Ist das Rennen gelaufen für Michael Schumacher? Als Formel-1-Fahrer hat er bei Mercedes mit der Verpflichtung von Lewis Hamilton keine Zukunft mehr. Aber deshalb muss er nicht unbedingt zum zweiten und dann letzten Mal aussteigen. Denn die Entscheidung für den Briten ist kein Beleg für die Untauglichkeit Schumachers.
Mercedes hatte, mit Blick auf die nächsten Jahre, auf die Positionierung in der Formel 1, keine andere Wahl. Denn mit Hamilton verpflichtet das Team nicht nur einen der zurzeit schnellsten Piloten. Der Brite hat mit 27 Jahren auch eine weitaus größere Perspektive als der 16 Jahre ältere Schumacher. Selbst wenn er sich auch im Silberpfeil Form-Schwankungen erlaubt und nicht auf Anhieb mit einem Mittelklasse-Boliden Weltklassetouren schafft, so ist doch eines ziemlich sicher: Hamiltons Ankunft bei Mercedes wird McLaren, einen Hauptkonkurrenten, vorerst schwächen. Mercedes greift an.
In Stuttgart kann man sich gut vorstellen, dass Schumacher im Hintergrund mitspielt. Als Botschafter. Sein Weltruhm, das hat die Aufmerksamkeit für den Rekordweltmeister in den vergangenen drei Jahren, gezeigt, überstrahlt immer wieder alles und jeden. Selbst nach dem Sieg von Sebastian Vettel in Singapur befassten sich viele Medien mit der Frage, ob Schumachers Crash ein Zeichen für Altersschwäche sei. Schumacher endgültig überholt? Seine Leistungssteigerung in diesem Jahr, die ihn auf Augenhöhe führte mit seinem 16 Jahre jüngeren Teamkollegen Nico Rosberg, belegt das Gegenteil. Für jemanden der nicht mehr mithalten kann, fuhr er ziemlich schnell. In Monaco, auf einer Fahrerstrecke, konnte im stressigen Qualifikationstraining keiner mithalten. Weder Alonso, noch Vettel und auch Hamilton nicht.
Schumacher glaubt weiter an seine Qualität
Es geht also gar nicht um die Frage, ob Schumacher noch mithalten kann. Er ist davon überzeugt, andere auch, nicht nur seine Fans, selbst Teamchefs in der Formel 1. Und deshalb bedeutet der Abschied von Mercedes nicht zwingend das Ende der Karriere. Peter Sauber hat am vergangenen Wochenende in Singapur seinen früheren Sportwagen-Piloten eingeladen. Das war im Spaß gesagt. Und doch würde der Schweizer zweifellos gründlich nachdenken, falls sich Schumacher interessiert zeigte. Das hört man auch von anderen Rennställen.
Und mehr noch. Einen Schumacher, sagen Mitarbeiter des Internationalen Automobil-Verbandes, Fernsehsender, Fachjournalisten, dürfe man nicht ziehen lassen. Er bindet ja nicht nur Aufmerksamkeit, er generiert so Einnahmen – für andere. Und so wird nicht erst seit diesem Freitag im Fahrerlager nachgedacht über neue Kombinationen mit dem einstigen Chefpiloten.
Nur noch um den Großen Preis
Nun sieht es so aus, als warte Schumacher darauf, doch noch einen Platz zu ergattern, als halte er sich krampfhaft fest am Steuer. Aber ist das so? Hätte er denn bei Mercedes zugesagt, wenn Hamilton abgesagt hätte? Schumacher hatte im Frühjahr beste Chancen, schnell eine Vertragsverlängerung zu bekommen. Aber er wartete, weil er wissen wollte, wie sich Mercedes entwickelt, welche Chancen sich für das nächste Jahr eröffnen. Er wollte einen Fortschritt sehen, nicht ein viertes Jahr im Mittelfeld kreisen und die beißende Kritik abfangen, die eigentlich dem Auto oder seinen Konstrukteuren gebührt hätten. Bei dieser Erwartungshaltung wird es bleiben.
Schumachers Abschied ist angesichts seiner Lust, mit den Besten zu kreisen, nicht besiegelt. Aber er wird nach der Erfahrung mit Mercedes auch nicht um jeden Preis fahren wollen, sondern nur um einen: um den Großen Preis.
Erbärmliches Verhalten eines Weltkonzerns
Lars Harmann (kaesesemmel)
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Die Zeit ist...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
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- 28.09.2012, 11:46 Uhr