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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Entwicklungshelfer ohne Zusatzschub

 ·  In seinem Boliden kreist Timo Glock zumeist ganz hinten im Fahrerfeld der Formel 1. Sein Marussia MR01 gleicht einem Versuchsmodell. Hoffnung verspricht eine Kooperation mit McLaren. Doch Zusatzschub gibt es erst ab 2013.

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© dpa Vergrößern Coolness ist gefragt: Timo Glock lässt sich nicht aus der Ruhe bringen - auch wenn sein Rennwagen mitunter unkalkulierbare Risiken birgt

Es ist Zeit für ein Lob, und dieses Mal richten wir uns nicht an Sebastien Vettel oder Michael Schumacher. Nein, wir widmen diese Zeilen einem Wagemutigen. Einem Mann, der längst einen Orden für Tapferkeit verdient hätte: Timo Glock, gelernter Gerüstbauer aus Hessen. Den haben Sie lange nicht mehr gesehen? Kein Wunder, denn in seinem Marussia kreist der Mann in der Formel 1 zumeist ganz hinten. Im Niemandsland, wohin die Fernsehkameras nur dann schalten, wenn es einen Unfall gibt oder wieder mal einer überrundet wird.

Am vergangenen Wochenende aber gab es mal ordentlich etwas zu feiern für Glock und sein Team. Platz zwölf beim Großen Preis von Singapur! Punkte erhält man dafür zwar nicht – aber am Ende der Saison vielleicht zehn Millionen Euro mehr aus dem großen Prämientopf – beinahe ein Viertel des Gesamtetats. Für den kleinen Rennstall wäre es der große Jackpot. Und für Glock eine kleine Sensation. Ein richtiger Rennwagen ist sein Bolide immer noch nicht.

Glock als Entwicklungshelfer

Der Marussia mit der Typenbezeichnung MR01 gleicht einem Versuchsmodell, und Glock ist der erste Entwicklungshelfer im Team. Risiken und Nebenwirkungen gehören zum Alltag. In Singapur gab sein Bolide im dritten Freien Training weiter Gas, obwohl Glock längst den Fuß vom Pedal genommen hatte. Später sprachen die Verantwortlichen von einem „elektrischen Defekt des Sensors“. Beruhigend klingt das nicht. Und trotzdem darf Glock niemals zimperlich sein im Cockpit, wenn er voran kommen will. Stattdessen muss er sich immer wieder an die physikalischen Grenzen tasten, ohne zu wissen, wie sich sein Bolide bei Vollgas im siebten Gang verhalten wird.

Mitleid braucht er dennoch keines, der Dreißigjährige wird mit einem Millionengehalt entschädigt und zählt noch immer zu einem elitären Kreis von weltweit 24 Piloten, die in der Formel 1 um die Wette fahren dürfen. Doch der Rückzug von Toyota 2009 leitete den sportlichen Abstieg von Glock ein. Zumindest in den Ranglisten. Angebote von Sauber und Renault (jetzt Lotus) schlug er seinerzeit aus, weil er fürchtete, dass diese beiden Rennställe künftig überhaupt nicht mehr an den Start gehen könnten.

© dpa Vergrößern Störischer Bolide: der MR01 von Marussia

Inzwischen kämpfen ihre Fahrer wieder um Siege – und Glock schaut zu. Ohne ein schlechtes Wort über sein Team, das im High-Tech-Betrieb Formel 1 manchmal wie ein Haufen Amateure erscheint. Das muss ein Profi erst einmal aushalten können. Ob es Hoffnung gibt? Seit Anfang des Jahres gibt es eine technische Kooperation zwischen Marussia und McLaren. Der Neuling will etwas lernen vom Traditionsteam aus England. Und es gibt einiges zu lernen. Während alle anderen im Feld per Knopfruck seit zwei Jahren zusätzlich 82 PS aktivieren können, muss Glock in seinem Marussia mit dem auskommen, was er hat. Den Zusatzschub gibt es erst 2013. Doch Glock wird mehr als nur einen Finger Krumm machen müssen, um voran zu kommen.

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