wäre, hat die großartige BBC-Autoshow Top Gear einen knapp dreizehn Minuten langen Film mit Highlights aus Sennas Karriere zusammengestellt. Der Film ist bis heute bei Youtube zu finden.

Sebastian Vettel, Mark Webber © AP Vergrößern Reifen um Reifen: Sebastian Vettel (links) und Mark Webber lassen sich wenig Raum zur Entfaltung

Ein besonders bemerkenswerter Ausschnitt ist aus einem Interview mit Senna nach der Entscheidung der WM 1990. Zur Erinnerung: Senna hatte Prost in der ersten Kurve des Großen Preises von Japan in einen Unfall verwickelt und so sichergestellt, dass er Weltmeister würde.

Ein Grund zur Reue? „Entweder du bist professioneller Rennfahrer. Dann musst du gewinnen. Oder du wirst Zweiter, Dritter oder Fünfter. Ich richte mich nicht darauf ein, Zweiter, Dritter, Vierter oder Fünfter zu werden. Ich fahre Rennen, um zu gewinnen. Wenn du nicht in einer existierende Lücke fährst (um zu überholen, d. Red.), bist du kein Rennfahrer mehr.”

Sagte Ayrton Senna. Der Mann, der besonders nach seinem Tod und besonders in England, immer wieder als bester Formel-1-Fahrer aller Zeiten genannt wird.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen: Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel 1 Angriff auf Mercedes

Die neuen Konstruktionsregeln der Formel 1 sollen die Dominanz der Silberpfeile brechen. Statt der Deutschen aber ist eher ein anderer in der Gefahr, überholt zu werden. Mehr Von Anno Hecker und Christoph Becker, Sotschi

29.04.2016, 19:56 Uhr | Sport
Fassadenkletterer Die Spinne ist zurück

Der Fassadenkletterer Alain Robert hat in der kasachischen Hauptstadt Almaty den Esentai Tower erklommen, 168 Meter in einer Stunde. Mehr

24.04.2016, 14:45 Uhr | Gesellschaft
Formel 1 in Sotschi Was zur Hölle machen wir hier?

Nico Rosberg gewinnt auch das vierte Formel-1-Rennen der Saison. Sebastian Vettel wird von der Strecke gerammt – und flucht danach in seinem Ärger wie ein Bierkutscher. Mehr Von Christoph Becker, Sotschi

01.05.2016, 15:44 Uhr | Sport
Video Prost! Merkel feiert 500 Jahre Reinheitsgebot

Hunderte Brauer und Mälzer haben im oberbayerischen Ingolstadt das 500-jährige Bestehen des deutschen Reinheitsgebots gefeiert. Bundeskanzlerin Merkel hielt bei dem Festakt eine feierliche Rede. Das im Jahr 1516 von zwei Herzögen in Ingolstadt erlassene Reinheitsgebot, gilt als die älteste, noch heute gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. Mehr

22.04.2016, 19:26 Uhr | Gesellschaft
Formel-1-Pilot Daniil Kwjat Mit Attacken auf Vettel

Formel-1-Pilot Daniil Kwjat wird der erste russische Grand-Prix-Sieger, sagt sein Team. In Sotschi muss sich der Ferrari-Star vor ihm in Acht nehmen – wie schon beim letzten Rennen. Mehr Von Christoph Becker, Sotschi

01.05.2016, 13:09 Uhr | Sport

Schön, dass du sauber warst

Von Anno Hecker

Amerikaner haben ein Faible für große Inszenierungen. Doch wie das Magazin „Swimming World“ in seiner Sportart nun Doping mit dem „Geist der Menschlichkeit“ ausrotten wollen, ist schlechter als jeder Scherz und jede Satire. Mehr 1