http://www.faz.net/-gtl-xtfe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2011, 12:00 Uhr

Carlos Sainz im Gespräch „Der Staub ist ein fürchterlicher Feind“

Carlos Sainz geht am Samstag in Buenos Aires als Titelverteidiger an den Start der Rallye Dakar. Zuvor spricht er im F.A.Z.-Interview über Ängste, Dünensprünge, Schwindelanfälle und den gesunden Menschenverstand bei der gefährlichsten Rallye der Welt

© dpa „Ich versuche, mit gesundem Menschenverstand zu fahren”: Carlos Sainz

Der Madrilene ist einer der besten Rallye-Fahrer. Anfang 2010 gewann der zweimalige Weltmeister die Dakar-Version in Südamerika. Von diesem Samstag an will der 48 Jahre alte VW-Pilot den Titel erfolgreich verteidigen. Zuvor spricht Carlos Sainz im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Russisches Roulette, Angst und Fehler.

Herr Sainz, spielen Sie gern Russisches Roulette?

Mehr zum Thema

Natürlich nicht. Wie kommen Sie darauf?

Interessierter Zuhörer: der russische Regierungschef Wladimir Putin (l.) © (c) AP Vergrößern Interessierter Zuhörer: der russische Regierungschef Wladimir Putin (l.)

Die Rallye Dakar, die wieder in Buenos Aires startet und dort nach rund 9600 Kilometern enden soll, gilt als das gefährlichste Rennen der Welt. Sie fahren es so schnell wie kein anderer. Der frühere Rallye-Star Walter Röhrl hat das als „Russisch Roulette“ bezeichnet.

Richtig ist, dass Röhrl die Dakar nie gefahren ist. Falsch ist, sie als „Russisches Roulette“ zu bezeichnen. Natürlich gibt es viele Überraschungen, denn die Strecke wird im Vorfeld geheim gehalten. Du musst dein Risiko also permanent neu einschätzen. Beim Russischen Roulette vermutet man eine Gefahr und brettert trotzdem voll durch.

War es nicht 2009 so, als Sie als Führender in der Gesamtwertung in ein vier Meter tiefes Flussbett gestürzt sind und aufgeben mussten?

Nein, damals fehlte eine Beschilderung. Außerdem war das Roadbook, aus dem mein Beifahrer die Route abliest, zu ungenau. Das eigentliche Problem sind die wirklich schnellen Etappen. Wenn du mit 180 (Kilometern pro Stunde) durch die Geröllwüste rast, ohne zu wissen, ob ein Schlagloch kommt oder ein Felsbrocken. Dabei können schon kleinste Fehler dazu führen, dass du dich überschlägst.

Ist das nicht Ihr Fahrstil? Auf einer Etappe durch die argentinische Pampa fuhren Sie 81 Prozent der Zeit Vollgas.

Ich versuche, mit gesundem Menschenverstand zu fahren. Wo ich keine volle Sicherheit habe, nehme ich den Fuß ein wenig vom Gas, aber wo ich Gas geben kann, gebe ich Vollgas. In diesem Fall habe ich eben zehn Kilometer lang nicht einmal das Pedal gelupft.

Bei der vergangenen Rallye in Südamerika raste ein deutscher Amateurfahrer in die Zuschauermenge. Dabei kam eine Frau ums Leben. Im Schnitt sterben bei jeder Austragung zwei Menschen. Haben Sie keine Angst, im Geschwindigkeitsrausch Unschuldige zu verletzen?

Nein, die Fans machen mir keine Sorge. Angst jagen mir eher die Motorradfahrer ein. Die starten vor uns Autofahrern, und wenn man sie dann auf enger und staubiger Piste einholt, wird es gefährlich. Es gibt zwar ein elektronisches Warnsystem, aber anscheinend hören sie das nicht immer. Und man muss auch sagen: Die Dakar ist schneller geworden, der Rhythmus härter.

Warum tun Sie sich das in Ihrem Alter noch mal an? Sie haben doch bereits alles gewonnen.

Volkswagen hat mich gefragt, ob ich den Titel verteidigen möchte. Meine Frau war wenig begeistert, aber ich hatte Lust. Ich fühlte mich stark. Und ich merkte: Ich brauche die Herausforderung.

Nachdem Sie im September die „Seidenstraßen-Rallye“ gewonnen hatten, wurden Sie am Meniskus operiert. Sind Sie fit genug, um zu gewinnen?

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tourismus Heute Mallorca, morgen Antarktis?

Jetzt könnte der letzte weiße Fleck auf der touristischen Landkarte erschlossen werden: Ab dem Jahr 2018 sollen Linienflüge von Argentinien aus in die Antarktis starten. Vorgesehen sind ein oder zwei wöchentliche Flüge von Ushuaia auf Feuerland. Mehr

27.07.2016, 12:27 Uhr | Wirtschaft
IOC-Präsident Harting kritisiert Bach als Teil des Doping-Systems

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat den IOC-Präsidenten Thomas Bach deutlich kritisiert: Für mich ist er eigentlich Teil des Dopingsystems, nicht des Anti-Dopingsystems. Der IOC-Präsident erwidert dem Diskus-Olympiasieger, dass dies eine nicht akzeptable Entgleisung sei. Mehr

27.07.2016, 14:09 Uhr | Sport
Kampf gegen IS in Libyen Dämonen des Terrors

Während der Terror des Islamischen Staats offenbar Deutschland erreicht hat, geht der Kampf gegen die Terrormiliz in Libyen weiter. Ein Frontbesuch in Sirte, wo Milizen aus Misrata gegen Dschihadisten kämpfen. Mehr Von Christoph Ehrhardt, Misrata/Sirte

27.07.2016, 08:06 Uhr | Politik
Glacier Pullman Express Der langsamste Schnellzug der Welt

Der Glacier Pullman Express schlängelt sich gemächlich durch die Alpen von St. Moritz bis nach Zermatt. Bei einer Fahrt mit dem Schweizer Zug geht es nicht ums Ziel, sondern um Nostalgie und den atemberaubend schönen Weg. Mehr

26.07.2016, 11:13 Uhr | Reise
Neue Zahlen Volkswagen ist wieder der größte Autokonzern der Welt

Der Abgasskandal verdirbt Kunden die Laune auf Volkswagen, der Marktanteil sinkt. In absoluten Zahlen hat der Wolfsburger Konzern aber einen großen Rivalen überholt. Mehr Von Carsten Germis, Hamburg

28.07.2016, 13:00 Uhr | Wirtschaft

Alles so, wie es sein soll?

Von Michael Reinsch

Fast könnte Thomas Bach einem leidtun: Die Kritik am IOC-Präsidenten wird in den nächsten Tagen wohl nicht abklingen. Denn mit seinen jüngsten Äußerungen in Richtung Harting und Stepanowa provoziert er weiteren Widerspruch. Ein Kommentar. Mehr 12 27