Nehmen wir mal an, Bernie Ecclestone hätte Recht. Tatsächlich, also rein objektiv, ist natürlich völlig egal, ob er Recht hat oder nicht, denn entscheidend ist in Ecclestones Welt ja nur seine subjektive Sicht. Und raten Sie mal, wer da immer Recht hat. Eben.
Aber wie gesagt, wir tun jetzt so, als hätte der alte Mann Recht. Also finden wir auch: Die letzte Formel-1-Saison war nichts. Viel zu früh entschieden. Ergo viel zu wenig Spannung. Und noch nicht mal ordentlich Streit. Da wäre es doch schrecklich langweilig, wenn uns eine weitere öde Saison ins Haus stünde. Und Sebastian Vettel Ende September als Weltmeister feststeht. Oder schon im Juli.
Zum Glück deutet wenig daraufhin, dass es so kommt, im Gegenteil. Gut möglich, dass in 14 Tagen McLaren, vielleicht auch Mercedes, Red Bull viel dichter auf die Karosserie rücken als zum Auftakt in Melbourne vor zwölf Monaten.
Weil mehr Konkurrenz auch mehr Reibung erzeugt, steigen die Chancen, dass es kracht. Und bevor jetzt die Advokaten der Verkehrssicherheit hellhörig werden: Wir sprechen hier im übertragenen Sinne. Oder glauben Sie, der Teamfrieden bei, sagen wir: Mercedes, glänzt in strahlendem Silber, sobald sowohl Schumacher als auch Rosberg Siege vor Augen haben? Ähnliches gilt, wenn es im Duell der britischen Gentlemen Button und Hamilton um mehr als nur Platz zwei, drei oder vier der Weltmeisterschaft geht.
Und Ferrari? Versteht offenbar das eigene Auto nicht. Misst „Daten, die wir längst in der Tasche haben sollten“, wie Fernando Alonso letzte Woche in Barcelona sagte. Droht weiter abzurutschen, im vierten Jahr in Folge. Nicht ausgeschlossen, dass zumindest zu Saisonbeginn Force India vor den Italienern steht. Auch der mittelmäßig Phantasiebegabte Zuschauer dürfte sich das Donnergrollen in Maranello vorstellen. Montezemolos Rache könnte furchtbar werden. Für wen? Interessante Frage.
Kurzum, wir geben zu: Wir hätten nichts gegen eine spannendere Saison als im vergangenen Jahr. Nur werden wir ein Gefühl nicht los: Ganz egal, wie gut das Jahr wird – Anfang 2013 wird es Ecclestone wieder vergessen haben.
Oder warum sollen die Teams im April unbedingt in Bahrein antreten, als wäre nichts gewesen auf den Straßen von Manama? Von „ein paar Kindern, die sich an der Polizei abreagieren“ will Ecclestone gehört haben, als es jüngst wieder zu Protesten gegen die Regierung der autoritären Monarchie kam. Kein Grund also, das Rennen in diesem Jahr schon wieder ausfallen zu lassen. Und an dieser Stelle sagen wir: Es kommt eben doch darauf an, wer Recht hat. Ganz objektiv.