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Formel-1-Kommentar Mit Vollgas gegen den Trend

16.11.2009 ·  Honda ist ausgestiegen, BMW hat sich zurückgezogen, Toyota meldete sich aus der Formel 1 ab. Mercedes schaltet einen Gang hoch und schickt 2010 ein Werksteam ins Rennen. Auch andere Konzerne sehen offenbar die Chance in der Krise.

Von Anno Hecker
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Honda ist ausgestiegen, BMW hat sich zurückgezogen, Toyota meldete sich aus der Formel 1 ab. Aber Mercedes schaltet einen Gang hoch, setzt im wahrsten Sinne des Wortes aufs Ganze: Im Abschiedstrend der Konzerne fahren die Stuttgarter mit ihrem ersten Werksteam seit 1955 gegen die Hauptverkehrsrichtung. Schon befürchtet der Betriebsrat bei Daimler ein Abenteuer und denkt dabei wohl an einen Frontalcrash. Heilig’s Blechle!

In der Welt des Motorsports aber kommt die Nachricht aus Stuttgart ganz anders an. Nämlich als erste gute Meldung nach den vielen niederschmetternden Ereignissen in den vergangenen zwölf Monaten; als Signal für den Aufbruch in schweren Zeiten. Ob sich aus dem über Monate entwickelten Konzept ein Siegeszug entwickelt, kann niemand wissen. Auch die Formel 1 ist letztlich nicht berechenbar.

Aber die Kalkulation, eine neue Position einzunehmen und zu investieren, wenn die Preise am Tiefpunkt sind, erscheint durchdacht. Lange nicht mehr war ein Einstieg so (vergleichsweise) preiswert. Und selten sind die Aussichten kurzfristig so vielversprechend gewesen. Mercedes GP steht als legitimer Nachfolger des Weltmeisters Brawn zunächst ein hoher zweistelliger Millionenbetrag in Euro aus der Vermarktung zu.

Die Chance in der Krise sehen auch andere Konzerne

Die Präsentation eines potenten Sponsors wird nicht lange auf sich warten lassen. Dazu aber kommt auf lange Sicht eine verlockende Prognose. Mit weiter fallenden Kosten stehen die Besten vielleicht vor einem Novum in der Geschichte der Konzern-Teams. Mercedes Grand Prix könnte sich mit Erfolgen und bei geschickter Vermarktung nach ein paar Jahren in der Formel 1 zum Nulltarif auf einem der begehrtesten Werbeteller präsentieren.

Die Chance in der Krise sehen offenbar auch andere Konzerne. Jedenfalls diskutierten deutsche Vorstände munter über Einstiegsszenarios in gar nicht ferner Zukunft. Wahrscheinlich wird die Entscheidung der Stuttgarter diesen Prozess beschleunigen. Der erste PR-Sieg um die Gunst des Formel-1-Publikums aber ist Mercedes gelungen. Die Schwaben wählten vor einer gefährlichen Kurve eine neue Linie und gaben Gas. Das kommt besser an als eine Vollbremsung.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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