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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Die Niederlage als Chance

 ·  Sebastian Vettel und Red Bull fällt es schwer, sich mit der Rolle des Verfolgers abzufinden. Schon machen Verschwörungstheorien die Runde. Vielleicht sollten sich Vettel und Co. lieber an einer japanischen Weisheit orientieren.

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© dpa Vergrößern was ist los, Sebastian? Vettel macht nicht den glücklichsten Eindruck dieser Tage

Es ist an der Zeit, sich mal wieder mit den wichtigen Dingen des Lebens zu beschäftigen. Mit Niederlagen zum Beispiel. Oder mit dem, was manche Menschen dafür halten. Sebastian Vettel ist ein Extremist, für den Weltmeister der Formel 1 zählen vor allem erste Plätze – alles andere kann er nur schwer ertragen.

So wie Platz fünf beim Großen Preis von Deutschland. Er schmollte, schwieg und verschwand, als ihn die Rennkommissare bestraft hatten, nachdem er beim Überholmanöver gegen Jenson Button (McLaren) mit seinem Red Bull für einen Moment die Strecke verlassen hatte. Ist dieses Verhalten nun Ausdruck von Schwäche? Oder zeigt es lediglich seinen unbändigen Willen?

In der Königsklasse des Motorsports rasen 24 Piloten auf vier Kontinenten um die Wette, viele von ihnen sind Egoisten. Das gehört zur Natur eines Sports, bei dem zwar große Teams im Hintergrund arbeiten, aber der Erfolg und Misserfolg stets in den Händen eines Einzelnen liegt.

Vettel hat in den vergangenen beiden Jahren den Geschmack der Siege kennengelernt, und es fällt dem Fünfundzwanzigjährigen und den Verantwortlichen von Red Bull ganz offenbar schwer, sich mit der Rolle des Verfolgers abzufinden.

Fragen Sie mal nach bei Helmut Marko, dem Motorsportberater der Österreicher. 69 Jahre ist er alt, und dennoch reagierte er trotzig wie ein kleines Kind auf das Bestrafung von Hockenheim. „Das ist ja wie die Todesstrafe für Hühnerdiebstahl.“ Aha.

Schon machen Verschwörungstheorien die Runde. Marko spricht von „einem merkwürdigen Beigeschmack“ und zweifelt ganz offenbar an der Neutralität der Regelhüter in der Formel 1: „Da wird häufig mit zweierlei Maß gemessen.“ Und immer zu Lasten des Weltmeister-Teams? Eine verwirrende These.

Schließlich durfte Red Bull zuletzt mit einer Motoren-Einstellung rasen, die nicht dem Reglement entspricht. So deutlich hatte dies Jo Bauer, der Technische Delegierte des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), erklärt. Allein die Regelauslegung ließ zu viele Grauzonen, und diese machten sich die klugen Köpfe von Red Bull zu nutze. Fortsetzung folgt an diesem Wochenende beim Großen Preis von Ungarn (Rennstart am Sonntag um 14.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET).

Was aber können wir den großen Verlieren bis dahin wünschen? Es gebe da zum Beispiel eine japanische Weisheit, die helfen könnte: „Ein Mensch lernt wenig von seinem Siege, aber viel von seiner Niederlage“, heißt es da. Und schließlich liegt in jeder Niederlage auch eine Chance. Es kann ja nur besser werden.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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