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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Der alte Mann und die Diktatur

 ·  Er kann es nicht lassen: Kurz vor seinem 80. Geburtstag schwärmt Bernie Ecclestone wieder von den Möglichkeiten diktatorischer Systeme. Das muss jedem zu denken geben, der sich in der Formel 1 engagieren will - gerade deutschen Unternehmen.

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Er hat es wieder getan. Schon wieder. Aber mal ehrlich: Welchem Mann, der kurz vor dem Eintritt ins neunte Lebensjahrzehnt steht, trauen Sie noch einen grundlegenden Sinneswandel zu? Eben. Wer im gesetzten Alter von 78 Jahren zu der Ansicht kommt, Diktaturen seien ganz praktisch, um Dinge ohne große Diskussionen erledigen zu lassen, der wird mit 79 kaum zum Basisdemokraten. Erst recht nicht, wenn er Bernie Ecclestone heißt.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Sommer fand Ecclestone Adolf Hitlers Duchsetzungsvermögen so überzeugend, dass er der britischen Tageszeitung „The Times“ davon erzählen mochte. Hitler sei zwar „kein sehr guter Diktator“ gewesen, aber vom Erfolg des Tyrannen Saddam Hussein zeigte sich der Formel-1-Vermarkter durchaus überzeugt: „Er war der einzige, der den Irak kontrollieren konnte.“

Die Aufregung war berechtigerweise groß. Stephen Pollard etwa, Herausgeber des in London erscheinenden „Jewish Chronicle“, war sich nicht sicher, ob der Formel-1-Vermarkter ein „Idiot“ sei oder „abscheuliche moralische Vorstellungen“ habe. Die Frage wurde damals nicht abschließend geklärt, denn ein paar Tage später sagte Ecclestone: „Ich bin zutiefst erschüttert und beschämt, dass meine Äußerungen dazu benutzt wurden, den Eindruck zu erwecken, ich würde Hitler und Saddam Hussein unterstützen. Ich würde solche Personen niemals unterstützen.“ Alles nicht so gemeint also?

„Das ist ja wohl bewiesen, oder?“

Nun, wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag, hat Ecclestone dem britischen „Guardian“ ein bemerkenswertes Interview gegeben. Denn er hat sich offenbar noch einmal Gedanken über Staats- und Machttheorien gemacht, kaum das die Tinte unter den Verträgen über die Formel-1-Rennen im demokratischen Musterstaat Russland ab 2014 getrocknet ist. Prompt sagte Ecclestone den englischen Kollegen nun: „Ich kriege wieder eine Menge Ärger für diese Aussagen, aber ich glaube nicht, dass irgendetwas demokratisch geregelt werden sollte. In Firmen und anderswo muss es Leute geben, die das Licht ein- und ausschalten.“ Und Hussein habe das gekonnt. Er habe den Irak zu einem stabileren Land gemacht. Das sei „ja wohl bewiesen, oder?“

Auch ansonsten hatte Ecclestone eine Menge zu erzählen. Über seine gescheiterte Ehe, seine Töchter, Rennstrecken in Europa und anderen Teilen der Welt im Allgemeinen, in der Türkei und Belgien im Besonderen, und, ach ja, Hitler. Genauer: Die Zitate zu Hitler im vergangenen Jahr. Frage: „Haben Sie Ihre Aussagen im vergangenen Jahr Schlaf gekostet?“ Klare Antwort: „Nein. Ich wusste ja, wie sie gemeint waren.“

Wie sie gemeint waren? Vermutlich so, wie er sie gesagt hat. Und deshalb sollte niemand Ecclestones Aussagen als Gedankenspiele eines alten Mannes abtun. Denn er denkt mitnichten daran, seine Rolle im Formel-1-Geschäft aufzugeben, im Gegenteil. Er wolle weitermachen, bis er neunzig wird, mindestens, behauptet Ecclestone. Das sollte all jenen zu denken geben, die sich mit dem Gedanken tragen, demnächst in Ecclestones Geschäft mitzuspielen. Besonders, wenn ihre eigene Firmen- und Renn-Geschichte ganz wesentlich von der Hitler-Diktatur geprägt ist. Volkswagen wird noch in diesem Jahr entscheiden, ob sich der Konzern künftig in der Formel 1 engagiert.

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Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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