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Abschied von Haug Das Ende der Sternfahrt

22 Jahre lang hat Norbert Haug so gesprochen, als sei er untrennbares Detail des Unternehmens. Mal aufbrausend abschätzig, mal engagiert analysierend, immer leidenschaftlich. Geht so einer ganz freiwillig? Kaum.

© REUTERS Vergrößern Der Mann und seine Marke: Haug lebte Mercedes

Und was sagt der Sportchef zu Mercedes? Bald gar nichts mehr. Offiziell wird Norbert Haug zum 1. Januar nicht mehr zum Wohl und Wehe seiner Marke Stellung nehmen. Das war eigentlich unvorstellbar: Haug ohne Mercedes? Wer verkauft nun nur Minuten nach einer heftigen Niederlage dem Publikum eine große Zukunft, wen regt schon die Frage nach einem Fehlstart so herrlich auf, wer rechnet aus Teilzeiten einer verkorksten Runde das Potential für eine erstklassige Tour zusammen?

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22 Jahre hat der Pforzheimer für sein Haus gesprochen, als sei er nicht Angestellter, sondern untrennbares Detail des Unternehmens. Mal aufbrausend abschätzig, mal engagiert analysierend, immer leidenschaftlich. Mit dem Hobby-Rennfahrer ging es rund, wenn Mercedes zur Diskussion stand. Haug ist zwar kein Tattoo-Freak. Aber wenn er sich für ein ewiges Zeichen auf seiner Haut hätte entscheiden müssen, dann zweifellos für seine Leitfigur seit zwei Jahrzehnten: den Stern.

Geht so einer ganz freiwillig? Kaum. Haug schilderte zwar immer wieder seine Unabhängigkeit vom Kreisverkehr. Aber der Job ließ ihn nie los, 24 Stunden am Tag, siebenmal die Woche. Dass er nun geht und dabei von einer einvernehmlichen Trennung spricht, passt zu seinem Profil. Haug suchte kaum die Konfrontation mit den Größen. Das ist wohl der Vorwurf, der ihm im eigenen Lager gemacht wird: nicht auf den Tisch gehauen zu haben, als die Teamleitung in England um den Strategen Ross Brawn trotz ständig wiederholter Versprechungen nicht in die Gänge kam. Im Verlauf der Saison 2012 bewegte sich der Rennstall rückwärts, trieb letztlich Michael Schumacher, die Galionsfigur der Szene, zur Flucht in den Ruhestand.

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Ob Haug das hätte verhindern können? Wohl nicht. Denn die englische Motorsportklientel hat auf der Insel noch keinem deutschen Teilhaber oder Besitzer freiwillig Tür und Tor geöffnet, geschweige denn von Fehlern und Missgeschicken berichtet. Der ehemalige Journalist Haug wurde von dem leitenden Ingenieur Brawn, dekoriert mit WM-Siegen, nie richtig eingebunden. Aus der Ferne aber ließ sich weder dazwischenfunken noch ein „Wir“-Gefühl entwickeln. Haug brüllte in Stuttgart, doch in England zitterte niemand.

Die Trennung wird ihn mehr schmerzen, als er zugibt. Denn das über zwei Jahrzehnte mit geschmeidig-diplomatischem Geschick betrieben Projekt wird ein anderer fortführen - Haugs Lebenswerk. Er hat es über den Einstieg von Mercedes als Motorenlieferant bei Sauber 1993 und den Umstieg zu McLaren mit vielen Erfolgen entwickelt. Die Krise wegen der Ausstiege von Honda, BMW und Toyota innerhalb eines Jahres überstand die Formel 1 mit einer spektakulären Gegenbewegung: Erstmals seit 1954 entschied sich Mercedes, wieder mit Motor und Chassis anzutreten. Das Comeback mit dem Rekordweltmeister elektrisierte die Szene. Ohne Haug wären die Silberpfeile im Museum geblieben.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 13.12.2012, 17:20 Uhr

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