http://www.faz.net/-gu4-74uey
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 05.12.2012, 17:16 Uhr

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Der Star ist der Rennstall

Berühmteste Marke, größtes Ego: zwar stieß Ferrari in der vergangenen Formel-1-Saison wieder an seine Grenzen, die Phantasie der Beteiligten kannte allerdings kaum ein Limit.

von
© dpa Viel Rauch um relativ wenig: Ferrari 2012

Grande! Endlich mal wieder ein Gefühlsausbruch von Signore di Montezemolo. Und was für einer! Nicht einmal vor der Kritik an einem alten Freund schreckt der Ferrari-Präsident zurück: „Michael erlebte seine größten Momente bei Ferrari, wir hatten immer ein sehr enges Verhältnis zueinander, daher hatte ich ein anderes Rennen von ihm erwartet.“

Michael Wittershagen Folgen:

Wir können uns diese Erwartung sehr gut vorstellen: Schumacher (Mercedes) fährt so aggressiv, als würde er selbst noch um den Titel kämpfen, Sebastian Vettel (Red Bull) gibt nicht nach, und am Ende stehen beide mit ihren Boliden in der Wiese – und Fernando Alonso (Ferrari) als strahlender neuer Weltmeister im Regen von Brasilien.

Mehr zum Thema

Hat Ferrari ein Hausrecht auf Siege?

Sie meinen, dass wir übertreiben? Der Ferrari mit der Typennummer F2012 stieß in der vergangenen Formel-1-Saison schnell an seine Grenzen, die Phantasie der Beteiligten kannte allerdings kaum ein Limit. Alonso sah sich zur Mitte der Saison nicht mehr nur als ein profaner Rennfahrer, der Spanier glaubte auf einmal, er sei ein Samurai-Kämpfer, ein Gladiator, und damit das auch möglichst viele andere glaubten, schickte er die Neuigkeit über seinen Twitter-Kanal in die Welt hinaus. Blöd nur, dass ein Hesse mit Lausbubenlächeln das Duell trotzdem wieder für sich entschied. Ohne Rüstung, ohne Schwert, ohne martialische Ankündigungen.

Ferrari president Montezemolo presents a new centrist political movement named "Towards the Third Republic" in Rome Signore di Montezemolo: Was erlaube Schumacher? © REUTERS Bilderstrecke 

Dabei hatten sich die Italiener einiges einfallen lassen. In Austin brachen sie das Siegel des Getriebes am Ferrari von Felipe Massa, damit Alonso in der Startaufstellung nach vorne rücken konnte, im Rennen von Brasilien mischten sie munter der Positionen ihrer beiden Piloten und ließen den Adjutanten sogar eine rasende Blockade spielen. Unfair, dieses italienische Schauspiel? Nicht doch! Zumindest nicht für di Montezemolo: „Wir werden häufig an den Pranger gestellt, wenn wir notwendige und offenkundige Teamtaktiken durchführen. Ich habe unseren Fahrern immer gesagt, dass sie nicht für sich selbst, sondern für Ferrari fahren.“

Ferrari war schon immer ein eigenes Universum – und das lässt sich das Team teuer bezahlen. Aus dem Einnahmentopf der Formel 1 bekommt die Scuderia mehr als jeder andere Rennstall, die Tradition zählt sogar so viel, dass Red Bull, immerhin dreimal in Serie Weltmeister in der Fahrer- und der Konstrukteurs-Wertung, nicht mithalten kann. Doch was nützt all das, wenn seit 2008 Jahr für Jahr andere die größten Pokale abräumen und di Montezemolo wieder nichts bleibt, als zu sagen: „Glückwunsch an Sebastian Vettel und Red Bull. Sie haben gewonnen, und wir freuen uns, den Siegern zu gratulieren, hoffen und wünschen uns aber, dass wir im nächsten Jahr diejenigen sind, die die Glückwünsche erhalten.“ Auf die ehrliche Art?

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Max Verstappen Begegnung mit der Zukunft der Formel 1

Max Verstappen soll die Dominanz von Mercedes brechen – das ist die Hoffnung, die in den 18-Jährigen gesetzt wird. Schon jetzt ist er eine strategische Figur in der Formel 1. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

28.05.2016, 08:59 Uhr | Sport
Bayern gegen Atlético Alle Tore im Video

Bayern München gewinnt das Rückspiel im Halbfinale der Champions League dank der Treffer von Alonso und Lewandowski. Doch das Gegentor von Griezmann entscheidet. Mehr

03.05.2016, 23:09 Uhr | Sport
Formel 1 in Monaco Eine beunruhigende Nachricht für Ferrari

Bei Sebastian Vettel gibt es im Formel-1-Training in Monaco ein paar Dinge, die in die Hose gingen. Dafür schiebt sich ein anderes Team in die Rolle des ersten Verfolgers der Silberpfeile. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

26.05.2016, 17:39 Uhr | Sport
Online-Kurse zur Kunst Willkommen im digitalen Museum

Wer nicht persönlich vor die Kunstwerke tritt, kann Meisterstücke aus den großen Sammlungen dieser Welt online betrachten und dabei eine Menge lernen. Das Städel und das MoMA machen vor, wie es geht. Mehr Von Ursula Scheer

02.05.2016, 08:39 Uhr | Feuilleton
Monaco-Sieger Hamilton Gebetet, gesegnet, beschenkt

Lewis Hamilton beweist in Monaco, warum er zu den Besten zählt: Im entscheidenden Moment verteidigt der Formel-1-Weltmeister kompromisslos den Sieg – und profitiert von Red Bulls Fehlgriff. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

29.05.2016, 16:07 Uhr | Sport

Ein unlösbarer Konflikt

Von Christian Kamp

Der Wunsch, sich mit den Besten zu messen, ist das Wesen des Sports. Es ist frustrierend, wenn einem das verwehrt bleibt. Doch im Fall des Weitspringers Markus Rehm ist vielleicht auch die zweitbeste Lösung nicht verkehrt. Mehr 0