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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Deutsche Siege ohne Heimvorteil

 ·  Erst Schumacher, jetzt Vettel: Die besten Rennfahrer der Moderne kommen aus Deutschland. Doch die Nation der Autoerfinder kann keine Siegerwagen bauen und richtet bald nicht mal mehr ein Rennen aus.

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© dpa Vergrößern Formel 1 am Nürburgring: Kolossale Pleite

Hat jemand nachgezählt? In den vergangenen 18 Jahren haben deutsche Formel-1-Rennfahrer 16 Mal um den Titel gekämpft. Meistens war es Michael Schumacher, diesmal ist es wieder Sebastian Vettel. Am Sonntag, in seinem 100. Grand Prix, könnte er nicht nur zum dritten Mal Weltmeister werden, sondern auch die inoffizielle Führungsposition übernehmen: Keiner aus dem Fahrerfeld des nächsten Jahres hätte mehr als zwei Titel zu bieten. Vettel wäre der Chefpilot. Schon wieder ein Deutscher.

Für den gemeinen Formel-1-Fan aus Deutschland gibt also auf den ersten Blick keinen Grund zu klagen. Ganz im Gegenteil. Es sind die Briten, die wieder einmal sparsam in die Röhre schauen. Zum Start des großen Finales mit dem vorletzten Rennen am Sonntag in Austin haben sie als Experten nur noch jene Männer vor Augen, die eigentlich ihre Helden sein sollen. Vettel und Alonso, den Hessen und den Spanier. Und das in ihrem Sport, da besteht ja wohl kein Zweifel.

Der mit stolzgeschwellter Brust vorgetragene Hinweis, wer diesen Sport nach dem Krieg groß gemacht macht, wer ihn mit technischen Geniestreichen beschleunigt,  kommerziell beherrscht und in die Welt hinausgetragen hat, dient in diesen Tagen als Ersatz für ein schmerzhaftes Gefühl. Die Briten bestimmen die Richtung dieses Sports. Ohne ihr Rennstall-Konglomerat in Mittelengland, ohne die Ideen ihrer Ingenieurs-Hirne, die Handelstricks von Bernie Ecclestone dreht sich kaum etwas in diesem Sport. Aber so fest die Insulaner auch das Steuer in der Hand halten: Die besseren Autofahrer der Moderne kommen aus Deutschland. Seit 1994 steht es im Titelkampf 9:3, am Sonntagabend vielleicht schon 10:3.  Das tut weh.

Schmerzfrei werden auch die Deutschen nicht über die Runden kommen. Selbst wenn Vettel allen davonfliegt.  Das Image seiner Landsleute im Zirkus bröckelt gewaltig. Aus dem Land der Autoerfinder sind seit Jahrzehnten keine Siegermodelle mehr gekommen. BMW schaffte  vor dem Ausstieg 2009 immerhin den Sprung zum WM-Kandidaten. Mercedes bringt zwar immer wieder den besten Motor. Aber selbst mit Hilfe der Engländer kommt der Silberpfeil nicht  in die Gänge.

Oder ist das so, weil allein die Mannschaft um Teamchef Ross Brawn  für das Chassis zuständig ist? In jedem Fall bleibt ein Makel: Mit der sprichwörtlichen Organisationskunst der Deutschen kann es nicht weit her sein, wenn sie wie Mercedes trotz der offensichtlich idealen Kombination aus deutschen Piloten, deutschem Motor und britischer Designkunst drei Jahre lange auf der Stelle kreisen.

Dieser Eindruck verfestigt sich mit der kolossalen Pleite am Nürburgring. Der von größenwahnsinnigen Managern  und unverantwortlichen Politikern verschuldete Bankrott wird vielleicht zu einer Absage des Großen Preises von Deutschland 2013 führen. Keine WM-tauglichen Boliden, kein Rennen im Land, kein Plan: Es sieht so aus, als brauchten die Deutschen mehr denn je die Briten, um Weltmeister werden zu können.

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