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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Ein Geist namens Kubica

 ·  Nur noch wenige Cockpits sind für 2012 frei - für einen wird ein Lenkrad frei gehalten: Robert Kubica. Nach seinem fürchterlichen Rallyeunfall hat er den wichtigsten Kampf gewonnen. Er lebt. Aber was nun?

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© AP Auf dem Weg zurück ins Formel-1-Cockpit? Robert Kubica (Foto: In Singapur 2009)

In diesen Tagen schaut die Formel-1-Welt nach vorne. Und stellt sich brennende Fragen. Zum Beispiel diese: Wird Vettel Schumachers WM-Rekord überbieten? Oder jene: Hat ein privates Problem Hamilton bisweilen ein bisschen aus der Spur geworfen, kriegt Alonso mit Ferrari 2012 die Kurve, wird Mercedes im nächsten Jahr endlich den eigenen Ansprüchen gerecht, findet Schumacher im 44. Lebensjahr den Beschleunigungsknopf beim Qualifikationstraining? Zweifellos sind das interessante Fragen. Aber es bleibt viel Zeit, Antworten dafür zu finden.

Wer sich also nicht im Kreis drehen will, wartet einfach ab. Nur eines lässt sich schon erkennen. In keinem Fall wird das Ergebnis von ungeheurer Wichtigkeit sein. Weder bei Vettel, noch bei Hamilton oder Alonso, schon gar nicht bei Schumacher geht es um die Existenz, nur um ein paar Siege mehr oder weniger. Das kann nicht jeder von sich behaupten im Fahrerlager.

Seit Wochen belauern sich überzählige Kandidaten um eines der wenigen noch freien Cockpits. Hinter den Kulissen wird heftig Politik betrieben, manches schwache Resultat schöngeredet und manch guter Fahrer schlechtgemacht. Aber alle haben sie eine Chance, sich im Wettlauf irgendwie zu präsentieren, sei es in den Nachwuchsserien oder alle zwei Wochen über neunzig Minuten im freien Training der Formel 1. Nur einer erscheint auf keiner Zeitentabelle mehr: Robert Kubica.

Man sieht ihn nicht, man hört ihn nicht. Jetzt, mehr als acht Monate nach seinem schweren Unfall bei einer sportlich unbedeutenden Rallye in Italien, schwebt er wie ein Geist über dem Fahrerlager. Das gute daran ist die Erinnerung seiner Gegner. Wenn sie an Kubica denken, haben sie einen schnellen, furchtlosen, coolen Kollegen vor sich, einen Siegertypen, der nie vom Lenkrad loslassen konnte. Und wenn er es musste, weil die Nacht hereinbrach, dann schleuderte er via Playstation virtuell über die Rallyeparcours auf diesem Globus. Bis in den frühen Morgen, meistens meisterhaft.

Kann Kubica inzwischen wieder einen PKW fahren?

Viele sähen ihn gerne wieder, in bekannter Form. Renault hat, so beteuert Teamchef Eric Boullier, das ganze Jahr den Platz für ein Comeback 2012 freigehalten. Doch die Hoffnung scheint zu schwinden. Der Wunsch des Franzosen, bis zum 15. Oktober ein Zeichen von Kubica zu bekommen, wurde nicht erfüllt. Boullier gab nun zu, beim Versuch, mit seinem früheren Piloten Kontakt auf zu nehmen, nur bis zu dessen Manager vorgedrungen zu sein. Und überhaupt wenig zu wissen über den Stand der Genesung. Eine Leitplanke hatte sich in den Rallyeboliden gebohrt und Kubicas rechten Unterarm halb abgetrennt, den Ellbogen, das rechte Bein und die rechte Schulter schwer verletzt. Boullier schätzt, dass Kubica inzwischen wieder einen Pkw fahren kann: „Aber ich weiß es nicht.“

Was der Teamchef letztlich wissen muss, soll in einem Simulatortest im Verlauf des nächsten Monats geprüft werden. Kann Kubica schon wieder, was er in der Formel 1 konnte? Kurz nach dem Unfall im Februar haben die behandelnden Ärzte vom großen Glück des Polen gesprochen. Wer so viel Blut verliert, ist eigentlich dem Tode geweiht. Den wichtigsten Kampf hat Kubica also gewonnen. Wer ihn halbwegs kennt, ahnt, dass Kubica den Sprung von der Schippe aber nur als Sieg in der ersten Runde betrachtet. Denn Rennfahren ist sein Leben.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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