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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Die mageren Jahre sind da

 ·  Vor kurzem noch Europas Rennsport-Boomland, schlägt die Krise auch auf die spanische Vollgasbranche durch. Valencia wird ein Minus-Grand-Prix. Die goldenen Zeiten sind vorüber.

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© AFP Kaum Sponsoren, kein Erfolg: Das spanische Team HRT mit seinem spanischen Piloten Pedro de la Rosa

Ein bisschen Bibelfestigkeit kann selbst in der Formel 1 von Zeit zu Zeit nicht schaden. Nein, wir sprechen nicht von der Apostelgeschichte. Schließlich weiß Bernie Ecclestone nur zu gut, dass Geben zwar seliger denn nehmen sein mag – aber nur im Vertrauen auf den Matthäus-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben.

Also bleiben wir alttestamentarisch, lies nach im 1. Buch Mose: Auf die sieben fetten Jahre werden sieben magere folgen, hieß es für den ägyptischen Pharao. Nun sieht es so aus, als sollte das auch für die spanischen Formel-1-Freunde gelten.

Am Wochenende starten die Piloten zum fünften Mal in Valencia zum Großen Preis von Europa, seit 2008 ist die Hafentour der zweite spanische Grand Prix. Zählt man die beiden Großen Preise von Europa 1994 und 1997 auf dem andalusischen Circuit de Jerez hinzu, sind die sieben fetten Jahre beisammen.

Seither wurde Fernando Alonso zum Doppelweltmeister, Spanien löste Schumacher-Deutschland, wo 1995,1996 und 1999 bis 2006 zwei Rennen stattfanden, als europäisches Formel-1-Boomland ab.

Doch die goldenen Zeiten scheinen endgültig vorbei. Schon in den vergangenen Jahren war das Rennen ein Zuschussgeschäft, der Aufbau des temporären „Street Circuit“ teuer. Und miit dem Kartenverkauf für den Europa-Grand-Prix, einst als moderne Alternative zur leicht antiquierten monegassischen Stadtrundfahrt vermarktet, will es auch in diesem Jahr nicht so recht klappen.

Valencia wird längst nicht ausverkauft sein. Kaum verwunderlich, angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise und den aufgerufenen Preisen. Für Kurzentschlossene: Karten für den Rennsonntag auf der Haupttribüne sind für schlappe 650 Euro noch zu haben.

Ein Zugpferd ist zu wenig

Zudem fand das Rennen in Barcelona vor gerade einmal fünf Wochen statt und angesichts der Fluktuation der Sieger in dieser Saison hat sich in der Weltmeisterschaft seither nichts Entscheidendes getan – und wird sich wohl auch in Valencia nicht tun. Vielleicht wirkt sich auch die Beliebigkeit des Erfolgs in diesem Jahr negativ auf die Zuschauerzahlen aus.

Immerhin haben die Spanier ab dem kommenden Jahr nicht mehr die Qual der Wahl, dann wird der Große Preis von Spanien abwechselnd in Barcelona und Valencia ausgetragen – schon wieder ganz nach deutschem Vorbild. Oder anders formuliert: Ein Zugpferd (Alonso) allein kann keine zwei Rennen mehr ziehen.

Gleichbleibende Erfolglosigkeit

Doch auch auf der Strecke lässt sich die spanische Misere beobachten: Das HRT-Team, einst nur dem Namen Hispania Racing nach iberisch, aber in Greding bei Ingolstadt beheimatet, inzwischen aber mit neuem Eigentümer in Madrid ansässig, müht sich seit drei Jahren mit gleichbleibender Erfolglosigkeit um Punkte wie um zahlungskräftige Sponsoren. Einziger Lichtblick der aktuellen Saison: Nur in Australien war das Auto zu langsam, um für das Rennen zugelassen zu werden.

An dem Team, das in Madrid im „Caja Magica“ residiert, ist herzlich wenig zauberhaft. Vielmehr dürften demnächst die Buchhalter auf ihren Taschenrechnern hexen, soll der Spuk nicht ganz schnell vorbei sein.

Jean Todt, Präsident des Weltautomobilverbands, dürfte an HRT gedacht haben, als er angesichts der europäischen Wirtschaftskrise jüngst in der BBC-Sendung „Top Gear“ ein schrumpfendes Starterfeld in der Formel 1 prognostizierte. Spaniens magere Jahre haben begonnen.
 

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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