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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Abrüstung auf Knopfdruck

 ·  Lewis Hamilton hat eine Reduzierung der Knöpfe und Drehschalter auf seinem Lenkrad durchgesetzt. Weniger Ablenkung, mehr Überblick im Rennverkehr. Crashtest - die Formel-1-Kolumne.

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© dpa Vergrößern Knöpfe, Schieber, Schalter: Bordcomputer als Lenkrad verkleidet

Mit den Formel-1-Lenkrädern ist so gekommen wie mit den Fernbedienungen für die Glotze. Anfangs kam jeder klar. An, aus, laut, leise, hinauf- und herunterschalten, kinderleicht, eine Wohltat der Moderne. Heute schaut man auf einen Wust voller Knöpfe, auf bunte, runde, eckige mit kryptischen Symbolen. Und ehe man sich versieht - so kurz vor dem Spannungshöhepunkt -, wird  mit einem unkontrollierten Fingertipp alles schwarz! Nichts geht mehr. Da kann man drücken, wie man will: Der Mensch als Opfer des Knopfwahns.

Hamiltons offensive Knopfattacke

Lewis Hamilton könnte also als Reformer in die Formel-1-Geschichte eingehen. Der neue Mercedes-Mann hat eine Reduzierung der Knöpfe und Drehschalter auf seinem Lenkrad durchgesetzt. Wenn das kein symbolisches Zeichen ist für die Auflösung der grundsätzlichen Malaise im Möchtegern-Silberpfeil. In den vergangenen Jahren sah es doch so aus, als sei jedes entdeckte Problem von den Formel-1-Strategen im Mercedes-Tross mit einer Knopfdrucklösung bekämpft worden, samt schönem Gruß an die Piloten: Wenn ihr nur virtuos genug an eurem Lenkrad herumdrückt und -schraubt, dann wird’s schon was mit der Bestzeit. Zwei sprangen dabei heraus und ein Sieg. Sonst ist auf Knopfdruck manchmal nichts passiert. Was mitunter allerdings recht unangenehm war. Wenn nämlich das flach gestellte Heckflügelelement bei Tempo 300 stur in Position blieb und den Bremsweg bis über die Kurve hinaus verlängerte.

Hamiltons offensive Knopf-Attacke kommt seinen Kollegen vielleicht mehr entgegen, also sie zugeben möchten. Fehlschaltungen sind nämlich gar nicht so selten. Vor Jahren nahmen selbst die Stars der Szene so ein Steuerelement über Weihnachten mit nach Hause. Zumindest packte Sauber einem Piloten mal das Lenkrad ins Urlaubsgepäck. Damit der Experte auf der Couch im Dezember lerne, wie er im März beim Saisonstart die komplexe Startprozedur mit einer Knopfdruck-Kombinationsserie im Traum beherrsche. Ob das Hirntraining genutzt hat? Zu ihren Albträumen in dieser Zeit schweigen die Schweizer bis heute vornehm.  

Der schwatzhafte Eddie Jordan schimpfte dagegen wie ein Rohrspatz, nachdem er sich durch einen läppischen Bedienungsfehler um die Arbeit seines Teams gebracht sah. Denn kurz vor dem Höhepunkt eines Eifelkrimis mit Heinz-Harald Frentzen in der Haupt- und Führungsrolle am Nürburgring blieb der Jordan stehen. Weil der teuflisch schnelle Deutsche nach dem Boxenstopp irgend so ein verflixtes Knöpflein nicht gedrückt hatte.

Das wäre alles nicht passiert, wenn schon damals Männer wie Hamilton für die Abrüstung eingeschritten wären. Allerdings gibt es auch Kollegen, die dem Briten ganz entspannt zusehen. Als glaubten sie, Hamilton versuche nur, eine möglichst simple Struktur für sich allein zu finden. Wer das sein soll? Nico Rosberg, der Teamkollege, hält an seinen vielen Knöpfen fest. Er ist sicher, damit bestens im Bild zu bleiben.

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