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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Der Wind hat sich gedreht

 ·  Sieben Rennen, fünf Ausfälle und rustikale Reparaturversuche: Michael Schumachers Ausfallserie wird zum Problem - für Mercedes.

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© dpa Da war die Laune noch gut: Michael Schumacher bei der Fahrerparade in Montreal

Oje! Als wäre seine Situation nicht schon schlimm genug. Nun muss Michael Schumacher auch noch das Mitleid der anderen ertragen. Und ihre Ratschläge. „Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr“, sagt der derzeit arbeitslose Berufsrennfahrer Adrian Sutil. „Aber was soll man machen? Man muss sich neu motivieren.“

An der Motivation oder dem Willen ist der Rekordweltmeister noch nie gescheitert, und auch derzeit ist der Mann am Steuer nicht das Problem. Die Maschine lässt den Menschen im Stich. Fünf Ausfälle, vier durch einen technischen Defekt – auch wenn es in dieser Formel-1-Saison noch keinen Dauersieger gibt, ein Dauerverlierer scheint schon ausgemacht.

Selbst die „Bild“-Zeitung zeigt sich inzwischen auf der Seite von Schumacher und nahm Anfang dieser Woche Teamchef Ross Brawn ins Kreuzverhör. Die alles entscheidende Frage: Warum diese Schlamperei?

Noch vor wenigen Wochen bewegten den Boulevard ganz andere Dinge, ging es darum, ob der alte Mann im Cockpit nicht langsam zu alt sei. Doch der Wind hat sich gedreht, und das ist vor allem für Mercedes eine Gefahr. Während der ersten beiden Jahre nach dem Schumacher-Comeback hieß es noch: Warum tut er sich das an? Schon bald könnte es um etwas ganz anderes gehen: Warum tun sie ihm das an?

Marussia, HRT, Caterham - alle zuverlässiger

Immerhin haben sich die Verantwortlichen bei Schumacher entschuldigt, das machen sie inzwischen nach jedem Rennen. Worte, die zum Silberpfeil-Mantra werden. Ein Getriebeschaden in Melbourne, ein loses Rad nach einem missglückten Boxenstopp in Schanghai, ein defekter Heckflügel in Bahrein, eine defekte Benzinpumpe in Monaco, ein defekter Heckflügel in Montreal – kein anderer Fahrer ist in diesem Jahr so wenige Kilometer gefahren wie Schumacher in seinem Dienstwagen. Selbst die beiden Marussia, die beiden HRT und die beiden Caterham zeigten sich nicht zwar schneller aber immerhin zuverlässiger.

Es gibt viele Philosophen in der Formel 1 und solche, die es werden wollen. Eine ihrer Weisheiten lautet: „If you want to finish first, you have to finish first“ – wenn du gewinnen willst, dann solltest du erst einmal das Ziel erreichen.

Nico Rosberg, dem Mann im zweiten Mercedes, ist das in jedem der bisherigen sieben Rennen gelungen, auf wundersame Weise gilt er nun sogar als WM-Kandidat. Es gibt keinen triftigen Grund, warum Schumacher das nicht auch gelingen sollte.

Fausthiebe für den Heckflügel

Und keine vernünftige Erklärung dafür, dass das Rosberg-Mobil läuft und läuft und läuft wie einst der VW Käfer und die Malessen des Schumacher-Autos inzwischen mit Methoden angegangen werden, mit denen auch sibirische Holzfäller ihren Ladas das Blech gerade ziehen.

Heckflügel, die, wie jüngst in Montreal, mit ein paar Fausthieben wieder flott gemacht werden sollen - das passt so gar nicht zu den Ansprüchen des Weltkonzers Daimler und seiner Premiummarke Mercedes. Und Michael Schumacher hat allemal höhere Ansprüche.

Noch stärkt er seinem Arbeitgeber nach jeder Enttäuschung den Rücken. Welch ein Glück, dass er mit seiner zweiten Karriere auch eine neue Form von Contenance gefunden hat. Denn was wäre für diesen Mann leichter, als sich vor die Kameras zu stellen und zu fragen: Können die in Stuttgart keine Rennwagen bauen?

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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