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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Ein Flug ins Ungewisse nach Südkorea

 ·  Grünes Licht für das Formel-1-Rennen in Südkorea. Ob in Yeongam am 24. Oktober aber tatsächlich um Punkte gefahren wird, ist nicht sicher. Vielleicht packen die Teams nach dem Training wieder ihre Koffer. Für Südkorea wäre dies ein Desaster.

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Haben Sie nicht auch schon mal darüber nachgedacht, den schnellsten Zirkus der Welt für ein viertägiges Spektakel zu mieten? Es braucht gar nicht viel: Natürlich, Ihr Portemonnaie sollte gut gefüllt sein (mit rund 25 Millionen Euro), der Garten müsste einer kleinen Parklandschaft gleichen (etwa 25 Quadratkilometer), durch die sich der Kurs schlängelt, und Sie bräuchten jede Menge Freunde (rund 50.000), die Sie zu diesem Ereignis einladen könnten.

Das Fernsehen überträgt live rund um den Globus, machen Sie sich darüber also keine Gedanken. Aber unterschätzen Sie bloß nicht den Asphalt und fangen rechtzeitig damit an, ihn auf die Strecke zu bringen. Und denken Sie daran, dass Ihre Gäste auch irgendwo sitzen müssen. Kein Problem? Nun, schon der Technologie-Primus Südkorea, der kaum eine Grenze außer vielleicht jener zum nordkoreanischen Nachbarn kennt, wäre beinahe gescheitert. Aber jetzt wird alles gut, behaupten zumindest die Verantwortlichen.

Am Dienstag erhielt der neugeschaffene Kurs in Yeongam rund 400 Kilometer südlich von Seoul die endgültige Zulassung für das Premieren-Rennen am 24. Oktober. Begeisterung darüber klingt aber irgendwie anders: „Es ist zufriedenstellend, und ich werde die Lizenz erteilen.“ Mit diesem Satz wird Charlie Whiting, der Technische Delegierte des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), in einer Mitteilung zitiert.

„Niemand kann sagen, wie der Reifen auf dem Asphalt reagiert“

Wer in diesen Tagen Bilder von der Piste sieht, kann die Zurückhaltung verstehen. Oder würden Sie gern eine Party auf einer Baustelle feiern? Offenbar müssen die Zufahrtsstraßen noch asphaltiert, einige Tribünen aufgebaut und die Ampelanlagen an das Stromnetz angeschlossen werden. Mehr als ein Jahr hatten die Südkoreaner Zeit für den Bau der Strecke, vollendet haben sie ihr Projekt noch immer nicht. Aber Vertrag ist Vertrag - und wenn der Zirkus gemietet worden ist, dann muss er auch kommen. „Die Flüge sind gebucht“, sagt Christian Horner, der Teamchef von Red Bull. Und das Material ist längst unterwegs.

Es wird ein Flug ins Ungewisse für die modernen Heroen der Geschwindigkeit, die nichts weniger hassen als Dinge, die sie nicht beeinflussen können. Doch Sebastian Vettel wird die Reise gern auf sich nehmen. Er ist der Jäger in diesem Titelkampf. Benötigt jede der verbleibenden Chancen, um seinem Teamkollegen Mark Webber den Spaß zu verderben.

In der vergangenen Woche ist der Dreiundzwanzigjährige schon mal über die Piste in Yeongam gerast - im Simulator von Red Bull in der Teamzentrale in Milton Keynes. Danach plagte ihn vor allem eine Frage: „Niemand kann sagen, wie der Reifen auf dem Asphalt reagiert.“ Und, ob dieser Asphalt den Belastungen überhaupt standhält.

Wer im Falle des Ausfalls zahlen müsste, ist unklar

Es scheint noch immer nicht ausgeschlossen, dass die Mechaniker die Boliden nach dem ersten freien Training wieder auseinanderschrauben, die Kisten packen und der Zirkus weiterzieht. Wer für den Schaden zahlen müsste, ist nicht sicher. Schon 1985 musste der Grand Prix in Spa-Francorchamps verschoben werden, die Rennwagen hatten die neue Asphaltschicht nach wenigen Runden zerstört.

Für Südkorea wäre dies ein Desaster, schließlich bewirbt sich das Land auch um die Olympischen Winterspiele 2018. Sie, lieber Leser, sollten aber nicht auf so eine Idee kommen, die Gäste würden dann nämlich nicht nur vier Tagen sondern gleich zwei Wochen bleiben.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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