http://www.faz.net/-gu4-7735r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.02.2013, 17:19 Uhr

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Abrüstung auf Knopfdruck

Lewis Hamilton hat eine Reduzierung der Knöpfe und Drehschalter auf seinem Lenkrad durchgesetzt. Weniger Ablenkung, mehr Überblick im Rennverkehr. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

von
© dpa Knöpfe, Schieber, Schalter: Bordcomputer als Lenkrad verkleidet

Mit den Formel-1-Lenkrädern ist so gekommen wie mit den Fernbedienungen für die Glotze. Anfangs kam jeder klar. An, aus, laut, leise, hinauf- und herunterschalten, kinderleicht, eine Wohltat der Moderne. Heute schaut man auf einen Wust voller Knöpfe, auf bunte, runde, eckige mit kryptischen Symbolen. Und ehe man sich versieht - so kurz vor dem Spannungshöhepunkt -, wird  mit einem unkontrollierten Fingertipp alles schwarz! Nichts geht mehr. Da kann man drücken, wie man will: Der Mensch als Opfer des Knopfwahns.

Hamiltons offensive Knopfattacke

Anno Hecker Folgen:

Lewis Hamilton könnte also als Reformer in die Formel-1-Geschichte eingehen. Der neue Mercedes-Mann hat eine Reduzierung der Knöpfe und Drehschalter auf seinem Lenkrad durchgesetzt. Wenn das kein symbolisches Zeichen ist für die Auflösung der grundsätzlichen Malaise im Möchtegern-Silberpfeil. In den vergangenen Jahren sah es doch so aus, als sei jedes entdeckte Problem von den Formel-1-Strategen im Mercedes-Tross mit einer Knopfdrucklösung bekämpft worden, samt schönem Gruß an die Piloten: Wenn ihr nur virtuos genug an eurem Lenkrad herumdrückt und -schraubt, dann wird’s schon was mit der Bestzeit. Zwei sprangen dabei heraus und ein Sieg. Sonst ist auf Knopfdruck manchmal nichts passiert. Was mitunter allerdings recht unangenehm war. Wenn nämlich das flach gestellte Heckflügelelement bei Tempo 300 stur in Position blieb und den Bremsweg bis über die Kurve hinaus verlängerte.

Mehr zum Thema

Hamiltons offensive Knopf-Attacke kommt seinen Kollegen vielleicht mehr entgegen, also sie zugeben möchten. Fehlschaltungen sind nämlich gar nicht so selten. Vor Jahren nahmen selbst die Stars der Szene so ein Steuerelement über Weihnachten mit nach Hause. Zumindest packte Sauber einem Piloten mal das Lenkrad ins Urlaubsgepäck. Damit der Experte auf der Couch im Dezember lerne, wie er im März beim Saisonstart die komplexe Startprozedur mit einer Knopfdruck-Kombinationsserie im Traum beherrsche. Ob das Hirntraining genutzt hat? Zu ihren Albträumen in dieser Zeit schweigen die Schweizer bis heute vornehm.  

Der schwatzhafte Eddie Jordan schimpfte dagegen wie ein Rohrspatz, nachdem er sich durch einen läppischen Bedienungsfehler um die Arbeit seines Teams gebracht sah. Denn kurz vor dem Höhepunkt eines Eifelkrimis mit Heinz-Harald Frentzen in der Haupt- und Führungsrolle am Nürburgring blieb der Jordan stehen. Weil der teuflisch schnelle Deutsche nach dem Boxenstopp irgend so ein verflixtes Knöpflein nicht gedrückt hatte.

Bild Lewis Hamilton © AP Vergrößern Formel-1-Revolutionär: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton

Das wäre alles nicht passiert, wenn schon damals Männer wie Hamilton für die Abrüstung eingeschritten wären. Allerdings gibt es auch Kollegen, die dem Briten ganz entspannt zusehen. Als glaubten sie, Hamilton versuche nur, eine möglichst simple Struktur für sich allein zu finden. Wer das sein soll? Nico Rosberg, der Teamkollege, hält an seinen vielen Knöpfen fest. Er ist sicher, damit bestens im Bild zu bleiben.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel-1-Kolumne Crashtest Der Schumacher-Effekt ist längst verpufft

Die Formel 1 kehrt nach Deutschland zurück. Eine große Nummer ist der Grand Prix aber schon länger nicht mehr – zumindest für die Deutschen. Aus zwei Nachbarländern reisen indes Fanmassen an. Mehr Von Michael Wittershagen, Hockenheim

28.07.2016, 12:02 Uhr | Sport
Fackellauf Olympisches Feuer kurz vor Rio

Das Olympische Feuer erreichte in dieser Woche den brasilianischen Küstenstaat Rio de Janeiro, begleitet auch von Protesten. Mehr

30.07.2016, 14:02 Uhr | Sport
Formel 1 in Hockenheim Konzentration aufs interne Duell

Der Brite Lewis Hamilton ist Titelverteidiger und führt die Formel-1-WM wieder an. Dennoch fühlt er sich als Jäger. Merceds-Teamgefährte Nico Rosberg zeigt seinem Rivalen inzwischen die Stirn und weicht dem Duell nicht mehr aus. Mehr Von Michael Wittershagen, Hockenheim

30.07.2016, 12:29 Uhr | Sport
Tanzen in der Luft Fallschirm-Athleten im Wettkampf

Hoch oben am Himmel über der Region um die russische Hauptstadt Moskau waren die 40. Militär-Weltmeisterschaften im Fallschirmspringen. Die nächste Ausgabe soll im kommenden Jahr in Deutschland stattfinden. Mehr

30.07.2016, 10:32 Uhr | Sport
Formel 1 in Hockenheim Rosberg holt die Pole Position

30 Jahre nach seinem Vater Keke ist auch Nico Rosberg Schnellster im Qualifying von Hockenheim: Der Gesamt-Zweite der WM startet am Sonntag abermals direkt vor seinem Teamkollegen in den Grand Prix von Deutschland. Mehr Von Michael Wittershagen, Hockenheim

30.07.2016, 15:18 Uhr | Sport

Gold für Klempner, Lob für Stümper

Von Evi Simeoni

Hämmern und Bohren sollte olympische Disziplin werden - dann dürfen auch die mit Hammer und Sicherl in der Flagge ruhig teilnehmen. Mehr 0