Die Empörung war groß: Schande über Ferrari und die Formel 1. Alle schlugen sie auf Ferrari ein. Es traf ja auch, formal betrachtet, die Richtigen. Die Italiener hatten in Hockenheim gegen die Regel verstoßen, als Felipe Massa Fernando Alonso vorbeilassen musste. Eine Teamorder ist verboten. Dafür sind sie zurecht bestraft worden. Aber Hand aufs Herz, ihr Gutmenschen: Welches Rittertum beseelte die Helden der dreißiger und fünfziger Jahre?
Peter Collins musste einst seinen Ferrari während des Rennens abgeben, damit Juan Manuel Fangio gewinnen konnte. Eddie Jordans Gedächtnis reichte am vergangenen Sonntag offensichtlich nicht weit zurück, als er Ferrari kritisierte. Sonst hätte er sich an das Rennen in Spa 1998 erinnert. Damals hätte Ralf Schumacher seinen führenden Teamkollegen leicht überholen können – wenn Teamchef Jordan es erlaubt hätte.
Der Ire, Niki Lauda und andere bekannte Gesichter sagten aus opportunistischen oder politischen Gründen, was die empörte Öffentlichkeit von ihnen erwartete. Dabei wissen sie viel besser als ihre Zuhörer und Zuschauer, wie üblich Teamorder ist. Und wie kompliziert das Verhältnis zwischen den Teams und ihren Fahrern.
Welchen Anteil hat Alonso am Aufschwung Ferraris?
Niemand bezweifelt, dass diese Heroen einen ausgeprägten Hang zur Egozentrik brauchen, um Erfolg zu haben; Massa kennt diesen Zweikampf hinter den Kulissen. 2008 musste ihm Kimi Räikkönen beim Kampf um den Titel weichen.
Kein ernsthafter Rennstall bevorzugt einen Piloten, den er für schwächer hält als den Teamkollegen. Dass sich Teamchefs und die gesamte Ingenieursmannschaft also ein Bild machen und dann zugunsten des besseren – und im Ranking besser plazierten – Piloten Entscheidungen treffen, ist mit Blick auf die Ziele innerhalb einer WM-Saison nicht nur logisch.
Es stellt sich auch die Frage, ob es wirklich unmoralisch ist. Kenner von Ferrari behaupten, Fernando Alonso habe den weitaus größeren Anteil an dem Aufschwung der Scuderia. Er zieht die Mannschaft mit, motiviert sie, weiter an der Grenze der Belastbarkeit zu arbeiten. Wer unter den Ferrari-Kritikern die Formel 1 als Mannschaftsleistung akzeptiert – was könnte sie anderes sein? –, der müsste jetzt innehalten.
Argumentation richtig, ABER...
Andy Seydel (Querdenker90)
- 31.07.2010, 19:43 Uhr