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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Charaktertest bestanden

 ·  Wenn es mal wirklich brennt im Fahrerlager, kann man sich auf Hilfe verlassen. Die Formel 1 hat den wichtigsten Crashtest bestanden. Nicht nur Williams-Chef Frank Williams ist überwältigt.

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© AFP Helfer in der Not: Mechaniker von Mercedes gehen für Williams durchs Feuer

Die Formel 1 als Charakterhaufen. Das wäre doch mal ein Thema nach den Kommentaren zum Großen Preis von Spanien. Die Schlagworte der Spötter in Kürze: Kann nach Maldonado jetzt jeder gewinnen? Ist die Berechenbarkeit von Pirelli-Reifen eine Glückssache? Leidet Schumacher unter Kurzsichtigkeit? Kommt Massa bei Ferrari nicht ans Gaspedal und wollen Sie wirklich einen Reifenservice von McLaren oder lieber fehlerlos davon kommen?

Darüber kann man heftig diskutieren. Nur über eines lässt sich nach den Ereignissen am Sonntag nicht mehr streiten: Über den Charakter nicht weniger Menschen im Fahrerlager. In der Not sind sie da.

Wen stört es eigentlich, wenn sich bei einem Feuer in der Box von Williams alles in Schall und Rauch auflöst? Gerade hatte das Team erstmals seit acht Jahren wieder einen WM-Lauf gewonnen und damit vor allem der engeren Konkurrenz im Mittelfeld eine schwere Niederlage im Kampf um die Prämien zugefügt.

Da geht es um Millionen Euro, in der gegenwärtig äußerst angespannten wirtschaftlichen Situation sogar um die Existenz. Deshalb ist man sich ja so spinnefeind, verschließt sich in der Box, lässt niemand Fremden auch nur in die Nähe des Autos, codiert den Funk und lässt von Team zu Team in der Regel nur Gespräche über das Wetter zu – falls nicht gerade der Meteorologe vom Dienst zum Gesprächskreis gehört. Er darf samstags vor dem Rennen nicht mal sagen, ob sonntags die Sonne aufgeht.

Binnen zehn Minuten das Bild revidiert

Eine bewiesene Renn-Manipulation, Raubkopien, Spionagefälle und die daraus folgenden juristischen Prozesse haben in den vergangenen Jahren dem Image der Formel 1 einen großen Schaden zugefügt. Als versammelte sich in dieser Enklave alle zwei Wochen die Welt-Gemeinschaft gefühlskalter Egomanen. Zehn Minuten haben am Sonntag gereicht, das Bild zu relativieren.

Williams-Chef Sir Frank Williams haben Siege und WM-Titel zwar immer mal wieder erfreut, wenn er eine erkennbare Regung auch selten zeigte. Am Montag aber ließ der Siebzigjährige alle Welt via Dankesschreiben an seinem Seelenleben teilhaben: „Ich bin überwältigt.“ Das war ein Dankeschön an alle, die dem Fluchtgedanken getrotzt hatten.

Wie die Feuerwehr - nur schneller

Was würden Sie tun, wenn in einer engen Garage nach einem Knall plötzlich Feuer ausbricht, wenn Sie glaubten, dass Benzin und andere brennbare Flüssigkeiten in der Box gelagert werden, leicht entflammbares Material in der Nähe steht? Wahrscheinlich davonlaufen. Gegen diesen natürlichen Strom rannten von allen Seiten Helfer heran, obwohl sich ein dicker, schwarzer, beißender Qualm durch die Tür ins Fahrerlager drückte.

Teammitglieder der engeren und weiteren Konkurrenz, von Toro Rosso, Force India, von Marussia und HRT, auch Mitarbeiter des Internationalen Automobil-Verbandes schlossen in Windeseile Schläuche an und löschten wie die Feuerwehr. Nur schneller. Einige der rund 30 Verletzten gehörten dieser Gruppe an. Sie nahmen ihre Gefährdung in Kauf. Wenn es also mal wirklich brennt im Fahrerlager, kann man sich auf Hilfe verlassen. Die Formel 1 hat den schwierigsten und wichtigsten Crashtest bestanden.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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