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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Bloody Mary für Sir Stirling

„Der mentale Stress wäre für eine Frau schwer zu ertragen“, sagt Rennfahrer-Legende Stirling Moss. Deshalb könnten Frauen keine Formel-1-Rennen gewinnen. Aber vielleicht liegt es auch an der Angst der Macho-Gesellschaft, überholt zu werden?

© AFP Vergrößern Kennt sich aus mit Autos und Frauen: Sir Stirling Moss

So, Frauen können ein Formel-1-Rennen also nicht gewinnen. Das hat Stirling  Moss dieser Tage der  BBC erzählt. Und wenn Sir Moss, die Rennfahrerlegende, etwas sagt, dann ist das für die Motorsportgemeinde in England so gut wie ein Gesetz. Es wird also nichts mit Bernie Ecclestones Lebenstraum von einer Frau als Champion in seinem Welttheater. Red Bull kann die Förderung der jüngst ins Programm aufgenommenen jungen Dame also gleich wieder einstellen.

Denn Sir Stirling, 83 Jahre alt, hat aus der Fülle seiner Lebenserfahrung gleich eine unschlagbare Begründung herausgefiltert. Es liegt nicht an der physischen Kraft, nein, die Psyche sei nicht stark genug, Rad-an-Rad-Duelle zu gewinnen. Sieh an. Moss gesteht Frauen zwar zu, genügend Kondition aufbauen zu können, um den Fliehkräften in den Boliden gewachsen zu sein. Autofahren ist schließlich nicht Gewichtheben. Aber dem Denker Moss ist nun eingefallen, dass Frauen zu schwach im Oberstübchen sein sollen, um all die nötigen Gänge  einzulegen, für die man sich auf dem Weg zum Triumph entscheiden muss: „Der mentale Stress wäre für eine Frau nur schwer zu ertragen.“

Eiserne Lady und Bloody Mary

Das ist interessant. Denn seit Jahrtausenden beweisen Frauen ein bisweilen für ihre Gegner unangenehmes wie endliches Durchsetzungsvermögen. Kleopatra hat sich ganz gerne ihres Mitregenten und Bruders entledigt, um alleine Pharao(nin) spielen zu können. Maria I. Tudor erkämpfte sich recht nervenstark, lieber Sir Stirling, als erste Frau in England die uneingeschränkten Rechten eines Souveräns. Die Katholikin wird wegen ihrer Neigung, Protestanten hinzurichten, auch Bloody Mary, Maria die Blutige, genannt.

Selbst in der sogenannten zivilisierten Welt gibt es genügend Beispiele für Frauen, die ziemlich cool mit Männern umgingen. Die jüngst verstorbene Margaret Thatcher zum Beispiel,  Englands eiserne Lady. Die eine Hälfte der Nation schluchzt nun, die andere  frohlockt. Beide beeindruckt die Härte einer Frau.

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Auch im Sport gibt es, wo es auf Geschick und Köpfchen ankommt,  Siegerinnen im Mixed-Wettbewerb. Meredith Michaels-Beerbaum ist zu einer der besten Springreiterinnen der Welt aufgestiegen. Und Ellen Lohr gewann einst sogar ein Tourenwagen-Rennen gegen die Männer-Elite. Dass sie im direkt folgenden zweiten Lauf des Tages von ihrem Teamkollegen Keke Rosberg ins Kiesbett gerammt wurde, mag Moss als Beleg für seine These werten.

Ellen Lohr © picture-alliance / ASA Vergrößern Erfolgreich im Rennauto: Ellen Lohr

In Wahrheit aber hat die Schwäche der Frauen im Motorsport einen ganz anderen Hintergrund: Es gibt zu wenig Vertrauen, zu wenig Unterstützung, zu wenig Werbung und wohl viel zu viel Angst der Männer-Macho-Gesellschaft, eines Tages überholt zu werden.

Der Tag aber wird kommen. Und dann könnte die erste Grand-Prix-Siegerin der Formel 1 auf die Idee kommen, Stirling Moss’ oder seinen Nachfahren diese Frage zu stellen: Warum hat es trotz allen Talents, trotz all der Förderung eigentlich nie zum WM-Titel gereicht? Nicht stark genug im Kopf?

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Quelle: FAZ.NET

 
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