Michael Schumacher immer noch der Alte. Das hat man doch schon in Monaco gesehen. Erster beim ultimativen Kampf Mann gegen die Uhr durch die Straßenschluchten des Fürstentums. Und nun Dritter in Valencia. Als wäre es wie gestern.
Und siehe da, kaum hatte der Rekordweltmeister die Ziellinie gekreuzt, muckte gleich der geschlagene Hintermann auf: Betrug! Mark Webber fühlte sich jedenfalls zu Unrecht um ein paar Zehntelsekunden abgehängt. Vollgas unter Gelber Flagge, wo Gefahr drohte nach einem Unfall? Das behaupteten der Australier und sein Team Red Bull.
Sie taten so, als hätten sie soeben eine Zeitreise hinter sich: Zurück ins Schummel-Schumi-Land. Webber und sein Team sind mächtig gescheitert. Am Montag traten sie den Gang nach Canossa an, Abbitte leisten. Weil die am Sonntag schwer beschäftigten Verkehrspolizisten trotz der Anzeige Schumacher keine Buße auferlegten. Sie haben ihm sogar überzeugend Ablass gewährt.
Das ist eigentlich eine Überraschung. Weil Schumacher doch wie die Inkarnation des Regelbrechers betrachtet wird. Zumindest ganz gern von denen, die er in den bald 300 Grand Prix seit seinem Debüt 1991 überholt hat. Aber diesmal wäre ein Urteil zu seinen Gunsten gar nicht nötig gewesen. Denn das war längst gesprochen, bevor die Herren des Schnellgerichts die Köpfe zusammensteckten.
Lauda trug ihn verbal auf Händen
Niki Lauda, die windgesteuerte Deutungsmacht von RTL, beweglich wie der Gockel auf dem Kirchturm, hat zwar nicht sein Kapperl gezogen wie nach dem Coup in Monaco, aber der Österreicher trug den Mercedes-Mann verbal auf Händen. Übrigens schon vor der Ankunft. Dabei bildete sich eine internationale Allianz.
Die BBC, von Fachleuten aus dem einstigen Feindeslager des Deutschen unterstützt, schrieb und redete die Rückkehr des Rheinländers auf das Podium während des Grand Prix herbei. Als der sich in den letzten Runden anschickte, von hinten durch das Feld zu pflügen, ließ sich gar beim angeblichen Erbfeind aus Frankreich im Pressezentrum ein Ausruf des Entzückens vernehmen: „Schumi troisième!“
Rückkehr zu alten Zeiten, Bestzeiten
Welche Wandlung! Die Klage Webbers hätte vor ein paar Jahren noch zu einer Inquisition geführt, Verbrennung eingeschlossen. Heute droht dem armen Schumacher die Heiligsprechung. St. Michael? Das ist dem rheinischen Katholiken dann doch ein bisschen zu viel der Salbung. Von einer Saulus-Paulus-Nummer will er schon gar nichts wissen.
Schließlich versteht Schumacher unter seiner persönlichen Reformation allein die Rückkehr zu alten Zeiten, Bestzeiten. Daran arbeitet er, akribisch, ehrgeizig wie eh und je. Rang drei war angenehm, aber doch nicht mehr als die Vorstufe auf dem Weg zum Thron. Dabei könnte dann auch hin und wieder mal der Alte durchschimmern: Dem ist der Speed schon mal eine kleine Sünde wert.
Endlich! Dem "alten" Mann gebührt Respekt für seine Leistung.
Otto Meier (DerQuerulant)
- 28.06.2012, 17:20 Uhr
Niki Lauda, die windgesteuerte Deutungsmacht von RTL
Alexander Paulus (Tyrion_Lannister)
- 28.06.2012, 11:02 Uhr
Kleine Sünden?
Veit Wittmann (vemit)
- 28.06.2012, 09:15 Uhr