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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Der fahrende Notruf

 ·  HRT hat als letztes Team die Testfahrten begonnen. Den Beobachtern schwant Böses. Schon im Vorjahr stellten die Spanier eine Gefahr im Kreisverkehr dar. Daher passt die Modellnummer 112.

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© AFP Die Langsamsten des Vorjahres, die Letzten im Testbetrieb: HRT wird auch in der Formel-1-Saison 2012 hinterherfahren

Die Letzten werden die Ersten sein? Wohl kaum! Schon eher muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Team wirklich in die erste Klasse gehört. Erst am Montagabend haben die Techniker vom Hispania Racing Team (HRT) erstmals den Motor ihres neuen Boliden gestartet und den Inder Narain Karthikeyan auf die Rennstrecke geschickt – schneller ging es wohl nicht.

Doch ob sie es verantworten konnten? „Wir haben leider noch nicht am Setup gearbeitet, aber alles hat gut funktioniert, es gab keine größeren Probleme“, beteuert Karthikeyan. „Wir können uns endlich auf die Saison freuen.“

Wer will HRT eigentlich sehen?

Wenn es denn so einfach wäre. Die wenigen Kilometer in Barcelona waren nötig, um nicht ganz ohne Erfahrung beim Saisonstart in Australien am 18. März aufzukreuzen. Weil die spanische Renngemeinschaft zuvor alle drei Testfahrten verpasst hatte, lief die erste Ausfahrt unter dem Deckmantel eines Drehtages für Foto- und Filmaufnahmen.

Fraglich bleibt allerdings, wer sich für das Material interessieren sollte. Oder wer sich davon einen Image-Gewinn verspricht. Das Formel-1-Projekt von HRT wird langsam zu einem PR-Desaster.

Und zu einem Sicherheitsrisiko. Schon im vergangenen Jahr wurde den beiden Fahrern in Melbourne die Starterlaubnis entzogen, sie waren im Qualifying beinahe acht und neun Sekunden langsamer als Sebastian Vettel (Red Bull) – pro Runde wohlgemerkt. 

Offenbar haben die Verantwortlichen seitdem nicht viel allzu dazu gelernt. Ganz im Gegenteil. HRT ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich Geschäftsleute an einem Rennstall bereichern wollen – und dafür vieles in Kauf nehmen.

Bedient von der Formel 1

Einer wollte daran nicht länger beteiligt sein: Collin Kolles, der ehemalige Teamchef. Schon vor einem halben Jahr kündigte der Deutsche, nachdem er sich mit den neuen Eigentümern von der Investmentfirma Thesan Capital wiederholt lautstark auseinandergesetzt hatte. Mit dem einstigen Zahnarzt gingen der Technische Direktor, der Produktionsleiter und mehr als einhundert Ingenieure und Mechaniker.

Viele waren so bedient von der Formel 1, dass sie sogar einen Job in der Deutschen Tourenwagen-Masters vorzogen. Nun bilden Formel-1-Techniker ein Team, von denen zuletzt viele arbeitslos waren. Zwei Jahre nach dem Neuneinstieg in die Formel 1 fängt HRT schon wieder von vorne an.

Der neue Hispania F112 ist nicht mehr als eine Kiste auf vier Rädern. Dabei sollte das F im Namen sicher einmal für Formel 1 stehen. Aber nicht nur die Zahlenkombination dahinter legt einen Notruf nahe.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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