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Carlos Sainz im Gespräch „Der Staub ist ein fürchterlicher Feind“

 ·  Carlos Sainz geht am Samstag in Buenos Aires als Titelverteidiger an den Start der Rallye Dakar. Zuvor spricht er im F.A.Z.-Interview über Ängste, Dünensprünge, Schwindelanfälle und den gesunden Menschenverstand bei der gefährlichsten Rallye der Welt

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Der Madrilene ist einer der besten Rallye-Fahrer. Anfang 2010 gewann der zweimalige Weltmeister die Dakar-Version in Südamerika. Von diesem Samstag an will der 48 Jahre alte VW-Pilot den Titel erfolgreich verteidigen. Zuvor spricht Carlos Sainz im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Russisches Roulette, Angst und Fehler.

Herr Sainz, spielen Sie gern Russisches Roulette?

Natürlich nicht. Wie kommen Sie darauf?

Die Rallye Dakar, die wieder in Buenos Aires startet und dort nach rund 9600 Kilometern enden soll, gilt als das gefährlichste Rennen der Welt. Sie fahren es so schnell wie kein anderer. Der frühere Rallye-Star Walter Röhrl hat das als „Russisch Roulette“ bezeichnet.

Richtig ist, dass Röhrl die Dakar nie gefahren ist. Falsch ist, sie als „Russisches Roulette“ zu bezeichnen. Natürlich gibt es viele Überraschungen, denn die Strecke wird im Vorfeld geheim gehalten. Du musst dein Risiko also permanent neu einschätzen. Beim Russischen Roulette vermutet man eine Gefahr und brettert trotzdem voll durch.

War es nicht 2009 so, als Sie als Führender in der Gesamtwertung in ein vier Meter tiefes Flussbett gestürzt sind und aufgeben mussten?

Nein, damals fehlte eine Beschilderung. Außerdem war das Roadbook, aus dem mein Beifahrer die Route abliest, zu ungenau. Das eigentliche Problem sind die wirklich schnellen Etappen. Wenn du mit 180 (Kilometern pro Stunde) durch die Geröllwüste rast, ohne zu wissen, ob ein Schlagloch kommt oder ein Felsbrocken. Dabei können schon kleinste Fehler dazu führen, dass du dich überschlägst.

Ist das nicht Ihr Fahrstil? Auf einer Etappe durch die argentinische Pampa fuhren Sie 81 Prozent der Zeit Vollgas.

Ich versuche, mit gesundem Menschenverstand zu fahren. Wo ich keine volle Sicherheit habe, nehme ich den Fuß ein wenig vom Gas, aber wo ich Gas geben kann, gebe ich Vollgas. In diesem Fall habe ich eben zehn Kilometer lang nicht einmal das Pedal gelupft.

Bei der vergangenen Rallye in Südamerika raste ein deutscher Amateurfahrer in die Zuschauermenge. Dabei kam eine Frau ums Leben. Im Schnitt sterben bei jeder Austragung zwei Menschen. Haben Sie keine Angst, im Geschwindigkeitsrausch Unschuldige zu verletzen?

Nein, die Fans machen mir keine Sorge. Angst jagen mir eher die Motorradfahrer ein. Die starten vor uns Autofahrern, und wenn man sie dann auf enger und staubiger Piste einholt, wird es gefährlich. Es gibt zwar ein elektronisches Warnsystem, aber anscheinend hören sie das nicht immer. Und man muss auch sagen: Die Dakar ist schneller geworden, der Rhythmus härter.

Warum tun Sie sich das in Ihrem Alter noch mal an? Sie haben doch bereits alles gewonnen.

Volkswagen hat mich gefragt, ob ich den Titel verteidigen möchte. Meine Frau war wenig begeistert, aber ich hatte Lust. Ich fühlte mich stark. Und ich merkte: Ich brauche die Herausforderung.

Nachdem Sie im September die „Seidenstraßen-Rallye“ gewonnen hatten, wurden Sie am Meniskus operiert. Sind Sie fit genug, um zu gewinnen?

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