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Formel-1-Kommentar Glocks lukrativer Abstieg

Timo Glock verlässt die Formel 1, ohne sein Potenzial ausgeschöpft zu haben. Das Dienstende bei Marussia hat weniger sportliche, als finanzielle Gründe. Der Gewinner ist die DTM.

© dpa Vergrößern Abschied von der Formel 1: Timo Glock wechselt in die DTM

Nun sind es nur noch drei Deutsche: Nach Michael Schumacher hat nun auch Timo Glock die Formel 1 verlassen. Aber nicht freiwillig. In der Königsklasse des Motorsports krallen sich die Piloten an ihre Cockpits in diesen Zeiten. Keine Rennserie ist berühmter, interessanter und begehrter. Deshalb hat Glock in den vergangenen Jahren erst bei Virgin und nach der Umbenennung bei Marussia als Entwicklungs-Pilot eine heftige Leidenszeit akzeptiert.

Anno Hecker Folgen:  

Ewiges Hinterherfahren in einer Mühle, die trotz aller Beteuerung der Teamführung nie in die Gänge kam, sich mitunter nur mit Mühe auf der Piste halten ließ und vermutlich Glocks Risikobereitschaft erweiterte. Er hat immer gekämpft und nie offiziell geklagt. Schließlich gab es gutes Geld, angeblich fast fünf Millionen Dollar pro Jahr.

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Damit ist es nun vorbei. Der Rennstall, vor zwei Jahren von Russen übernommen, hat aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage, wie das Team beteuert, kein Geld mehr, Glocks Qualität zu bezahlen. Man will einen Bezahlfahrer engagieren, um über die Runden zu kommen. Einen Steuermann, der seinen Sport mit Hilfe von Sponsoren selbst finanziert. Das ist ein weiteres Indiz für die Bedrohung der Formel 1.

Der Rennstall HRT hat es nicht mal bis ins neue Jahr geschafft. Selbst mittelständische Teams suchen händeringend nach Chauffeuren, die eine große Mitgift versprechen. Und nun, kurz vor dem Start der Testfahrten, lässt Marussia den als Fahrer und Typen allseits geschätzten Glock fahren; damit der Rubel wieder rein- und nicht herausrollt. Ist das die Königsklasse des Motorsports?

Gewinner DTM

Mit Glocks Abschied bleibt eine Frage ungeklärt: Hat dieser kernige Racer aus dem Odenwald, der im Jordan zu seinem Formel-1-Debüt kam und im Toyota teils herausragende Rennen fuhr, sein gesamtes Potential zeigen können? Wahrscheinlich nicht. Das ist bedauerlich, aber nicht das größte Unglück. Mit 30 Jahren ist er längst ein gemachter Mann, bei seinem soliden Lebenswandel bis zum Ende seiner Tage wohl frei von finanziellen Sorgen.

Der Gerüstbauer muss also nicht zurück zu den Fassadenkletterern, sondern darf sich weiter um die Wette im Kreis drehen. Wahrscheinlich taucht er schon in den nächsten Tagen bei den Testfahrten der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) in Valencia auf. Glock wird wohl in einem der BMW-Teams eine neue, große Herausforderung finden. Denn bislang ist es keinem ehemaligen Formel-1-Fahrer gelungen, in diesem Wettbewerb vorneweg zu fahren. Trotz des Verlusts für die Formel 1 und trotz des Risikos für Glock gibt es schon einen Gewinner: die DTM.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.01.2013, 18:06 Uhr

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