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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Der Nürburgring lebt doch noch

Und sie fahren doch auf dem Nürburgring. Die Einigung wirkt nach dem Desaster in der Eifel wie eine Belebung. Dass sich der schlaue Bernie Ecclestone trotz der schwierigen Voraussetzungen auf einen Deal eingelassen hat, könnte zwei Gründe haben.

© dpa Vergrößern Dir Formel 1 wird auch in dieser Saison in Deutschland fahren - auf dem Nürburgring

Und sie fahren doch. Das ist die beste Nachricht für die Zukunft des Nürburgrings. Denn die Einigung zwischen der Betriebsgesellschaft (NBG) der insolventen Nürburgring GmbH und Formel-1-Manager Bernie Ecclestone am Mittwoch wirkt nach dem Desaster in der Eifel unter Beteiligung der Politik, den abenteuerlichen Finanzspekulationen, den vorab erkennbaren Fehlinvestitionen und den nun über Jahre niederschmetternden Nachrichten wie eine Belebung: Der Nürburgring lebt doch noch.

Anno Hecker Folgen:  

Dass ausgerechnet die Auftrittsankündigung der Formel 1 zu diesem Bild beiträgt, ist verblüffend. Seit Jahren lässt sich mit der Organisation der Großen Preise auf fast allen Kursen in Europa kein Geld mehr verdienen. Schlimmer noch. Die Miete des Fahrerfeldes, die Einschränkungen bei der Vermarktung kostet die Veranstalter so viel, dass sie in der Regel froh sein müssen, wenn kein Verlust eingefahren wird. Selbst noch zu Schumachers Gewinnzeiten, vor etwa zehn Jahren, sanken die Einnahmen schon rapide.

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Später zahlten die Veranstalter bei jedem Rennen Millionen dazu. Deshalb wechselten die Deutschen den Modus, einigten sich, im Wechsel jeweils alle zwei Jahre den Großen Preis von Deutschland zu organisieren. Und trotzdem sah sich Hockenheim gezwungen, die Notbremse zu ziehen.

Man vereinbarte mit Ecclestone einen neuen Vertrag, zu wesentlich besseren Konditionen. Statt mit rund 24 Millionen Euro Antrittsgage begnügt sich der Brite seitdem mit 14, wurde allerdings am Erfolg beteiligt. Ab 50.000 Besuchern erhält der Formel-1-Vermarkter, Ecclestone ist der Statthalter des Rechtebesitzers CVC, für jede mehr verkaufte Karte 100 Euro.

Bernie Ecclestone © dpa Vergrößern Die Betriebsgesellschaft der insolventen Nürburgring GmbH hat sich mit Chefvermarkter Bernie Ecclestone geeinigt

Wahrscheinlich wird der Engländer für die große Sause Anfang Juli mit seinem Tross um Champion Sebastian Vettel in der Eifel enorme Zugeständnisse gemacht haben. Über Details schweigen sich die Vertragspartner aus. Ecclestone, weil jede verlässliche Rabatt-Information das glänzende Geschäft mit den Prestige-Konstruktionen im nahen und fernen Osten, wo schon mal 40 Millionen Dollar pro Grand Prix gezahlt werden, gefährden würde.

Die Herren vom Nürburgring, weil sie begründete Sorgen haben, veröffentlichte Details könnten in der nach wie vor heiklen Lage Angriffe von außen begünstigen. Nur so viel ist durchgesickert. Das Land soll für die Rückkehr des spektakulären Kreisverkehrs angeblich nicht direkt in die Tasche der Steuerzahler greifen müssen. Das wird zu prüfen sein.

Nach monatelangen Verhandlungen ist klar, dass die Formel 1 auch 2013 auf dem Nürburgring fährt © dpa Vergrößern Nach monatelangen Verhandlungen ist klar, dass die Formel 1 auch 2013 auf dem Nürburgring fährt

Warum aber lässt sich Ecclestone auf einen Handel ein, wenn nicht viel zu gewinnen ist? Zumal der äußerst späte Start der Organisation, sollte der Vermarkter wie in Hockenheim beteiligt sein am Erfolg, ein Risiko ist. Zu den besten (Verkaufs-) Zeiten der Schumacher-Ära, rissen die Fans den Veranstaltern schon vor dem Jahreswechsel die Karten für das Rennen im folgenden Jahr aus der Hand.

Das wertvolle Weihnachtsgeschäft konnten die Macher am Nürburgring nicht nutzen. Deshalb schätzen Insider, dass die Verkaufszahl von 2011, etwas mehr als 50.000 Tickets, nur schwer zu erreichen ist. Zumal eine Attraktion, Michael Schumacher, nicht mehr als Pilot am Nürburgring aufkreuzen wird. Dass sich der schlaue Ecclestone trotz der schwierigen Voraussetzungen eingelassen hat, könnte zwei Gründe haben.

Zuletzt drehten Sebastian Vettel und Co. 2011 ihre Runden in der Eifel © dpa Vergrößern Zuletzt drehten Sebastian Vettel und Co. 2011 ihre Runden in der Eifel

Deutschland ist mit drei Fahrern, mit dem Weltmeister, mit dem Mercedes-Team, den höchsten Einschaltquoten immer noch ein Kernmarkt der Formel 1, auf den man aus politischen Gründen nicht verzichten kann.  Es könnte aber auch sein, dass Ecclestone profanere Gründe bewegten, auf die Reise seiner Formel 1 ins Land der Autofahrer nicht zu verzichten: es bot sich keine lukrative Alternative.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen dem schnellsten Kreisverkehr der Welt - auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 
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