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Crashtest Der Rubel überrollt das Herz

Die Raserei ist längst zu einem Mosaikstein der Globalisierung geworden. Auch wenn Rennfahrerherzen noch so sehr für Strecken mit Tradition schlagen: Ecclestone lässt seinen Zirkus dort auftreten, wo bezahlt wird.

© AFP Vorhang auf, der Meister der Raserei kommt

Welch ein Traum! Flüge um die halbe Welt, Nächte in den besten Hotels am Platze, dazu jede Menge Sonne – und bezahlt wird der Trip auch noch. Italien, Singapur, Japan, Südkorea, Indien, Abu Dhabi, Vereinigte Staaten und Brasilien, – die Schauplätze, an denen die Formel 1 bis Ende November Station macht, sind rund um den Globus verteilt. Unterschiedliche Zeitzonen, wechselnde Temperaturen und Luftfeuchtigkeit – die Ansprüche an Mensch und Maschine sind enorm.

Michael Wittershagen Folgen:

Seit Monaten treibt die Fahrer deshalb vor allem eine Frage an: Was macht der ganze Stress aus einem? Am Ende vielleicht einen Weltmeister. Und jetzt sind wir beim eigentlichen Thema. Es ist eine Weltmeisterschaft und eben keine: Europameisterschaft.

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Ein kleiner Mann aus England wird nicht müde, genau das zu betonen; Bernie Ecclestone, beinahe 82 Jahre alt, Chefvermarkter der Serie und deshalb Milliardär. In diesem Alter reist man nicht mehr so oft, und man reist vor allem nicht mehr so weit. Sollen doch die anderen bis zur Besinnungslosigkeit um den Globus kreisen! Und den ganzen Zaster überblickt man sowieso am Besten vom eigenen Schreibtisch aus.

Ecclestone lässt seinen Zirkus dort auftreten, wo der Rubel rollt. Und so entfernt sich die Formel 1 mehr und mehr aus ihrer Heimat: Europa. Auch die Raserei ist längst zu einem Mosaikstein der Globalisierung geworden. Da mag das Rennfahrerherz noch so sehr in Monza, Silverstone, Spa-Francorchamps oder am Nürburgring schlagen. Dort kämpften die Veranstalter seit Jahren mit den hohen Gebühren, in Übersee aber sind die Verantwortlichen oftmals noch immer bereit, das Doppelte und mehr zu bezahlen – und dabei setzen sie auch noch ein Lächeln auf und bedanken sich artig beim PS-Zampano.

Formula One commercial supremo Ecclestone looks on at the start of the qualifying session of the Belgian F1 Grand Prix in Spa Francorchamps © REUTERS Vergrößern Ecclestone macht eben Weltmeister, keine Europameister

Gut gemacht, Bernie! Das will man ihm zurufen, dem ehemaligen Autoverkäufer, der aus dem Handel mit einer Marke eine Lebensaufgabe gemacht hat. Gern würden wir bei den Verhandlungen einmal durch das Schlüsselloch schauen und mit zumindest einem Ohr lauschen. Wie zum Beispiel ist das möglich, dem Südkoreaner weiszumachen, die Formel 1 sei genau das, was er brauche, um eine brachliegende Region im Süden des Landes aufzuwerten? Und warum glaubt der Inder beharrlich daran, Motorsport könnte das Milliardenvolk interessieren, wo es überhaupt keinen Bezug dazu hat, dass Männer im Kreis um die Wette fahren?

Kein Reserverad und kein Kofferraum

Bei der Premiere im vergangenen Jahr klärte eine Zeitung in Neu Dehli ihre Leser darüber auf, dass so ein Bolide überhaupt keinen Kofferraum hat und auch kein Reserverad benötigt, weil in der Boxengasse immer fleißige Helfer parat stehen und wenn nötig, bei der Montage helfen. Es gibt dort keine Anzeichen für die Entwicklung einer Motorsportkultur und auch keine qualifizierten Fahrer. Aber das Interesse an der großen Show haben die Neureichen dieser Nationen trotzdem.

Das ist die eine Realität. Und die anderen ist, dass Wurzeln in Europa langsam austrocknen, dass die Quellen versiegen. An diesem Sonntag, nach dem Großen Preis von Italien, heißt es also Abschied nehmen – zumindest bis zum kommenden Jahr. Auf ein Wiedersehen. Und guten Flug!

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen in ihrer Kolumne dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET

 
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