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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Der Star ist der Rennstall

Viel Rauch um relativ wenig: Ferrari 2012 Bild: dpa

Berühmteste Marke, größtes Ego: zwar stieß Ferrari in der vergangenen Formel-1-Saison wieder an seine Grenzen, die Phantasie der Beteiligten kannte allerdings kaum ein Limit.

          Grande! Endlich mal wieder ein Gefühlsausbruch von Signore di Montezemolo. Und was für einer! Nicht einmal vor der Kritik an einem alten Freund schreckt der Ferrari-Präsident zurück: „Michael erlebte seine größten Momente bei Ferrari, wir hatten immer ein sehr enges Verhältnis zueinander, daher hatte ich ein anderes Rennen von ihm erwartet.“

          Wir können uns diese Erwartung sehr gut vorstellen: Schumacher (Mercedes) fährt so aggressiv, als würde er selbst noch um den Titel kämpfen, Sebastian Vettel (Red Bull) gibt nicht nach, und am Ende stehen beide mit ihren Boliden in der Wiese – und Fernando Alonso (Ferrari) als strahlender neuer Weltmeister im Regen von Brasilien.

          Hat Ferrari ein Hausrecht auf Siege?

          Sie meinen, dass wir übertreiben? Der Ferrari mit der Typennummer F2012 stieß in der vergangenen Formel-1-Saison schnell an seine Grenzen, die Phantasie der Beteiligten kannte allerdings kaum ein Limit. Alonso sah sich zur Mitte der Saison nicht mehr nur als ein profaner Rennfahrer, der Spanier glaubte auf einmal, er sei ein Samurai-Kämpfer, ein Gladiator, und damit das auch möglichst viele andere glaubten, schickte er die Neuigkeit über seinen Twitter-Kanal in die Welt hinaus. Blöd nur, dass ein Hesse mit Lausbubenlächeln das Duell trotzdem wieder für sich entschied. Ohne Rüstung, ohne Schwert, ohne martialische Ankündigungen.

          Signore di Montezemolo: Was erlaube Schumacher? Bilderstrecke
          Signore di Montezemolo: Was erlaube Schumacher? :

          Dabei hatten sich die Italiener einiges einfallen lassen. In Austin brachen sie das Siegel des Getriebes am Ferrari von Felipe Massa, damit Alonso in der Startaufstellung nach vorne rücken konnte, im Rennen von Brasilien mischten sie munter der Positionen ihrer beiden Piloten und ließen den Adjutanten sogar eine rasende Blockade spielen. Unfair, dieses italienische Schauspiel? Nicht doch! Zumindest nicht für di Montezemolo: „Wir werden häufig an den Pranger gestellt, wenn wir notwendige und offenkundige Teamtaktiken durchführen. Ich habe unseren Fahrern immer gesagt, dass sie nicht für sich selbst, sondern für Ferrari fahren.“

          Ferrari war schon immer ein eigenes Universum – und das lässt sich das Team teuer bezahlen. Aus dem Einnahmentopf der Formel 1 bekommt die Scuderia mehr als jeder andere Rennstall, die Tradition zählt sogar so viel, dass Red Bull, immerhin dreimal in Serie Weltmeister in der Fahrer- und der Konstrukteurs-Wertung, nicht mithalten kann. Doch was nützt all das, wenn seit 2008 Jahr für Jahr andere die größten Pokale abräumen und di Montezemolo wieder nichts bleibt, als zu sagen: „Glückwunsch an Sebastian Vettel und Red Bull. Sie haben gewonnen, und wir freuen uns, den Siegern zu gratulieren, hoffen und wünschen uns aber, dass wir im nächsten Jahr diejenigen sind, die die Glückwünsche erhalten.“ Auf die ehrliche Art?

          Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

          Quelle: FAZ.NET

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