Eigentlich sind sie ganz einfach, die Gesetze der Formel 1. Zum Beispiel: Ein Rennen endet nach anderthalb bis zwei Stunden, anschließend wird Champagner, wahlweise ein ähnlich klebriger Ersatzstoff in die Runde gesprüht, wobei zwei der drei Beteiligten mit mäßiger Begeisterung bei der Sache sind, denn sie haben das Rennen ja nicht gewonnen. Anschließend beginnt die Fehleranalyse. Außer beim Sieger. Eigentlich.
Anderes Beispiel: Der Weltmeister ist der Boss. Sein Wunsch ist Befehl. Das Team macht ihn glücklich, weil er das Team glücklich macht. So ist das mit der Balance: Je erfolgreicher, desto einfacher. Eigentlich.
In diesem Jahr aber ist manches ein bisschen anders. Da ist Fernando Alonso, der Sieger von Sepang, der Führende der Fahrer-WM, unterwegs in einem „nicht konkurrenzfähigen“ Auto. Das sind Alonsos Worte - nach dem Rennen in Sepang. Und tatsächlich: Der Ferrari ist in diesem Jahr mitnichten ein springendes, sondern offenkundig ein lahmes Pferd. Nicht nur Red Bull und McLaren, sondern auch Sauber, Williams und Lotus sind an den Italienern vorbei gesprungen. Für Teamchef Domenicali hat sich am „gewaltigem Druck“ durch den Sieg von Sepang nichts geändert. Und das hat Folgen für die Angestellten.
Denn Alonso hat Felipe Massa erfolgreich den Urlaub gestrichen. Eigentlich wollte die punktlose Nummer zwei zum Familienbesuch nach Brasilien düsen. Stattdessen muss er nun in Maranello antanzen, zur Fehleranalyse. Um zu retten, was vielleicht nicht mehr zu retten ist – den eigenen Arbeitsplatz. Findet der Grand Prix in Bahrein tatsächlich statt, hat er noch zwei Chancen, sein Cockpit vor der Übernahme durch Sergio Perez zu retten. Sonst bleibt Massa nur der Fluchtpunkt Schanghai, um aus der Nullnummer herauszukommen.
Ähnlich verhagelt ist die Stimmung im Moment in Milton Keynes bei Red Bull. Zwar ist der eigene Renner RB8 ein wenig besser in Form als der Ferrari, dafür sind die wesentlichen Mitarbeiter aus der Fassung geraten. Ein Gespräch soll klären, was gegen Rennende in Malaysia los war. Dabei sind die Fakten denkbar einfach: Sebastian Vettel sollte seinen Wagen wegen eines angeblichen Defekts vorzeitig in der Garage parken, damit seine Mechaniker wesentliche Ersatzteile wie das Getriebe ohne Strafandrohung vor dem nächsten Rennen tauschen dürfen.
Vettel aber fuhr weiter und sagte anschließend, für ihn gehöre es sich, ein Rennen zu Ende zu fahren. Tatsächlich hätte der Weltmeister noch einen Punkt abgestaubt, wäre ein Konkurrent auf den letzten Metern ausgefallen – doch das dürfte das Team auf dem Schirm gehabt haben. Tatsächlich hat Vettel nicht weniger als einen Befehl verweigert, auch wenn Red Bull hinterher versuchte, den Streitfall zu vertuschen und den angeblich defekten Boxenfunk als Grund für Vettels Weiterfahrt anführte. Doch da hatte der Weltmeister längst in die Fernsehmikrofone gesprochen.
Und so müssen Vettel und seine Mannschaft eine Antwort auf die Frage finden, wer eigentlich das Sagen hat. Der Weltmeister? Oder das Team, das ihn zum Weltmeister gemacht hat? Die Balance stimmt nicht, hatte Vettel in Malaysia vor dem Rennen geklagt – und von seinem Auto gesprochen. Inzwischen hat das Wort doppelte Bedeutung. Nicht gesagt, dass Red Bull sie so schnell wiederfindet.
Warum nicht auch Vettel??
Werner Mayer (meyerbeer)
- 31.03.2012, 09:13 Uhr
..aber was bitte interessiert uns noch Vettel?
Thomas Sievers (Fachwerk24)
- 28.03.2012, 21:41 Uhr