Nach dem Erfolg in der Berufungsverhandlung von Paris muß Ralf Schumacher vorerst keinen Bremsbefehl von seinem Rennstall BMW-Williams befürchten.
„Teamorder ist per Reglement verboten, und wir haben gegenwärtig zwei starke Fahrer im Titelrennen“, sagte BMW-Motorsportchef Mario Theissen vor dem Großen Preis von Ungarn am Sonntag. Zuvor hatte Patrick Head, Technischer Direktor von Williams, eine Teamorder für den Fall angekündigt, daß einer der beiden Fahrer des Teams rechnerisch keine Titelchance mehr hat.
Ralf Schumacher würde sich beugen
Vier Rennen vor Schluß hat der Kolumbianer Juan Pablo Montoya 65 Punkte, Ralf Schumacher steht bei 53. Nachdem das Berufungsgericht des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) die geplante Strafversetzung von Schumacher für das Rennen in Budapest um zehn Plätze nach hinten in eine Geldstrafe von 50.000 Dollar umgewandelt hatte, sind die WM-Chancen des Deutschen wieder gestiegen. Wenn sein Rennstall allerdings irgendwann tatsächlich eine Teamorder zugunsten Montoyas ausgeben würde, will er diese befolgen, „auch wenn ich lieber einen Schumacher als Weltmeister sehen würde“.
WM-Spitzenreiter Michael Schumacher (71 Punkte) wird in jedem Fall bei der Konkurrenz genau hinschauen. Erst kürzlich hatte er die angebliche Teamorder von McLaren-Mercedes in Silverstone und die Ungleichbehandlung von Ferrari kritisiert. „Ich bin total überrascht, daß es keine Spekulationen darüber gegeben hat, wie leicht Kimi David überholt hat. Für mich war die Sache klar“, hatte Schumacher erklärt. Der WM-Dritte Kimi Raikkönen (Finnland/62 Punkte) hat noch eine WM-Chance, während David Coulthard (Schottland) bereits abgeschlagen ist. Eine Teamorder zugunsten eines Fahrers ist in dieser Saison erstmals offiziell verboten.
Die Teamorder war als Folge des Rennens 2002 in Österreich verboten worden, als Rubens Barrichello seinen Teamkollegen Michael Schumacher kurz vor der Ziellinie wegen eines Funkbefehls von Ferrari überholen lassen mußte. In dieser Saison gibt es bei Ferrari offiziell keinen Bremsbefehl für Barrichello zugunsten von Schumacher, da der Brasilianer „selbst noch die Chance auf den Weltmeister-Titel hat“ (Ferrari-Teamchef Jean Todt).