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Formel-1-Kommentar : Machtkampf nach dem Finale

Von Freunden und Rivalen: Nicht mit jedem versteht sich Sebastian Vettel (im Foto rechts) so gut wie mit Michael Schumacher Bild: dpa

Die Rivalen der Rennbahn schießen Giftpfeile in beide Richtungen: Sebastian Vettel und Fernando Alonso pflegen ihre Gegnerschaft nach dem Saisonfinale. Der Zweikampf hat gerade erst begonnen.

          Formel-1-Weltmeister zeichnen sich durch ein unerschütterliches Selbstbewusstsein aus. Andernfalls hätte Fernando Alonso am Sonntag wohl kaum über die offizielle Wertung des Internationalen Automobil-Verbandes hinweg seine eigene Rechnung aufgemacht. Vettel hat ihn zwar nach Siegen und Punkten geschlagen, wenn auch knapp. Aber doch nicht besiegt, wenn man Alonsos Erklärung ernst nimmt. Vettel ist zwar wieder Weltmeister. Er aber, der Ferrari-Star, selbst schon zweimaliger Champion, hält sich für den Besten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vielleicht stimmt diese Einschätzung sogar. Die Suche nach einer Wahrheit in dieser Frage ist in diesem komplexen Sport müßig. Interessanter ist die leicht absehbare Folge der Selbstdarstellung. Alonso gibt sich dem sechs Jahre jüngeren Vettel nicht geschlagen. Er hat in der ausgedehnten Pressekonferenz am Sonntag nicht mal gratuliert, geschweige denn ein Wort der Würdigung im Ferrari-Pressedienst formulieren lassen. Das ist, abgesehen von der Unhöflichkeit, auch ein gutes Zeichen für Vettel. Der junge Deutsche hat offenbar die Kraft, den famosen spanischen Piloten zu einer unangenehmen Enthüllung in eigener Sache zu verleiten. Gute Verlierer verhalten sich anders.

          Meinung und Haltung

          Aber ist Vettel auch ein guter Gewinner? War es nötig, im Augenblick des Triumphes indirekt, aber unmissverständlich Ferrari ein unfaires Verhalten nachzusagen? Er konnte wohl nicht anders, so wie er - ungefragt - ausführlich erzählte, was ihm auf dem Herzen lag. So etwas hört man selten in diesem Kreis der auf Selbstdisziplin und Zurückhaltung getrimmten Piloten. Weil die meisten aus schlechter Erfahrung die Konsequenzen fürchten. Nämlich Retourkutschen bei der nächsten Gelegenheit, die Energie absorbieren, von der eigentlichen, ohnehin kräftezehrenden Aufgabe ablenken.

          Und weil sie von ihren Teams oder Beratern dazu erzogen werden, keine Angriffsflächen zu bieten. So hat sich über die Jahre eine Gruppe von Spitzenpiloten entwickelt, die zwar überall gefragt sind und zu allem gefragt werden, aber kaum Meinungen äußern oder Haltungen vertreten.

          Zweikampf hat gerade erst begonnen

          Vettel mag am Sonntag der aufgestaute Ärger zu seinem Plädoyer für Fairness auf und vor allem neben der Strecke bewogen haben. Nicht ganz zufällig aber hielt er diese Ansprache just im ersten Moment seiner neuen Rolle. Nominell ist der Heppenheimer, nun als einziger aktiver Fahrer mit drei WM-Titeln dekoriert, der neue Chefpilot der Formel 1. Was das für ihn bedeutet? Anerkennung, Respekt und nicht zuletzt sicherlich auch die Aussicht auf Einfluss auf allen Ebenen. Das dient dem Machterhalt.

          Bilderstrecke
          Formel-1-Saison 2012 : Chronologie des Vettel-Erfolgs

          Auch deshalb haben die besten Fahrer immer wieder erbittert um die Position des Platzhirschen gekämpft. Senna gegen Prost, Schumacher gegen Senna und nun Vettel gegen Alonso. Der Angriff Vettels, seine Profilierung ist der Hintergrund für die Spannungen nach dem furiosen Finale einer grandiosen Saison. Alonso weiß, dass drei Punkte Differenz nach zwanzig Rennen nichts sagen über die Qualitätsunterschiede der Fahrer und doch eine große Wirkung haben können. Der faszinierende wie spannende Zweikampf zwischen Vettel und Alonso ist nicht vorbei. Er hat gerade erst begonnen.

          Quelle: F.A.Z.

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