Home
http://www.faz.net/-gu6-71frq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Der Greis ist heiß

 ·  Was denn nun? Einbuchten oder Anhimmeln? Eben noch gejagt, muss Bernie Ecclestone den Großen Preis von Deutschland retten - mal wieder. Dass er dem Nürburgring weiterhilft, ist nicht mal ausgeschlossen.

Kolumne Bilder (3) Lesermeinungen (2)
© dpa Vergrößern Immer ein offenes Ohr: Bernie Ecclestone

Ach, die Deutschen: Während der Staatsanwalt aus München Charles Bernhard Ecclestone hinterher jagt, sehnen sich die Pleitiers vom Nürburgring nach der rettenden Hand des kleinen Mannes von der Insel. Nach einer Pfote, die vor Wochen kaum einer mehr schütteln wollte. Was für ein Bild ergibt das eigentlich?

Das vom Zampano der Formel 1, wie er in diesem Land schwebt zwischen Einbuchtung und Verherrlichung. Also fragt man sich, wo er landen wird. Vielleicht doch auf einem Sockel vor der Grand-Prix-Strecke in der Eifel, wenn Ecclestone einer Anklage wegen Bestechung entgeht und 2013 um jeden Preis einen Grand Prix in Deutschland austragen lassen will.

Dann müsste er aber wohl höchst persönlich als Promotor auftreten. Ungewöhnlich wäre das nicht. Aber ob es auch besonders verdienstvoll wäre - für Ecclestone und die Teams? Nein. Mit Formel-1-Rennen macht man (ohne Subventionen) keinen Gewinn mehr. Ihre Antrittsgage ist in der Regel nicht mehr zu refinanzieren.

  1/2  
© dpa Vergrößern Ausverkauft? Die Nürburgring-GmbH ist insolvent

Es sei denn, Ecclestone, der Formel-1-Vermarkter, böte Ecclestone, dem Grand-Prix-Promotor in der Eifel, einen Discountpreis an. Die Voraussetzungen sind so schlecht nicht. Schon den Rennfreunden in Hockenheim hat der blitzgescheite Greis aus London aus alter Verbundenheit über die Runden geholfen.

Mit einer Gage von 14 Millionen Dollar liegt man weit unter dem, was die Asiaten für den Auftritt der Boliden zahlen. Allerdings müssen die Hockenheimer Ecclestone beteiligen, wenn an diesem Wochenende mehr als 50.000 zahlende Zuschauer kommen; mit angeblich 100 Euro für jeden weiteren Kartenverkauf. Wie zu hören ist, läuft das Geschäft nicht so wie gewünscht.

Obwohl doch die Formel 1 nichts an Spannung verloren hat, im Gegenteil: ständige Führungswechsel in der Fahrerwertung, Vettel als Titel-, Schumacher als Siegkandidat. Was kann man denn noch bieten? Die Sorgen und die möglichen Verluste aber sind nichts gegen das, was der Formel 1 im Herrschaftsbereich der Europäischen Kommission droht.

Wenn die Wettbewerbshüter endgültig feststellten, dass öffentliche Subventionen für eine Rennstrecke in der Eifel nicht erlaubt sind, dann gilt das Verbot wohl auch für Belgien, England, Italien, Spanien und Ungarn - gemeinhin alle mehr oder weniger staatlich unterstützte Europastationen der Formel 1.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren (7) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Ecclestone-Prozess Krieg hinter den Kulissen der Formel 1

Der Prozess in München gegen Bernie Ecclestone könnte die Formel 1 verändern. Was wird aus der Rennserie, wenn sich die Besitzverhältnisse ändern? Es geht um viel Geld und Macht. Mehr

21.04.2014, 12:09 Uhr | Sport
Kommentar Blick in die Dunkelkammer der Formel 1

Das Fia-Schiedsgericht weist den Einspruch von Red Bull zurück: Das Team von Weltmeister Sebastian Vettel verliert somit endgültig wichtige Punkte. Der Zuschauer gewinnt aber wertvolle Einblicke durch das Gericht. Mehr

15.04.2014, 14:42 Uhr | Sport
Ecclestone-Prozess Dem Formel-1-Chef drohen zehn Jahre Haft

Bernie Ecclestone soll geschmiert und gelogen haben, dass sich die Boliden biegen. Die Zeiten, als für den 83-jährigen eigene Gesetze galten, sind vorbei. Jetzt wird spekuliert, ob er nicht gleich zu Prozessbeginn am Donnerstag hinter Gittern wandert. Mehr

23.04.2014, 23:57 Uhr | Wirtschaft

18.07.2012, 17:02 Uhr

Weitersagen