Home
http://www.faz.net/-gu4-xtfe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Carlos Sainz im Gespräch „Der Staub ist ein fürchterlicher Feind“

Carlos Sainz geht am Samstag in Buenos Aires als Titelverteidiger an den Start der Rallye Dakar. Zuvor spricht er im F.A.Z.-Interview über Ängste, Dünensprünge, Schwindelanfälle und den gesunden Menschenverstand bei der gefährlichsten Rallye der Welt

© dpa Vergrößern „Ich versuche, mit gesundem Menschenverstand zu fahren”: Carlos Sainz

Der Madrilene ist einer der besten Rallye-Fahrer. Anfang 2010 gewann der zweimalige Weltmeister die Dakar-Version in Südamerika. Von diesem Samstag an will der 48 Jahre alte VW-Pilot den Titel erfolgreich verteidigen. Zuvor spricht Carlos Sainz im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Russisches Roulette, Angst und Fehler.

Herr Sainz, spielen Sie gern Russisches Roulette?

Mehr zum Thema

Natürlich nicht. Wie kommen Sie darauf?

Interessierter Zuhörer: der russische Regierungschef Wladimir Putin (l.) © (c) AP Vergrößern Interessierter Zuhörer: der russische Regierungschef Wladimir Putin (l.)

Die Rallye Dakar, die wieder in Buenos Aires startet und dort nach rund 9600 Kilometern enden soll, gilt als das gefährlichste Rennen der Welt. Sie fahren es so schnell wie kein anderer. Der frühere Rallye-Star Walter Röhrl hat das als „Russisch Roulette“ bezeichnet.

Richtig ist, dass Röhrl die Dakar nie gefahren ist. Falsch ist, sie als „Russisches Roulette“ zu bezeichnen. Natürlich gibt es viele Überraschungen, denn die Strecke wird im Vorfeld geheim gehalten. Du musst dein Risiko also permanent neu einschätzen. Beim Russischen Roulette vermutet man eine Gefahr und brettert trotzdem voll durch.

War es nicht 2009 so, als Sie als Führender in der Gesamtwertung in ein vier Meter tiefes Flussbett gestürzt sind und aufgeben mussten?

Nein, damals fehlte eine Beschilderung. Außerdem war das Roadbook, aus dem mein Beifahrer die Route abliest, zu ungenau. Das eigentliche Problem sind die wirklich schnellen Etappen. Wenn du mit 180 (Kilometern pro Stunde) durch die Geröllwüste rast, ohne zu wissen, ob ein Schlagloch kommt oder ein Felsbrocken. Dabei können schon kleinste Fehler dazu führen, dass du dich überschlägst.

Ist das nicht Ihr Fahrstil? Auf einer Etappe durch die argentinische Pampa fuhren Sie 81 Prozent der Zeit Vollgas.

Ich versuche, mit gesundem Menschenverstand zu fahren. Wo ich keine volle Sicherheit habe, nehme ich den Fuß ein wenig vom Gas, aber wo ich Gas geben kann, gebe ich Vollgas. In diesem Fall habe ich eben zehn Kilometer lang nicht einmal das Pedal gelupft.

Bei der vergangenen Rallye in Südamerika raste ein deutscher Amateurfahrer in die Zuschauermenge. Dabei kam eine Frau ums Leben. Im Schnitt sterben bei jeder Austragung zwei Menschen. Haben Sie keine Angst, im Geschwindigkeitsrausch Unschuldige zu verletzen?

Nein, die Fans machen mir keine Sorge. Angst jagen mir eher die Motorradfahrer ein. Die starten vor uns Autofahrern, und wenn man sie dann auf enger und staubiger Piste einholt, wird es gefährlich. Es gibt zwar ein elektronisches Warnsystem, aber anscheinend hören sie das nicht immer. Und man muss auch sagen: Die Dakar ist schneller geworden, der Rhythmus härter.

Warum tun Sie sich das in Ihrem Alter noch mal an? Sie haben doch bereits alles gewonnen.

Volkswagen hat mich gefragt, ob ich den Titel verteidigen möchte. Meine Frau war wenig begeistert, aber ich hatte Lust. Ich fühlte mich stark. Und ich merkte: Ich brauche die Herausforderung.

Nachdem Sie im September die „Seidenstraßen-Rallye“ gewonnen hatten, wurden Sie am Meniskus operiert. Sind Sie fit genug, um zu gewinnen?

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Russischer Doping-Skandal Wo bleibt der Schmerzensschrei?

Das IOC wollte über Thomas Bachs Agenda 2020 reden. Da platzte der russische Doping-Skandal in die Reformsession. Die Machenschaften in Putins Imperium stören gewaltig. Der IOC-Präsident ist dennoch bestens gelaunt. Mehr Von Evi Simeoni, Monte Carlo

06.12.2014, 07:51 Uhr | Sport
Buenos Aires Poledance Meisterschaft in Südamerika

Athleten haben auf den Straßen von Buenos Aires ihren Sport gezeigt. Dabei turnten sie wortwörtlich in der Stadt herum. Mehr

22.11.2014, 14:13 Uhr | Gesellschaft
Doping-Enthüllungen Das gibt es nicht nur in Russland

Ein ARD-Film hat das systematische Doping russischer Sportler aufgedeckt. Im F.A.Z.-Interview spricht Sportsoziologe Helmut Digel über die Enthüllungen in der Leichtathletik – und erschreckende Parallelen in anderen Nationen. Mehr

05.12.2014, 07:23 Uhr | Sport
Diego Maradona rastet aus

Die argentinische Fußball-Legende war in Buenos Aires mit seinem Sohn unterwegs, als er sich von einem Journalisten belästigt fühlte und zuschlug. Mehr

11.08.2014, 15:33 Uhr | Sport
Leichathletik Sogenannte Rücktritte und Datendiebe

Der Welt-Leichtathletikverband gerät im Doping-und-Korruptions-Sumpf weiter in die Defensive. Nun ist der Chef der Anti-Doping-Abteilung zurückgetreten. Der designierte Präsident Sebastian Coe schweigt derweil. Mehr Von Michael Reinsch

11.12.2014, 17:25 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2011, 12:00 Uhr

Aus dem Verkehr ziehen

Von Michael Horeni

Marco Reus war mit Vorsatz ohne Führerschein unterwegs, seit Jahren. Das ist keine Dummheit, sondern ein kriminelles Vergehen. Der BVB muss über Sanktionen nachdenken, noch mehr aber der DFB. Mehr 82 47